Diese zehn Glaubenssätze über Geld können teuer werden – vor allem für Frauen

In ihrem etwas anderen Ratgeber „Geld interessiert mich einfach nicht“ zeigen die Finanzjournalistinnen Astrid Zehbe und Daniela Meyer zehn Glaubenssätze über Finanzen auf, die (vor allem für Frauen) teuer werden können.
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Die Autorinnen sind Gründerinnen und Chefredakteurinnen des Frauen-Wirtschaftsmagazins „Finanzielle“. Sie haben es sich nach eigenen Angaben zur Mission gemacht, Frauen zu ermutigen und zu befähigen, ihre Finanzen in die eigene Hand zu nehmen. Die moderne Frau sollte ihrer Ansicht nach finanziell unabhängig sein und investieren – nicht nur in Aktien & Co., sondern auch in eigene Fähigkeiten.
Im Weg stehen dabei „Bullshitsätze“ über Finanzen. Ein paar davon sind rein weiblich, vor anderen ist auch das (finanziell meist) stärkere Geschlecht nicht gefeit. Diese vermeintlichen Geld-Weisheiten, die Sie schnell wieder vergessen sollten, tragen ihren Teil zum finanziellen Misserfolg bei.
Diese zehn Glaubenssätze über Geld sollten Sie schnell wieder vergessen
1. „Über Geld spricht man nicht“:
„Je offener wir über Geld reden, desto leichter wird es für alle, sich mit finanziellen Herausforderungen auseinanderzusetzen und Lösungen zu finden“, so die Autorinnen. Das bedeute nicht, jedem sein konkretes Gehalt zu verraten, wenn man das nicht möchte. Aber man könne beispielsweise von positiven wie negativen Erfahrungen anderer profitieren.
2. „Geld interessiert mich einfach nicht“:
Das könne auch eine Folge der in Deutschland weit verbreiteten Neidkultur sein: Anstatt sich von erfolgreichen Menschen anspornen zu lassen, sagt man lieber als Selbstschutz, dass einem Geld nicht wichtig sei. Ein trügerischer Selbstschutz, der dazu führe, dass man finanziell auf der Stelle bleibt – und im schlimmsten Fall dort verbittert und versauert.
Vielleicht ist der Person Geld auch wirklich egal. Nicht weil sie davon genug hätte, sondern weil sie damit nichts anfangen kann und nicht mit Geld umgehen kann. Aus Sicht der Autorinnen ein verantwortungsloses Verhalten – gegenüber sich selbst und auch all denen, die dafür womöglich die Konsequenzen tragen müssen. Denn spätestens im Alter warten dann finanzielle Abhängigkeit oder Altersarmut. Die Zeche zahle dann der Staat und damit der Steuerzahler durch Transferleistungen. Oder die eigenen Kinder müssen finanziell unterstützen und im schlechtesten Fall neben dem eigenen Nachwuchs auch die Eltern noch durchfüttern.
3. „Ich habe das nicht verdient“
Bescheidenheit ist zwar eine Zier. Aber nach Ansicht der Autorinnen ist dieser Satz im Zusammenhang mit beruflichen oder finanziellen Erfolgen sogar gefährlich. Denn Selbstzweifel können sich zu einer handfesten psychischen Erkrankung auswachsen - zum sogenannten Imposter-Syndrom oder auch Hochstapler-Syndrom. Menschen haben dabei trotz ihrer Erfolge das Gefühl, das nicht verdient zu haben und wähnen sich in der ständigen Gefahr, als Betrüger entlarvt und bloßgestellt zu werden.
4. „Geld verdirbt den Charakter“
Geld verdirbt nach Ansicht der Autorinnen nicht den Charakter und ist auch nicht die Ursache allen Übels. Vielmehr bringe es zum Vorschein oder verstärke, was an Charakterzügen bereits vorhanden ist.
5. „Ich kann einfach nicht gut mit Geld umgehen“
Die Aussage, dass man nicht mit Geld umgehen (und daher auch nichts sparen) kann, sehen die Autorinnen eher als Schutzschild, um unvernünftige Ausgaben zu rechtfertigen.
