Das Stück „SAD 88“ bekommt die große Bühne

Von Mittelbayerische Zeitung · 3. April 2025 um 19:00

Das Oberpfälzer Ovigo-Theater bringt eine multimediale Collage auf die Bühne: Es geht um den rechtsradikalen Brandanschlag in Schwandorf im Jahr 1988, bei dem vier Menschen starben. Nun ist das Stück auf der großen Bühne am Theater Regensburg zu sehen.

„Dieses Stück sollten so viele Schulklassen sehen wie möglich“, sagte eine Besucherin, nachdem sie im Januar das Theaterstück „SAD-88“ des Ovigo-Theaters im Regensburger Kulturzentrum W1 sah. Tatsächlich ist es beeindruckend, wie kurzweilig und mit welch einfachen Mitteln die Schauspieler den schweren Stoff auf die Bühne bringen. Das Stück hatte seine Uraufführung im Schwandorfer Felsenkeller gefeiert – am Jahrestag des rechtsterroristischen Brandanschlags auf das Habermeier-Haus am 17. Dezember 1988 in Schwandorf.

„Es hört einfach nicht auf!“

Der stadtbekannte Neonazi und Berufsschüler Josef S. steckte damals das Haus in Brand und verschuldete damit den Tod von vier Menschen: Osman Can (50), Fatma Can (43), Mehmet Can (12) und Jürgen Hübener (47). Vor Gericht lieferte er den Grund: Er hasste Ausländer. Das Stück fokussiert nicht nur auf die Tat, sondern auch auf den Umstand, dass man sich lange Zeit in der Stadt und der Region schwertat, mit dem Geschehenen umzugehen und es aufzuarbeiten. „Wir möchten gedenken, erinnern und mahnen. In unserem derzeitigen gesellschaftlichen Klima ist dies wichtiger denn je“, sagt Autor und Regisseur Florian Wein. Im Stück stellt er das Schwandorfer Attentat in einen größeren Zusammenhang: Schwandorf war der überregional wenig bekannte Auftakt einer Serie rechtsradikaler Gewalttaten in den 1990er Jahren in Deutschland. „Es hört einfach nicht auf!“ – dieser Satz durchzieht das Stück wie ein Leitmotiv. Die Texte, u.a. aus Gerichtsakten, Zeitungsberichten und Zeugenaussagen, begleiten die Darsteller durch stimmige Szenen. Wie Ermittler sind sie in weiße Schutzanzüge gekleidet. Sie stapeln Aktenordner, schieben sie hin- und her – eine Metapher für die aufgetürmten Hindernisse und Ausflüchte von Politik und Justiz.

Bei den Aufführungen von „SAD 88“ in Schwandorf, Weiden und Regensburg gab es jeweils langen Applaus und Standing Ovations. Sämtliche Aufführungen seien ausverkauft gewesen, teilt Ovigo mit. Zudem seien sie mitttlerweile an zahlreichen Schulen zu Gast und hätten Anfragen aus ganz Bayern. Nun kündigte das Theater, das als Verein organisiert ist, eine besondere Kooperation an: das Theater Regensburg hat das Ovigo-Ensemble für die Aktion „Bühne frei“ eingeladen: „SAD-88“ kommt auf die große Bühne des Antoniushauses. Die Produktion wurde für Sonntag, 8. Juni, 20 Uhr, in den Spielplan integriert. „Eine große Ehre für uns“, lässt sich Florian Wein in einer Mitteilung zitieren: „Aufgrund der Thematik ist es wohl das wichtigste Stück unserer Historie. Dass es diese Aufmerksamkeit erfährt, ist phänomenal.“

Eine Angehörige der Opfer hat das Schlusswort

Er nennt es einen „Coup“, dass Ovigo die Schauspielerin Anna Maria Sturm für die Produktion gewonnen hat. Sie hat einen persönlichen Bezug: Ihre Mutter, die ehemalige Landtagsabgeordnete Irene Maria Sturm, hatte sich viele Jahre für ein würdiges Gedenken für die Opfer des Brandanschlags in Schwandorf eingesetzt. Und bei der Uraufführung war auch Leyla Kellecioglu anwesend, die beim Brandanschlag ihre Eltern und ihren Bruder verlor. Sie kommt auch im Stück ausführlich zu Wort.

Für die Aufführung im Antoniushaus am 8. Juni, 20 Uhr, gibt es die Tickets über das Theater Regensburg. Weitere Vorstellungen: 25./26.10. (jeweils 20 Uhr) und am 28.12. (17 Uhr und 20 Uhr) im ehemaligen Metropol-Kino Schwandorf. Karten: ovigo-theater.de