Franziska von Hülst aus Maxhütte-Haidhof ist Sängerin aus Leidenschaft

Von Renate Ahrens · 12. Mai 2025 um 19:00

Den Traum von der großen Bühne, den Brettern, die die Welt bedeuten, hat Franziska von Hülst aus Maxhütte-Haidhof schon lange. Die Voraussetzungen dafür hat sie: Sie ist staatlich geprüfte Musical-Ensembleleiterin, absolvierte in Essen die Folkwang Universität der Künste für Gesang und Schauspiel und verfügt vor allem über großes Talent.

Ein festes Engagement hat Franziska von Hülst zwar nicht – zu viele Absolventen drängen sich auf dem heiß umkämpften Markt der Profi-Musik. Aber im Rückblick ist das für sie ein Glück, wie die 32-Jährige aus Maxhütte-Haidhof feststellt: Sie fühle sich nun rundum angekommen und liebe das, was sie tue. Ihre Leidenschaft für Bühne und Gesang sei sogar noch stärker geworden – weil sie sich frei fühle und sehr vielseitig tätig sein dürfe.

Schon im Kindergarten war sie die Solostimme

Musik spielt für die Künstlerin seit ihrer Kindheit eine große Rolle. Bereits im Kindergarten und in der Grundschule sei es meistens sie gewesen, die bei Weihnachtsfeiern als Solostimme ausgewählt wurde. Natürlich trat sie in den Schulchor ein und lernte Instrumente wie zum Beispiel Bratsche.

Geboren wurde Franziska von Hülst in Regensburg, zog aber mit elf Jahren mit ihren Eltern nach Maxhütte-Haidhof, wo sie heute wieder mit ihren Mann Hendrik und den beiden Söhnen (zwei und fünf Jahre) lebt. Hier hat sie ihre Berufung gefunden und arbeitet als selbstständige Ensemble- und Solosängerin. Auch als Gesangslehrerin im Bereich Pop und Musical ist sie tätig.

So groß der Traum in der Schulzeit auch war, die großen Bühnen zu erobern – sollte sie sich auch wirklich trauen? Als junges Mädchen war sie sich damals gar nicht so sicher. Doch oft sind es zufällige Begegnungen, die das Leben verändern, und so war es auch bei Franziska von Hülst.

In viele Rollen ist die Interpretin schon geschlüpft, wie etwa die der Margot im Musical „Natürlich blond“. - Foto: Michael Kohlhaas

Als Gymnasiastin jobbte sie in der Veranstaltungsfirma ihrer Eltern am Einlass bei Konzerten und lernte dabei Tanzlehrerin Claudia kennen. Die bestärkte sie in ihrem Traum, Gesang und Schauspiel zum Beruf zu machen. Und so besuchte von Hülst nach dem Abitur drei Jahre lang die Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg und anschließend die Hochschule der Künste in Essen.

Bereits vor Abschluss ihres Studiums begann sie sich für Engagements für Gesang und Musicals zu bewerben. „Insgesamt 16 Aufnahmeprüfungen habe ich durchlaufen, aber erfolglos“, erzählt von Hülst. Die Konkurrenz war einfach zu groß. Auf eine einzige Stelle als Profimusiker würden bis heute Hunderte bestens ausgebildete Künstler aus der ganzen Welt drängen, sagt sie. „Ich hatte dann erst mal die Nase voll.“

Und so buchte sie kurzerhand einen Flug auf die Philippinen und arbeitete dort ein halbes Jahr lang als Tauchlehrerin. Gelernt hatte sie das am Steinberger See. Es tat gut, einmal von allem Abstand zu haben, nicht mehr täglich mit der Musik zu tun zu haben. Immerhin brachten sie ihre Tauchlehrerkollegen dazu, ab und zu ein Geburtstagsständchen zu singen, wie die Sängerin erzählt.

Mit frischem Mut und neuer Gelassenheit kam sie von den Philippinen zurück. Ein halbes Jahr als Au-pair in London folgte, doch die Musik ließ sie nie los. Sie absolvierte ein Studium der Theaterwissenschaft in Mainz, wo sie ihren Mann kennenlernte, der dort ebenfalls schon ein wenig Theaterluft als Statist geschnuppert hatte. Sowohl ihre Eltern als auch ihr Mann hätten bis heute großes Verständnis für ihre Musicalleidenschaft und würden sie bei ihren Auftritten immer unterstützen, sagt von Hülst.

Sie hat auch Schlager im Repertoire

Ein weiterer Meilenstein sei während ihrer Zeit in Mainz die Mitwirkung beim Popchor in der Kirche in Wiesbaden gewesen. „Dort hatte ich zudem erste Auftritte als Sängerin bei Taufen“, sagt die 32-Jährige – und dabei habe sie Blut geleckt. „Dem Pfarrer und dem Organisten in Wiesbaden bin ich sehr dankbar. Sie haben immer an mich geglaubt.“

Mit ihrer Familie wohnt sie nun wieder in Maxhütte-Haidhof und ist neben ihrer Solokarriere als Sängerin in verschiedenen Ensembles wie dem Ovigo Theater tätig. Gerade in Musicals könne man so viel ausdrücken, interpretieren und erzählen, schwärmt von Hülst – im Vergleich zur großen Oper würden sie immer noch unterschätzt. An ihrem Beruf schätzt die Sängerin die Vielseitigkeit. „Dadurch stehe ich immer wieder vor neuen Herausforderungen, und das gefällt mir.“

Gerade auch dem Laientheater ist von Hülst verbunden. Die Leidenschaft und das Herzblut der Darsteller seien einmalig. Ihr eigenes Können und Wirken erweitere sie ständig, sagt die 32-Jährige, häufig eher zufällig. So habe sie einmal für einen 85. Geburtstag ein Schlagerrepertoire einstudiert – und war ganz begeistert. Lieder wie „Rote Lippen soll man küssen“ seien doch zeitlos und wunderschön, schwärmt von Hülst, die nach eigenen Worten übrigens am liebsten bei Beerdigungen singt. Das sei etwas ganz Besonderes, und sie empfinde es als große Ehre.

Ob bei Hochzeiten, Geschäftseröffnungen, Taufen oder Geburtstagen – immer sei es ihr wichtig, auf die Wünsche ihrer Auftraggeber einzugehen. Ein festes Repertoire habe sie bewusst nicht, auf Wunsch studiere sie Lieder ein. Irgendwann will sie sich außerdem zur Trauerrednerin ausbilden lassen, und auch hierbei dürfte ihre geschulte Stimme von Nutzen sein.

Mit ihren Worten und ihrem Gesang will Franziska von Hülst nach eigenen Worten „Menschen berühren“. Lieder, mit denen man vielleicht eine persönliche Geschichte verbinde, bereicherten die Feiern und machten sie zu etwas Besonderem, sagt die Sängerin. Aufgeregt ist sie übrigens vor ihren Auftritten jedes Mal. Doch das muss so sein und macht ihre Auftritte noch ein kleines Stückchen besser.