6. „Ich war schon immer schlecht in Mathe“
Auch diesen Satz beurteilen Astrid Zehbe und Daniela Meyer eher als Ausrede, um sich nicht mit einem vermeintlich unangenehmen Thema beschäftigen zu müssen. Denn die Mathematik, die man braucht, um einen vernünftigen Umgang mit Geld zu pflegen, gehe über die Grundrechenarten kaum hinaus. Addieren und Subtrahieren reiche schon aus, um ein vernünftiges Budget zu erstellen. Ein bisschen dividieren und Prozentrechnen schadet auch nicht – und das war’s.
7. „Geld ist Männersache“
Es kann bitter enden, wenn man sich in Gelddingen nur auf seinen Partner verlässt. Die Autorinnen haben schon viele Frauen getroffen, deren Mann sie verlassen hat oder viel zu früh gestorben ist. Keine von ihnen habe jemals gesagt: „Super, dass ich mich nie um meine Finanzen gekümmert habe.“ Im Gegenteil: Diese Frauen hätten sich gewünscht, sie hätten sich beizeiten mit Geldanlage, Absicherung und Altersvorsorge beschäftigt.
8. „Mein Mann verdient halt besser“
Dieser Satz ist aus Sicht der Autorinnen nach ihrer Erfahrung einer der zerstörerischsten Glaubenssätze, was die Unabhängigkeit von Frauen betrifft – und leider zugleich einer der wahrsten. Frauen haben oft ohnehin schon einen geringeren Verdienst (Stichwort: gender-Pay-Gap). Hinzu komme die Tatsache, dass sie ihre Karriere für die Familie häufiger und länger unterbrechen, dadurch weniger Geld zum Sparen und Investieren sowie auch weniger Rente haben. Weil sie statistisch aber eine längere Lebenserwartung haben, ist Altersarmut meist weiblich.
9. „Ich heirate einfach reich“
Was im Hollywoodfilm „Pretty Woman“ und anderen Märchen à la Aschenputtel ganz wunderbar klingt, muss es im wahren Leben nicht sein: (Finanzielles) Ungleichgewicht in einer Beziehung kann zu Problemen führen – etwa, dass der wohlhabendere Part dominiert und der andere sich herabgesetzt fühlt.
Die Autorinnen warnen zudem davor, Beziehungen oder Ehen als materielles Versorgungswerk zu sehen und mit der Heirat eigene Ambitionen und Möglichkeiten komplett über Bord zu werfen. Aus ihren Finanz-Workshops kennen die Autorinnen Frauen, die in Wohlstand lebten und geglaubt hatten, sie wären für alle Zeit abgesichert. Dennoch landeten sie im Bürgergeldsystem – weil der Partner sie verließ, früh starb oder erwerbsunfähig wurde.
10. „Man muss reich sein, um zu investieren“
Dass das Vorurteil nicht stimmt, zeigen Angebote von Banken und Neo-Brokern, dass sich Wertpapierdepots inzwischen unkompliziert auf dem Handy anlegen lassen und man schon Sparpläne ab einem Euro monatliche Anlagesumme starten kann. Das ziele definitiv nicht auf eine superreiche Kundschaft ab, sondern auf „ganz normale Menschen“, die einen Teil ihrer Einkünfte so für den Vermögensaufbau nutzen wollen.
Aus Sicht der Autorinnen gehört der Glaubenssatz eher umgedreht in: „Um reich zu werden, muss man investieren“.
Ein Topf voll „Fuck-you-money“ als Ziel
Das Resümee der Autorinnen (das auch für Männer gilt): Im häuslichen und beruflichen Kontext raten sie dazu, die Finanzen selbst in die Hand zu nehmen: Mindestens einen Notgroschen in vernünftiger Höhe sollte man ansparen. Quasi einen Topf voll „Fuck-you-money“, das es einem ermöglicht, zu jedem Zeitpunkt aus einer beliebigen Tür herauszuspazieren − sei es eine Wohnungs-, Haus- oder Bürotür.
Astrid Zehbe und Daniela Meyer, Geld interessiert mich einfach nicht. Bullshitsätze über Finanzen und wie du dich von ihnen befreist, Edition Michael Fischer, 14 Euro, 222 Seiten, ISBN 978–3745922523.
