Kripo ermittelt nach Todesfällen – Chamer Suchtberater warnt vor „Rauschgiftcocktails“

Von Nils Mayer · 14. Mai 2025 um 11:00

Drei Todesfälle und die Angst vor gestrecktem Stoff sorgen in der Drogenszene Cham für Verunsicherung. Die womöglich entscheidenden Gutachten sollen laut Kripo Regensburg bald öffentlich werden. Der Chamer Suchtberater Siegfried Urbas warnt davor, Drogen zu vermischen, „da die Wirkungen solcher Rauschgiftcocktails unberechenbar sind“.

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Noch grübelt die Kripo Regensburg über die genaue Ursache bei den Drogentoten in Cham. „Wir müssen die Gutachten abwarten, erst dann können wir ein finales Urteil fällen“, erklärt Alexander Schmitt, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz.

Die Polizei wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen und gehe immer noch verschiedenen Spuren nach. „Vermutlich wird das erste Gutachten schon diese Woche rauskommen, dann wissen wir mehr“, sagt Schmitt.

Auch Siegfried Urbas, Suchtberater am Chamer Gesundheitsamt beschäftigen die Todesfälle in der Drogenszene. Laut ihm verfolgt das Gesundheitsamt die Ermittlungen mit großer Aufmerksamkeit. „Betäubungsmittel sollten nicht mit anderen Drogen oder sonstigen Substanzen vermischt werden“, so Urbas. Außerdem gebe es die Regeln des „Safer Use“ zu beachten.

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Für das Gesundheitsamt seien die aktuellen Geschehnisse noch ein Grund mehr, das eigene Angebot an präventiven und unterstützende Maßnahmen weiterzuentwickeln.

Jahrelange Erfahrung

Schon seit 2015 ist Urbas beim Gesundheitsamt Cham in der Suchtprävention- und Beratung tätig. Zuvor hatte er auch ein Studium zum Diplom-Sozialpädagogen abgeschlossen.

Seine persönliche Motivation beschreibt der Suchtberater wie folgt: „Mir geht es darum, den Betroffenen klar zu machen, dass sie mit ihrem Schicksal nicht alleine sind und es Auswege aus einer Suchterkrankung gibt.“ Trotzdem sei dieser Weg oftmals kein leichter und herausfordernd.

Rund sieben Millionen Erwachsene sind laut Urbas in Deutschland von einer Suchterkrankung betroffen. Dabei würden unter anderem Nikotin, Alkohol, Schmerzmittel oder besonders gefährliche Drogen wie Kokain eine Rolle spielen. „Dieses bundesweite Bild spiegelt sich auch im Landkreis Cham wider“, sagt der Suchtberater. Aber warum schlittern immer mehr Leute in eine Suchterkrankung rein? Dass ist laut Urbas nicht ganz einfach zu erklären. Es gebe viele Gründe für die Entwicklung einer Sucht: „Neben der Persönlichkeit, dem sozialem Umfeld und der Biografie spielen auch Lebenskrisen oder die genetische Veranlagung eine Rolle.“

Diese Liste klingt auf den ersten Blick erdrückend, trotzdem stehe für ihn nach eigenen Worten fest, dass ein zufriedenes Leben ohne Abhängigkeiten von Suchtmitteln möglich ist.

Die beste Medizin gegen eine Suchterkrankung ist, sie gar nicht erst entstehen zu lassen.

Siegfried Urbas, Suchtberater

Dabei folgt er vor allem einem Grundsatz: „Die beste Medizin gegen eine Suchterkrankung ist, sie gar nicht erst entstehen zu lassen.“ An erster Stelle stehe für den Suchtberater der Nachwuchs. Das Gesundheitsamt nehme vor allem Schüler und Jugendliche als Ziel für Schulungen und Projekte ins Visier.

Außerdem biete das Gesundheitsamt unterschiedliche Möglichkeiten der Suchtberatung an. Von regionalen Selbsthilfegruppen über persönliche Beratung bis hin zur stationären Entgiftungseinrichtung reicht das Angebot laut Urbas. „Dabei unterliegt die Beratung natürlich einer strengen Schweigepflicht und ist kostenlos“, erklärt der Suchtberater.

Das vielfältigste Angebot sei aber nichts wert, wenn der Wille und die Einsicht bei den Betroffenen nicht existiere, erzählt Urbas. „Bei der täglichen Arbeit geht es deshalb oft um das Erreichen einer Zugänglichkeit, denn nicht jeder Klient ist motiviert.“

Dabei gibt es mehrere Methoden, die zur Auswahl stehen. „Sogenannte Impact-Techniken haben sich dabei als sehr erfolgsversprechend erwiesen“, stellt Urbas fest.

Das Ziel sei ein Aha-Erlebnis bei den Suchtkranken auszulösen und dadurch eine emotionale Reaktion hervorzurufen. „Dies kann durch symbolische Objekte geschehen, wie etwa ein Blatt Papier, das zerknüllt wird und für das eigene Selbstwertgefühl steht“, erklärt er. Der Erfolg solcher Hilfs-Methoden hänge aber stets vom individuellen Fall ab und sei sehr schwer vorherzusagen.

Jeden kann es erwischen

Auch die Menschen, die zu ihm in Beratung und Behandlung kommen, sind ganz unterschiedlich. „Sowohl Männer als auch Frauen nutzen unser Angebot. Die Betroffenen kommen aus allen Altersgruppen.“

Für den Suchtberater steht fest, dass seine Arbeit einen Unterschied macht. „Sollte sich das Gefühl jemals einstellen, dass ich das nicht mache, würde ich sofort aufhören“, so Urbas. Auch die ganz persönlichen Erfolgsgeschichten der Suchtkranken in ihrem Weg aus der Sucht freuen ihn besonders: „Es kommt nicht selten vor, dass mich die Betroffenen auch Jahre nach ihrer erfolgreichen Therapie noch persönlich besuchen, anrufen oder Mails schreiben.“