Zwischen Gym und Schweinebraten: Regensburger Gastronomen auf dem Fitness- und Gesundheitstrip

Von Heike Haala · 13. Mai 2025 um 05:00

Cindy Brechtl, Alfred Glöckl und Muk Röhrl aus Stadt und Landkreis Regensburg verdienen ihren Lebensunterhalt mit gehaltvollen Leckereien. Trotzdem achten sie auf ihre Ernährung und treiben dizipliniert Sport. So gelingt ihnen das.

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Im April vor einem Jahr war bei Muk Röhrl, Wirt aus Eilsbrunn im Landkreis Regensburg, einiges zusammengekommen: Er berichtet von einer Feuerwehrübung, bei der ihn ein Kollege wegen seines Gewichts nicht mehr bewegen konnte, was im Ernstfall bedeutet hätte, dass der Mann ihn ohne Unterstützung nicht aus einem brennenden Haus hätte retten können. Auf dem Gäubodenfest sei Röhrl zudem aus einem Karussell gebeten worden, weil sich dessen Sicherheitsbügel aufgrund der Ausmaße des Wirts nicht mehr habe schließen lassen. Aber damit nicht genug.

Zudem sei Röhrl seine Lederhose so eng geworden, dass sie bei einem Rempler im Autoscooter schließlich platzte. Als er die fünf Stockwerke zu seinem Zahnarzt im Donaueinkaufszentrum hochstieg, wäre er oben am liebsten in ein Sauerstoffzelt gegangen. Sogar beim Schuhbandbinden sei ihm sein Bauch im Weg gewesen. Cholesterin, Blutwerte, Blutdruck – der Hausarzt habe Alarm geschlagen und Röhrl sich fortan am Riemen gerissen. 31 Kilo habe er seither abgenommen. Wie viel Disziplin das erfordert – vor allem, wenn einem dabei die herrlichsten Gerüche aus dem eigenen Betrieb in die Nase steigen – kann jeder erahnen, der schon einmal eine Diät gestartet hat. Röhrl ist dennoch nicht der einzige Regensburger Gastronom, der sich den Themen gesunde Ernährung und Fitness mit Verve widmet.

Cindy Brechtl im Fitness-Studio - Foto: Brechtl

Beispielsweise sind die 128 Kilo, die Röhrl vor seiner Ernährungsumstellung nach eigenen Angaben auf die Waage gebracht hat, fast so viel wie die 130 Kilo, von denen Cindy Brechtl, Chefin in Brechtl's Hüttenzauber, berichtet: Die habe sie vor Dultbeginn beim Kreuzheben im Fitnessstudio geballert bekommen. Nach dem Volksfest werden es vielleicht noch 100 Kilo sein, vermutet Brechtl, die auch bayerisches Catering ausliefert und unter deren Regie Imbiss-Stände im Alex-Center sowie bei Festen in der Stadt laufen. Während der Dult hat Brechtl weder die Zeit, fünf Mal in der Woche ins Gym zu gehen noch für ihre wöchentliche Cardioeinheit oder ihre Yogapraxis. 20 Minuten Sport am Tag zu Hause müssen dann reichen. Aber in zwei Wochen wird Brechtl in die Sporthalle zurückkehren und eisern trainieren. Immerhin würde sie gerne bald 150 Kilo empordrücken.

Festwirt Alfred Glöckls - Foto: altrofoto.de, Archiv

Auch Festwirt Alfred Glöckl ließ sein Sportprogramm wegen des Dultauftakts in den vergangenen drei Tagen ausfallen. Sonst aber trainiere er jeden Morgen zwischen 6.30 und 7.30 Uhr, gleich nachdem der beim Großeinkauf war. Gewichte, einen Crosstrainer und eine Multifunktionsstation mit Seilzügen nennt der Mann sein Eigen, der neben dem Festzelt auch ein Lokal im Donaueinkaufszentrum und das La Gondola betreibt. An manchen Tagen bringe er es sogar auf zwei Sporteinheiten. Viele Wege erledige er mit dem Rad. Sein Leben lang mache der 59-Jährige Sport. „Um den körperlichen Verfall hinauszuzögern“, sagt er zur Erklärung.

