Schutz vor Anschlägen: Schweizer Sicherheitstechnik für die Regensburger Maidult

Von Rainer Wendl · 5. Mai 2025 um 17:00

Die veränderte Sicherheitslage macht auch vor der Regensburger Maidult nicht Halt. Die Stadt setzt daher bei dem am Freitag beginnenden Volksfest aus Sicherheitstechnik aus der Schweiz.

Am Montagmittag herrscht am Dultplatz Hochbetrieb und Ruhe zugleich. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich dadurch erklären, dass der Aufbau für die am Freitag startende Maidult mit einem Maximum an Routine abläuft. Hier weiß offensichtlich jeder, was zu tun ist – und der kundige Beobachter kann längst erkennen, dass er ab Freitag wieder alles an seinem gewohnten Platz finden wird. Nur von einem wichtigen Detail fehlt noch jede Spur: Die Rede ist von dem neuen Sicherheitssystem, mit dem „Überfahrtaten“ verhindert werden sollen.

Hinter diesem unschönen Wort verbirgt sich das noch weitaus abscheulichere Vorhaben, mit Fahrzeugen aller Art in Menschenmassen zu rasen. Weil es seit der Herbstdult 2024 gleich mehrere solcher Anschläge in deutschen Städten gegeben hat, kam man bei der Stadt zu der Einsicht, dass die bisherigen Schutzvorrichtungen mit Betonquadern und dazwischen gespannten Stahlseilen nicht mehr ausreichen.

Wenn ein 7,2 Tonnen schweres Fahrzeug mit 48 km/h in diese Sperre fährt, wird diese Energie innerhalb von 8,3 Metern auf Null zerstört.

Heinrich Boller, Consel Group

Bei der Pressekonferenz zur Maidult hatten die Verantwortlichen daher vor zwei Wochen eine neue Art der Sicherung angekündigt. Wie diese aussieht, wollten sie nicht verraten. Daran hat sich auch vier Tage vor Fassanstich nichts geändert.

„Wir wissen, wie es ausschaut. Aber nähere Auskünfte zu diesem Stopp-System überlassen wir der Stadt“, sagt beispielsweise Thomas Hasler, Sprecher der für die Dult zuständigen Polizeiinspektion Nord. Von deren Gebäude in der Straße am Protzenweiher aus geht es schnurgerade in Richtung Dult – mögliche „Überfahrtäter“ könnten in diesem Bereich verhängnisvoll lange Anlauf nehmen.

Das neue Sicherungssystem werde hier und auch an der zweiten Hauptzufahrt beim Pfaffensteiner Steg zum Einsatz kommen, kündigt Marktmeister Stephan Pregler an. Die bisher verwendete Beton-Stahlseil-Lösung werde zudem auch weiter genutzt; einmal an der hinteren Zufahrt von Richtung Wehr und einmal in der Verlängerung vom Pfaffensteiner Steg, beim Zugang zur Warendult.

Stadt mietet für 46.000 Euro

„Aufbau und Einweisung erfolgen am Donnerstag“, sagt Pregler in Bezug auf die nicht näher beschriebene neue Schutzvorrichtung, deren Eignung die Stadt bei dieser Maidult erst einmal testet. Aus diesem Grund wird das System bis auf Weiteres nur angemietet, für 17 Tage Volksfest sind dafür 46.000 Euro zu bezahlen.

Bei der Suche nach Fachfirmen, die solchen mobilen Fahrzeugsperren herstellen, verleihen und verkaufen stößt man nach kurzer Recherche auf das Schweizer Unternehmen Consel Group. Deren Senior Sales Manager Heinrich Boller gibt sich auf Anfrage deutlich auskunftsfreudiger als seine Regensburger Kundschaft. Er bestätigt den Auftrag für die Maidult und erklärt, dass sein Unternehmen von Berlin über München, Frankfurt, Münster, Speyer und Trier bis Nürnberg bereits mit zahlreichen deutschen Städten zusammenarbeite und bei deren Volksfesten im Einsatz sei.

Viel Bedarf beim ESC, aber für Regensburg „noch was gezaubert“

Die mobile Fahrzeugsperre „Armis One“ bezeichnet er als „unbedingt prädestiniert“ für die Dult, denn ein einziges Modul dieser Vorrichtung könne die Anprall-Wucht von 750 000 Joule auf engem Stauraum unschädlich machen. Boller gibt dazu eine Beispielrechnung: „Wenn ein 7,2 Tonnen schweres Fahrzeug mit 48 km/h in diese Sperre fährt, wird diese Energie innerhalb von 8,3 Metern auf Null zerstört.“

Die Nachfrage nach diesem System sei derzeit enorm, führt Boller weiter aus: „Das hängt auch mit dem Eurovision Song Contest zusammen, der ab 10. Mai in Basel stattfindet. Aber Regensburg hat sich früh genug angemeldet, da konnten wir noch was zaubern.“

Wichtige Termine der ersten Dult-Tage

• Festzug: Um 17 Uhr machen sich in der Maxstraße prächtig geschmückte Pferdegespanne und Brauereiwagen zusammen mit Trachtengruppen, Schützenvereinen und Blaskapellen auf den Weg, um die Kutsche mit Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer zum Dultplatz begleiten.

• Anstich: Nach der Ankunft um 18 Uhr schreitet das Stadtoberhaupt im Hahn-Zelt zur Tat: Mit dem Fassanstich wird die Maidult offiziell eröffnet. Ein weiterer Programmpunkt ist ebenfalls schon zur Tradition geworden: Am Sonntag um 10 Uhr findet im Hahn-Zelt der Dult-Gottesdienst statt.

• Seniorennachmittag: Für die älteren Mitbürger ist dies ein besonderes Dult-Highlight: Am Montag ab 13 Uhr gibt es im Hahn-Zelt Sonderpreise Senioren. Den Fassanstich nimmt Sozial-Bürgermeisterin Astrid Freudenstein vor, auch Landrätin Tanja Schweiger hat ihr Kommen zugesagt.

• Wetter-Prognose: Nach den frühsommerlichen Temperaturen um den 1. Mai ist es zu Beginn dieser Woche kalt und unwirtlich geworden. Die Vorhersage für die ersten Dult-Tage versprechen einen verträglichen Mittelweg mit Temperaturen bis 17 Grad und geringer Regen-Wahrscheinlichkeit.