Marode Kitas in Regensburg: Wo sollen die Kinder hin?

Im Herbst hatte sich die Stadt Regensburg noch zufrieden gezeigt mit der Betreuungssituation. Erstmals habe sie alle Kinder zwischen Kleinkind- und Vorschulalter unterbringen können, hieß es, auch wenn 20 Prozent nicht den Wunschplatz bekommen hätten. Jetzt allerdings informiert Bildungsreferentin Sabine Kellner-Mayrhofer die Stadträte des zuständigen Ausschusses darüber, dass in städtischen Einrichtungen zum Teil das Kindeswohl gefährdet sei. Im Kasernenviertel drohten deshalb Zwangsschließungen.
Der Grund: Dort sind drei große Einrichtungen besonders sanierungsbedürftig. Für das Kinderhaus Pestalozzi, den Kindergarten Napoleonstein und die Kindertagesstätte Landshuter Straße gilt der Beschlussvorlage für die Sitzung des Jugendhilfeausschusses an diesem Donnerstag zufolge: „Die festgestellten baulichen Mängel stellen Gefährdungen dar, die aus arbeitssicherheitsrechtlicher Sicht (Kindeswohl) nicht mehr hinnehmbar sind und definitiv und unabhängig von späteren Sanierungen schon in 2025 Baumaßnahmen erfordern.“
Sanierungsmaßnahmen wurden immer verschoben
In der Beschlussvorlage heißt es auch: Der Sanierungsbedarf sei seit Jahren bekannt. Dennoch seien die Maßnahmen im Investitionsprogramm immer wieder nach hinten geschoben worden, weil anderen Baumaßnahmen höhere Priorität eingeräumt wurde und darüber hinaus personelle und finanzielle Kapazitäten der Stadt Grenzen gesetzt hätten.
Die Folgen: Im Kinderhaus Pestalozzi mit seinen 102 Plätzen, davon 24 für ganz Kleine im Alter von bis zu drei Jahren, fiel in diesem Winter mehrfach die Heizung aus. Die Betreuung eines Teils der Kinder musste auf eine andere Einrichtung ausgelagert werden. Im Sommer dagegen werde es unzumutbar heiß, so dass weitere Auslagerungen oder Teilschließungen drohten. Für den in den 60er Jahren errichteten, „abgenutzten“ Kindergarten Napoleonstein mit bis zu 90 Plätzen gelte: „Es gibt Schädlingsbefall, der nicht mehr durch Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen gelöst werden kann, sondern Umbauten erfordert.“ Dort gab es Mäuse, der Kammerjäger kam. In der Kita Landshuter Straße mit 125 Kindergartenplätzen träten immer häufiger Mängel auf, die sich aber kurz- und mittelfristig nicht beheben ließen, da der Stadt das Gebäude nicht gehöre. Für alle drei Häuser gelte: „Im Extremfall droht die (zeitweise) Schließung der betroffenen Einrichtung oder Teilen davon durch die Aufsichtsbehörde.“
Was eine Kita-Schließung bedeutet, weiß Sebastian Mezger (34). Der Verwaltungsmitarbeiter und seine Familie sind am Galgenberg zuhause und haben in Sachen Kinderbetreuung „ein bisschen eine Odyssee“ hinter sich. Seit März pendeln die Eltern mit ihrem bald dreijährigen Sohn zu einer Krippe im Westen. Die Einrichtung im Osten, in die er vorher ging, schloss nach Weihnachten, unter anderem wegen Personalnot. Zuvor hatten sich die Eltern „durchlavieren“ müssen. „Da war dann teilweise wochenweise zu.“ Er und seine Frau arbeiteten da Teilzeit und taten sich mit zwei anderen Elternpaaren zusammen, damit die Kleinen zumindest stundenweise betreut waren. Auch die Oma half, zum Teil hätten sie sich abends noch einmal zum Arbeiten hingesetzt. „Das war schon eine anstrengende Zeit.“
Vater: „Man muss definitiv etwas tun“
Im Juni könne sein Sohn nun in einen Kindergarten am Galgenberg wechseln, der nach einem Trägerwechsel wieder öffne. „Es ist ziemlich gut, dass der wieder aufmacht“, sagt Mezger. Gut sei, dass es dort auch eine Krippe gebe, in der er seine dreiwöchige Tochter vormerken lassen könne. Die Suche sei „oft der größere Stress“, der städtische Kitaplaner im Internet funktioniere nur halb, selbst die Stadt lasse die Eltern zusätzlich Extra-Formulare ausfüllen. Es sei sicher schwierig, in einer wachsenden Stadt genügend Plätze anzubieten, und doch gelte: „Wenn man will, dass die Leute arbeiten und die Kinder gut betreut sind, muss man definitiv was tun.“
Der Beschlussvorlage des Bildungsreferats ist zu entnehmen, womit die Stadt kämpft. Sie braucht in den nächsten Jahren vermehrt Ausweichkapazitäten für ganze Gruppen oder Häuser, die fehlten aber. Zudem muss sie ab dem Schuljahr 2026/2027 auch den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder erfüllen. Schon 2025 fehlten, vorsichtig gerechnet, mindestens 610 Hortplätze. Der Lösungsvorschlag der Bildungsreferentin: Die Verwaltung solle prüfen, ob und wo Grundstücke oder Immobilien zur Verfügung stehen, mit denen die Stadt den Kinderbetreuungsbedarf kurz- und mittelfristig decken könne – und das vorrangig im Kasernenviertel.
Betreuungsplätze in Regensburg
In der Kita: 1327 Kinder im Alter von bis zu drei Jahren besuchen eine Krippe, 4355 Kinder ab etwa drei Jahren einen Kindergarten. Im September bekamen alle angemeldeten rund 2100 Kinder einen neuen Kitaplatz. Eltern aus dem Kasernenviertel müssten aber oft weit fahren, beklagt Burkard Wiesmann, Chef des Bürgervereins Süd-Ost. Dort gebe es zu wenig Plätze, vor allem in Häusern mit Krippen- und Kindergartenplätzen. Er kritisiert, dass die Stadt erst jetzt Ausweichmöglichkeiten für seit langem marode Kitas suche.
Für Grundschüler: Die Stadt rechnet ab dem Schuljahr 2025/2026 mit 5500 Grundschülern. Wenn 90 Prozent nachmittags betreut werden und ein Drittel davon in den Hort gehen, fehlen dann 610 Hortplätze. Weitere Plätze bieten andere Angebote wie die offene Ganztagsschule. Für sie gelten weniger hohe Anforderungen an pädagogisches Konzept und Räume sowie Öffnungszeiten als für den Hort, sagt Michael Straube von den Regensburger Eltern. Allerdings bräuchten einige auch keine Betreuung bis 17 Uhr und in den Ferien.