Das Eiweiß und das Eisen bringe ich zur Dult nicht her“

Cindy Brechtl, Chefin bei Brechtl's Hüttenzauber

Spätzle, Schupfnudeln, Käse und Brezen: Trotz des Angebots am eigenen Stand wird das Essen auf der Dult für Brechtl zur Herausforderung. Sie habe immer etwas dabei: Obst oder Gemüse. Manchmal hole sie sich aber auch etwas Sauerkraut. „Das Eiweiß und das Eisen bringe ich zur Dult nicht her“, sagt die Chefin am Spezialitätenstand. Deswegen greife sie an diesen Tagen auf Nahrungsergänzungsmittel zurück. Natürlich gönne sie sich aber auch einmal eine Breze oder Schokoerdbeeren.

Ich schlüpfe am Morgen als erstes in die Trainingsklamotten. Erst nach dem Sport kann ich dann duschen. So komme ich nicht aus“

Cindy Brechtl, Chefin bei Brechtl's Hüttenzauber

Am Krafttraining schätze sie, dass es ihr Power für den Alltag gibt und die Möglichkeit, im Kopf abzuschalten. Zudem sei der Erfolg schnell sichtbar. „Wenn es wieder einmal fünf Kilo mehr sind, ist das ein großer Erfolg“, sagt sie. Natürlich kennt auch sie Phasen, in denen sich die Motivation nicht einstellen will. Aber sie hat ihre Tricks, sich selbst zu überlisten. „Ich schlüpfe am Morgen als erstes in die Trainingsklamotten. Erst nach dem Sport kann ich dann duschen. So komme ich nicht aus“, sagt sie.

Muk Röhrl nach der Ernährungsumstellung: 31 Kilo hat er bisher abgenommen. - Foto: Röhrl

Röhrl sagt über sich selbst: „Ich habe reingeschaufelt!“ Was die Kinder übrig ließen, die Anschnitte des Apfelstrudels in der Wirtshausküche, vorsichtshalber eine Mahlzeit vor einem Termin, falls es dort nichts oder nichts Gescheites gibt – und noch eine, falls es dort dann doch etwas Gescheites gibt. Vor einem Jahr aber hat er diese Gewohnheiten mit Hilfe eines Ernährungsberaters umgestellt.

Muk Röhrl vor der Ernährungsumstellung - Foto: Röhrl

Zu Beginn dieser Phase sei er mit einer Lebensmittelwaage am Frühstückstisch gesessen und habe Brot, Wurst und Käse gewogen. „Ich durfte nicht mehr als 2000 Kalorien am Tag essen“, erinnert er sich. Umso größer sei der Schock gewesen, dass es die Wurst, der Senf und die Breze bei einem Weißwurstfrühstück schon auf die Hälfte dieses Pensums bringen. Inzwischen aber hantiert Röhrl mit Leichtigkeit mit Begriffen wie Körperfett, Grundumsatz oder mehrfach gesättigten Fettsäuren. Sicher gebe es auch Phasen, in denen sich beim Gewicht nichts tut. „Da muss man dranbleiben und weitermachen“, sagt er.

Wie konnte ich es nur so weit kommen lassen?“

Muk Röhrl, Chef beim Röhrl in Eilsbrunn

Gerade am Anfang aber seien die Pfunde gepurzelt. „Da war viel Wasser dabei“, erklärt der Wirt. Nach einer Woche habe eine erste Hose wieder gepasst. Anfang des Jahres habe die Waage dann zum ersten Mal weniger als 100 Kilo angezeigt. „Das ist schon super“, sagt Röhrl. Er berichtet von weiteren Erfolgserlebnissen: In einen Gürtel habe er weitere Löcher mit der Lochzange stanzen müssen. Auch habe er zu weit gewordene Hemden und Hosen wegräumen können. „Das waren richtige Zelte“, sagt er. Sein Hausarzt habe beim CheckUp in diesem Jahr nichts zu meckern gehabt. Blutdruck- und Cholesterinsenker sind für den 42-Jährigen passé. „Wie konnte ich es nur so weit kommen lassen?“, fragt er sich heute.