Bin ich arm, reich oder Mittelschicht? Wie hoch ist mein Einkommen im Vergleich?

Von Christoph Eberle · 11. Mai 2025 um 06:16

Zähle ich mit meinem Netto-Einkommen noch zur Mittelschicht? Bin ich im Vergleich zu anderen Mitbürgern in Deutschland eher arm und habe wenig Geld? Oder bin ich sogar reich und zähle zur Oberschicht? Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln liefert Antworten auf diese Fragen – es hat 2025 seinen interaktiven Vergleichs-Rechner mit den neuesten verfügbaren Daten aktualisiert.

Mittelschicht – mit diesem Begriff warben die Parteien im Wahlkampf um Wähler. Wohl weil sich die meisten Bürger in Deutschland auch dazuzählen würden und sich somit angesprochen fühlten. Doch wer bildet mit seinem Einkommen wirklich die Mitte in Deutschland? Ab wann ist man statistisch arm und wann zählt man zu den obersten vier Prozent im Land und damit offiziell als reich?

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Neben dem Netto-Einkommen spielt auch die Zahl der Haushaltsmitglieder eine Rolle

Eine aktuelle Studie des IW zeigt: Singles sind in Deutschland ab einem Haushaltsnettoeinkommen von 1850 Euro Teil der Mittelschicht, eine vierköpfige Familie ab 3.880 Euro. Denn neben dem Netto-Einkommen spielt auch die Zahl der Haushaltsmitglieder eine Rolle. „Dass eine Familie mit vier Personen nicht das vierfache Einkommen eines Singles braucht, um zur Mitte zu gehören, liegt an der sogenannten Bedarfsgewichtung“, heißt es beim Institut der Deutschen Wirtschaft: So brauchen etwa Kinder weniger Geld als Erwachsene und nicht jedes Familienmitglied wäscht mit der eigenen Waschmaschine.

Nach IW-Definition gehört eine Person in Deutschland zur Mittelschicht, wenn ihr „bedarfsgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen“ zwischen 80 Prozent und 150 Prozent des mittleren Einkommens (Median) liegt. Wer mehr als 250 Prozent des Medians im Monat zur Verfügung hat, gilt statistisch als reich.

Das mittlere Einkommen (die Hälfte verdient mehr, die Hälfte weniger) wird als Maßstab genommen, weil das Durchschnittseinkommen durch extreme „Ausreißer“ statistisch verfälscht wird. So würden beispielsweise alleine die FC-Bayern-Fußballer Manuel Neuer, Thomas Müller, Joshua Kimmich und Leroy Sane mit ihrem geschätzten Jahreseinkommen von jeweils 20 Millionen Euro brutto (1,66 Millionen pro Monat) auch netto die Durchschnittsgehälter aller Deutschen statistisch nach oben heben.

Nur vier Prozent zählen in Deutschland zur Oberschicht – ab diesem Einkommen zählt man als reich

Insgesamt gehören nur rund vier Prozent der Menschen in Deutschland laut IW-Angaben zur Oberschicht. Das decke sich aber nicht mit der Wahrnehmung vieler Menschen. Frühere Befragungen des Instituts würden zeigen, dass der geschätzte Anteil einkommensreicher Menschen bei 25 Prozent liegt.

„Reich sind in der eigenen Wahrnehmung zumeist die anderen“, sagt Studienautorin Judith Niehues. „Dass man als Paar ohne Kinder mit einem gemeinsamen Einkommen von über 8670 Euro zu den einkommensreichsten vier Prozent der Bevölkerung zählt, überrascht viele.“ Singles brauchen ein Nettoeinkommen von mindestens 5780 Euro, um statistisch als reich zu gelten.

Der IW-Rechner bezieht sich dabei auf aktuellste Daten der Statistik der Europäischen Union über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC). Diese umfasst eine repräsentative Stichprobe von rund 73.000 Personen in rund 36.000 Haushalten. Aktuell sind die Mikrodaten des EU-SILC laut IW bis zum Jahr 2023 verfügbar, wobei sich die Einkommen auf das jeweilige Vorjahr beziehen, also 2022.

Was zählt alles zum Haushaltsnettoeinkommen ?

Im interaktiven Vergleichs-Rechner des Instituts der deutschen Wirtschaft ist die Rede vom monatlichen Haushaltsnettoeinkommen. Dazu zählt nicht nur das Bruttogehalt aller Haushaltsmitglieder abzüglich der Sozialversicherungsbeiträge und direkten Steuern wie der Einkommensteuer. Zum Einkommen zählen nach IW-Definition grundsätzlich Löhne, Einkommen aus selbständiger Arbeit, Zinsen, Mieteinnahmen, Renten und staatliche Transferleistungen wie beispielsweise Arbeitslosen- und Kindergeld. Bei Haushalten mit Wohneigentum wird zudem der monatliche Nettomietwert einer selbstgenutzten Wohnung oder eines Hauses als zusätzlicher Einkommensbestandteil berücksichtigt.