Gebietsreform im Raum Waldmünchen: Warum Häuslarn Teil von Katzbach wurde:

Im Jahr 1806 wurde Bayern ein Königreich. Die Expansion des Staates war enorm, so kamen beispielsweise Tirol und Teile Frankens und Schwabens zu Bayern. Kurfürst Maximilian IV wurde zum König Maximilian I. Joseph. Dieser beauftragte Graf Maximilian von Monteglas mit den damit einhergehenden Verwaltungs-Reformen, unter anderem wegen der territorialen Ausdehnung des Landes.
Um das Jahr 1818 wurden die Ortschaften frei von herrschaftlichen Zwängen. Es entstanden die Gemeinden mit deren Bevollmächtigten bzw. Bürgermeistern sowie den Beigeordneten bzw. Gemeindeausschüssen und örtlichen Verwaltungsorganen.
Damit wurde Häuslarn mit seinen elf Häusern (einschließlich einem Armenhaus bzw. Hüthaus) und den beiden Höfen im benachbarten Ponholz Rural Gemeinde, also Landgemeinde und natürlich auch Steuergemeinde.
Die Bürgermeister bekamen als Hoheitszeichen eine sogenannte Bürgermeistermedaille. Dieses Häuslarner Dienstzeichen ist für unsere Heimatgeschichte von besonderer Bedeutung, da es das älteste aller bekannten Dienstzeichen im Landkreis Cham ist und glücklicherweise vor dem Einschmelzen bewahrt wurde. Im September 1821 wurde es an die Gemeinde Häuslarn ausgeliefert. Das Dienstzeichen wurde dann von Bürgermeister zu Bürgermeister weitergegeben. Josef Wutz, (Mühl Sepp) der letzte Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Katzbach hat diese Medaille aus Silber Anfang März 2005 dem Grenzlandmuseum Waldmünchen als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.
Zwei „ganze Höfe“ in Häuslarn
Davor gab es im Dorf Häuslarn einen sogenannten Maierhof. Der Hausname „Moyer“ auf der Hausnummer 2 zeugt heute noch davon. Der Maier war im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit der (Gmain) Verwalter, der vom Gutsherrn eingesetzt wurde. Er beaufsichtigte die Scharwerksarbeit (Frondienste) bzw. die ihm in Häuslarn anvertrauten Dorf-Anwesen samt seiner kompletten Einwohnerschaft. In der Regel wurde er für neun Jahre vom Gutsherrn verpflichtet.
In Häuslarn gab es zwei sogenannte „ganze Höfe“ (1/1 Höfe bzw. Huben). Das bedeutet, dass zwei Höfe in Häuslarn so groß waren, dass sie komplett mit Ihren Familien, Mägden und Knechten aus den Erträgnissen der eigenen Herstellung leben konnten und keine Nebeneinkünfte nötig hatten. Diese beiden Höfe gibt es heute immer noch. Es gab dort aber auch ½ Höfe und ¼ Höfe (Sölden). Die Einteilung erfolgte damals nach dem sogenannten Hoffuß. Die Nachnamen bzw. Hausnamen Häusler, Söldner, Huber, Gütler etc. geben heute noch davon Zeugnis.

Zehent Abgaben waren ab 1825 zu 2/3 an das königliche Rentamt Waldmünchen und zu 1/3 an die Pfarrei Gleißenberg zu leisten. Die Gerichtsbarkeit für die Steuergemeinde Haeuslarn (so wurde der Ort offiziell damals geschrieben) lag ebenso beim o. g. Rentamt. Die Filial-Kirche Geigant erhob von einem Grundstück des Kunzbauernhofes Grundzins. Forstrechte bestanden für jedes Anwesen zum Bezug von Bauholz, Streu und Weidenschaft, also das Recht der unentgeltlichen Weide von Tieren. Dem Mesner zu Gleissenberg standen jährlich sogenannte Läutgarben und eine Fastenspeise aus jedem Anwesen zu. Später erfolgte die Umwandlung der Naturalabgaben zu Geld-Leistungen.
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Das o. g. Hirtenhaus stand ungefähr da, wo heute die Löschwasserzisterne in Häuslarn untergebracht ist. Dieses Hüthaus ist im Jahr 1907 einem Brand zum Opfer gefallen und somit samt Hausnummer abgegangen. Die seinerzeitige Hausnummer 11 existiert allerdings wieder. Sie wurde vor Kurzem im Tausch gegen die Nummer 5 ½ dem Deml-Anwesen offiziell zugeordnet.
Die Gemeinde Häuslarn wurde im Jahr 1836 in die Gemeinde Katzbach integriert. Warum war das so? Nicht deshalb, weil die Gemeinde zu klein war, wie eventuell zu vermuten wäre. Die Flur des Dorfes war flächenmäßig durchaus mit der von Katzbach vergleichbar. Der Grund für die Eingliederung nach Katzbach war ein völlig anderer: Es war in Häuslarn so, dass es tatsächlich niemanden gab, der zu dieser Zeit lesen und schreiben konnte. Den Bürgern mussten die wichtigen Sachen vorgelesen werden. Auch der Gemeindevorsteher bzw. Bürgermeister konnte es nicht. Und dieses nicht lesen und nicht schreiben können, war der ausschlaggebende Punkt, dass die Zusammenlegung der Gemeinde Häuslarn mit der Gemeinde Katzbach passieren konnte bzw. musste.

Mit dem Königreich Bayern wurde zwar die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Es musste für jedes Schulkind Schulgeld entrichtet werden. Häuslarn war von den bestehenden Schulen weit entfernt. Diese waren in Gleißenberg, Geigant, und in Balbersdorf. Dort gab es zeitweilig eine sogenannte (allgemein verbotene) Winkelschule.
Mehr als 45 Minuten Schulweg nach Geigant
Beispielsweise war der Schulweg nach Geigant so lang, dass man dafür über ¾ Stunde lang gehen musste. In den strengen Wintern für die Kinder nicht ganz so einfach. Die Kinder im schulpflichtigen Alter waren außerdem für jeden Hof willkommene Arbeitskräfte, die zum Ernähren der Familie unbedingt beitragen mussten. Die Mädchen beispielsweise als „Kindsdirn“, die Jungs als angehende Haus- Stall- oder Hofknechte.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Es gab viele Menschen in Katzbach und natürlich auch in vielen anderen Ortschaften, die aus den o. g. Gründen Analphabeten waren. Notarurkunden und Briefprotokolle bezeugen das. Die Personen, die nicht lesen und schreiben konnten, haben ihr Leben lang mit +++ drei Kreuzen unterschrieben. Entsprechende Original-Urkunden finden sich in den einschlägigen Archiven, teilweise aber auch noch auf den örtlichen Anwesen.
136 Jahre eine Gemeinde
Somit wird verständlich, dass die Gemeinde Häuslarn mit der Gemeinde Katzbach fusionierte und in einer Gemeinde aufgehen konnte. Das blieb so bis ins Jahr 1972, also 136 Jahre lang. 1972 wurde Katzbach mit den Ortsteilen Häuslarn, Bonholz, Eschlmais, Kühnried, oberer Roßhof und Sandwiese Teil der Gemeinde Geigant, letztendlich 1978 dann südlichster Teil der Stadtgemeinde Waldmünchen.