Sparkassenchefs sind Top-Verdiener: Durchschnittsgehalt liegt bei 390.000 Euro

Von Thomas Winter · 17. Oktober 2024 um 19:00

390.000 Euro. So viel verdienten deutsche Sparkassen-Vorstände 2022 im Durchschnitt. Sie erhielten damit deutlich mehr als die Führungskräfte anderer öffentlicher Unternehmen – und weit mehr als etwa Bayerns erster Mann im Freistaat, Markus Söder, dessen Jahresverdienst auf gut 280.000 Euro geschätzt wird.

Das geht aus der jüngst veröffentlichten „Public Pay Studie 2024“ der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen hervor. Die Hochschule am Bodensee untersucht jährlich die Vergütung kommunaler Unternehmen, zu denen auch die Sparkassen gehören.

Führungskräfte von Sparkassen gehören demnach mit Abstand zu den Top-Verdienern auf kommunaler Ebene. Auf Platz 2 der Verdienstrangliste folgen die Geschäftsführer aus dem Bereich Flug- und Seehäfen mit 278.000 Euro, auf dem dritten Platz liegen Manager aus öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

Wissenschaft und Forschung schneidet am schlechtesten ab

Am unteren Ende der Skala rangieren die Vorstands- und Managementvergütungen im Bereich „Bildung, Wissenschaft und Forschung“, wo die Gesamtdirektvergütung pro Kopf im Median bei 100.000 Euro liegt. Auch im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen (ohne Kliniken) sind die Vergütungen mit einem Jahresmedian von 111.000 Euro vergleichsweise niedrig.

Die 390.000 Euro Durchschnittseinkommen bei den Bossen der Sparkassen sind allerdings nur ein Durchschnittswert. Es gibt auch Sparkassenchefs, die weitaus mehr verdienen. Die drei leitenden Angestellten der Sparkasse Ingolstadt Eichstätt etwa erzielten 2022 zusammen ein Einkommen von annähernd 1,8 Millionen Euro, das Geldhaus beschäftigte in diesem Jahr im Durchschnitt 777 Mitarbeiter.

Gehaltsunterschiede „auffällig hoch“

Zwischen den Sparkassen sind die Gehaltsunterschiede also groß: In kleineren Instituten mit weniger als 223 Beschäftigten lag das Durchschnittsgehalt der Führungskräfte laut Studie bei 293.000 Euro, in großen Sparkassen mit über 711 Beschäftigten waren es hingegen 530.000 Euro.

Ulf Papenfuß , einer der Autoren der Studie, nennt das Vergütungsniveau und auch die Vergütungsentwicklung bei den Sparkassen im Vergleich zu anderen öffentlichen Unternehmen „auffällig hoch“. Das gelte insbesondere, wenn man das Gehaltsniveau bei großen Energieversorgern oder Stadtwerken heranziehe.

Jörg Tiedt, Abteilungsdirektor der Sparkasse Ingolstadt Eichstätt, begründet die Höhe des Gehalts mit den Anforderungen an die Sparkassenvorstände, die sehr hoch seien. Zudem gestalteten Sparkassen-Vorstände durch ihre „verantwortungsvolle und weitsichtige Unternehmensführung maßgeblich den wirtschaftlichen Wohlstand in ihrem Geschäftsgebiet mit“, so Tiedt.

Etwas anders erklärt es Eva Mang vom Sparkassenverband Bayern. Sie sagt, eine im Vergleich zu privaten und genossenschaftlichen Kreditinstituten konkurrenzfähige Vorstandsvergütung sei „notwendig, um qualifizierte Vorstandsbewerber gewinnen und binden zu können“ – eine Argumentation, wie man sie auch aus anderen Branchen der Wirtschaft oder dem Profifußball-Bereich kennt.

Sparkasse nicht profitorientiert

Tatsache aber ist, dass Sparkassen gegenüber anderen Kreditinstituten eine herausgehobene Stellung einnehmen. Sie sind Teil des öffentlich-rechtlichen Sektors im deutschen Bankensystem, das auf drei Säulen beruht. Die weiteren beiden Sektoren sind die Privatbanken wie die Deutsche Bank und die Genossenschaftsbanken wie die Volks- und Raiffeisenbanken. Auftrag der Sparkassen ist es, Kredite für alle Kunden- und Bevölkerungsgruppen anzubieten und die regionale Wirtschaft zu fördern. Damit sind sie nicht profitorientiert und haben eine klare Gemeinwohlbindung.

Altersversorgung kommt noch oben drauf

Finanzwissenschaftler Papenfuß fordert deshalb, „eine vollständige Vergütungstransparenz, einschließlich häufig umstrittener Altersversorgungen“, die zusätzlich zur Gesamtvergütung hinzukommen. Papenfuß zufolge müsse außerdem diskutiert werden, warum Sparkassenvorstände um so viel mehr verdienen als Führungskräfte anderer kommunaler Branchen. Denn Sparkassen werde eine Vorbildfunktion zugewiesen.

Den Sparkassen scheint das Thema mittlerweile bewusst zu sein. Der Sparkassenverband Bayern, sagt Mang, unterziehe seine Richtlinien turnusgemäß einer Überprüfung hinsichtlich der Höhe und der Struktur der Vorstandsvergütung. Hintergrund sei einerseits der selbst gesetzte Überprüfungs- und Fortschreibungsturnus, „andererseits die zunehmende Sensibilität in der Öffentlichkeit und im politischen Umfeld zur Höhe und Struktur der Vorstandsvergütung der Sparkassen“.