Warum Ferdinand Schmack bald im Regensburger Vogelparadies baut

Von Juliana Ried · 13. Mai 2025 um 19:23

Als Teiche sind die ehemaligen Schlammteiche der Zuckerfabrik an der Kremser Straße nicht mehr zu erkennen. Die früheren Absetzbecken, in denen sich der Dreck vom Waschen der Rüben trennen sollte vom Wasser, sind dicht bewachsen, auch wenn Ferdinand Schmack, der Geschäftsführer des hier ansässigen Industriegebiets Lago A3, sie bewässern und den Bewuchs zurückschneiden lässt. Noch, denn bald will er anfangen mit der Erweiterung von Lago A3.

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Damit zerstöre er ein Vogelparadies, klagt der Bund Naturschutz (BN). Am Dienstag wehrte sich der Investor gegen die Kritik – mit einem Rundumschlag. Das Paradies, so das Hauptargument von Schmack, sei „menschengemacht und nicht natürlich“, und zwar unter anderem von der Lago-A3-GmbH. „Durch diese Bewässerung haben wir es geschafft, diese streng geschützten und bedrohten Arten im Gelände zu halten“, sagte Schmack. Bis zum Baubeginn sollen Blaukehlchen und andere Rote-Liste-Arten umziehen können, etwa in eine der nahen Ausgleichsflächen.

Regensburger Bund Naturschutz lagt zum ersten Mal in 16 Jahren

Der BN hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, er verklage die Stadt wegen des Bebauungsplans, da die Erweiterungsfläche ein wertvoller Artenhotspot seltener und geschützter Tierarten sei und es zur geplanten Bebauung gute Alternativen gebe. Es handle sich um die erste Klage, die er in seinen 16 Jahren als BN-Kreischef anstrenge, betont Raimund Schoberer.

Schmack konterte, zu klagen, sei das gute Recht des BN. „Allerdings sollte man bei den Fakten bleiben.“ Die Argumentation des BN sei „eigentlich erbärmlich“, zum Teil eine „Vergewaltigung von Sprache“. Bei der Alternativenprüfung gehe es darum, Möglichkeiten auf vom Bebauungsplan umfassten Gelände zu untersuchen, nicht irgendwo anders. „Das Problem ist: Wir halten halt die Flächen hier und nicht in Obertraubling.“ Zudem gelte: „Es muss eben ein fertigungsnaher Standort sein.“ Namhafte ortsansässige Unternehmen benötigten Flächen, wo sie unweit des Werkstors etwa Teile zusammenfügen könnten. Zur nachhaltigen Planung gehöre es auch, mit Flächen nicht verschwenderisch umzugehen. „Wenn es so ist, dass wir uns an Recht und Gesetz halten, habe ich einen Anspruch, dass ich da eine Industriehalle hinbaue“, sagte Schmack. Er allerdings tue weit mehr als das. „Das ist keine 0815-Planung. Es ist eine hochkomplexe, aber hochgelungene Planung. Da gibt es nur Gewinner.“

Stolz ist Schmack vor allem auf das viele Grün. Circa 38 Prozent der circa 26 Hektar seien als Grün- beziehungsweise Ausgleichs- oder Wasserflächen vorgesehen. „Das ist doch ein sehr hoher Prozentsatz.“ Dazu kommen weitere Ausgleichsflächen außerhalb des Geländes, bei Mintraching, in Irl und im Osthafen, wo Schmack auf gut sechs Hektar eine Art Seitenarm der Donau schuf, wo unter anderem Bachstelze und Flussregenpfeifer in Ruhe brüten sollen. Als „absolute Meisterleistung“ würdigte Schmacks Co-Geschäftsführer Alfons Viehbacher dieses „Parallelgerinne“.

„Da entsteht genau die Landschaft, die wir bei den Schlammteichen immer gehabt haben“, sagte Schmack. Diese seien seit 2021 „komplett ausgetrocknet“, bis auf zwei bis heute bewässerte und immer wieder freigeschnittene Teilbereiche. „Ist das nachhaltig, wenn ich mit Diesel und schweren Maschinen dauernd da rumfuhrwerke, für eine Art, die es 1945, 1990 an dieser Ecke nicht gegeben hat?“ Ein vorhandener Weiher werde aufgewertet. Bisher sei es gelungen, dass der überwiegende Teil der streng geschützten Tiere erhalten geblieben sei, und um diese gehe es. Für den Artenschutz müsse mehr getan werden, aber er sei „nicht für den gesamten Artenerhalt in Regensburg zuständig“.

Ausbau der Kremser Straße läuft

Zudem gelte: „Wir haben nicht einen Bebauungsplan aus dem Boden gestampft in kurzer Zeit, und dann schnell, schnell mit der Planierraupe alles niederwalzen.“ Die ersten Gespräche über Lago A3 habe er im Dezember 2010 geführt, im Mai dieses Jahres wurde der Bebauungsplan im Amtsblatt veröffentlicht. „15 Jahre. Das ist einmal lebenslänglich.“

Der Ausbau der Kremser Straße hat bereits begonnen. Sie wird zweispurig und bekommt Geh- und Radwege.

Soweit es möglich ist, legt Schmack los. Der Ausbau der Kremser Straße läuft. Den Bauantrag für die erste Halle will er bald einreichen. „Wir gehen davon aus, dass eine erste Halle frühestens Mitte, Ende 27 fertig sein kann“, kündigte Schmack an – vorausgesetzt, die Klage des BN verzögert das Ganze nicht weiter. Schmack gab sich diesbezüglich „beruhigt“. „Das Normenkontrollverfahren bringt hoffentlich am Schluss ans Licht, dass wir uns eben an diese Normen gehalten haben“, sagte er.

Der Logistikpark Lago A3

Der Status quo: Aktuell sind rund 400 Arbeitskräfte in den zwei Lago-A3-Hallen beschäftigt, die es bereits gibt. Der Maschinenbauer Krones AG, Autozulieferer Continental, BMW-Zulieferer HBPO Regensburg und der Craiss Logistik Service nutzen sie.

Die Geschichte: Die beiden ersten Hallen wurden von den Oberbürgermeistern Hans Schaidinger und Joachim Wolbergs ohne Bebauungsplan genehmigt. Das wurde massiv kritisiert, etwa vom BN. Daraufhin begann ein aufwendiges Verfahren, das sich Jahre hinzog.

Die Pläne: Schmack und seine Co-Geschäftsführer wollen zwei weitere Hallen bauen. „Wir gehen davon aus, dass sich die Arbeitsplatzzahl noch einmal verdoppelt“, bekräftigte Schmack am Dienstag.