Warum die S-Bahn-Linie S1 von und nach Neumarkt 2024 besonders oft ausfiel und unpünktlich war

Es ist eine Premiere: Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hat Daten zu den einzelnen Linien der S-Bahn Nürnberg und deren Pünktlichkeit bzw. Verspätungen im Jahr 2024 veröffentlicht. Die Werte der S1, die von und nach Neumarkt fährt, stachen dabei heraus. Auch auf die Gründe für Verspätungen und Ausfälle geht die BEG ein.
Generell sank bei allen Linien der Nürnberger S-Bahn die Pünktlichkeit im vergangenen Jahr. 93,3 Prozent der Züge waren pünktlich (2023: 94,9). Als pünktlich wertet die BEG, die im Auftrag des Freistaats den Schienennahverkehr plant, finanziert und kontrolliert, alle Züge, die weniger als sechs Minuten verspätet sind.
S-Bahn S1 von und Neumarkt ragte im Juli negativ hervor
Daran hat die Linie S1 zwischen Neumarkt, Nürnberg und Bamberg einen erheblichen Anteil. Mehr noch, es ist laut den Daten der BEG insbesondere der südliche Abschnitt zwischen Nürnberg Hauptbahnhof und Neumarkt, auf dem die Fahrgäste im Vergleich mit allen anderen Linien besonders viele Verspätungen ertragen mussten. 11,7 Prozent der Züge kamen zu spät.
Vor allem im Juli 2024 war viel Geduld bei den Fahrgästen gefragt. In diesem Monat schnellte die Quote an verspäteten Zügen auf den Höchstwert von 16,8 Prozent hoch. In den restlichen Monaten schaffte es die S1 Süd nur zwei Mal unter die Marke von zehn Prozent. Der nördliche Teil zwischen Nürnberg und Bamberg war nur etwas besser. Bei den anderen S-Bahn-Linien lag der Wert hingegen meist im Bereich von sieben bis ein Prozent verspäteter Züge. Fazit: Die S-Bahn von und nach Neumarkt war 2024 besonders unpünktlich.
Auch bei den ausgefallenen Zügen ist die S1 unrühmlicher Spitzenreiter. Bei allen sechs S-Bahn-Linien zusammen fielen im Vorjahr 8,3 Prozent der Züge aus. Daran hatte die S1 mit ihrer gesamten Distanz von Neumarkt nach Bamberg einen Anteil von 2,4 Prozent. Vor allem die Monate Januar und August stachen mit 6,2 bzw. 7,9 Prozent ausgefallener S-Bahn-Verbindungen hervor.
Welchen Einfluss Bauarbeiten auf die Verspätungen bei der S1 nach Neumarkt hatten
Bauarbeiten waren hauptverantwortlich für Ausfälle im S-Bahn-Netz (61,6 Prozent). Beispielsweise fanden im August umfangreiche Arbeiten an Weichen am Hauptbahnhof Nürnberg statt. Im Januar hatten die Lokführer gestreikt, was den Faktor „Externe Einflüsse“ in der BEG-Auswertung nach oben trieb. In 3,6 Prozent der Fälle waren im Nürnberger S-Bahn-Netz fehlende Fahrzeuge der Grund für Ausfälle.
Für verspätete Züge spielten Bauarbeiten als Ursache eine eher geringere Rolle (10,1 Prozent). Wichtiger war der Punkt „Verkehrliche Durchführung“ (24,2 Prozent), hinter dem sich Fälle verbergen, in denen beispielsweise Personal nicht rechtzeitig am Einsatzort war oder nicht rechtzeitig bereitgestellte Fahrzeuge. In 20,2 Prozent der Verspätungen waren Störungen an Weichen, Gleisen und anderer Infrastruktur die Ursache.
2026 wird die Bahnstrecke Nürnberg - Regensburg monatelang komplett gesperrt
Die S-Bahn Nürnberg und die S1 im Speziellen lagen damit im bayernweiten Trend für das Jahr 2024 mit sinkender Pünktlichkeit und steigenden Ausfallquoten bei Nahverkehrszügen.
Ob sich das auf absehbare Zeit ändern wird? Allgemein gesprochen sagt BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs: „Die marode Infrastruktur setzt die Rahmenbedingungen – unsere Gestaltungsmöglichkeiten sind hier begrenzt. Bis zu einer deutlichen Trendwende ist Geduld gefragt.“
Für den Abschnitt der S1 lässt sich der Zeitraum immerhin genauer beziffern. 2025 wird sich baulich nichts großartig verbessern. 2026 ist die Generalsanierung der Strecke Nürnberg-Regensburg mit einer mehrmonatigen Sperrung geplant, die den Fahrgästen viel abverlangen wird. Danach besteht zumindest die Aussicht auf Besserung.