Auszubildende aus Kirgistan in Mitterdorfer Bäckerei – das passt

Von Oliver Hausladen · 7. Mai 2025 um 14:58

„Sie haben noch nie gefehlt, sind sehr wissbegierig und nett“ – Bäckermeister Ulrich Kraus aus Mitterdorf ist begeistert von seinen beiden Auszubildenden aus Kirgistan. Die 18-jährige Aiana Nazarbekova lernt den Beruf der Bäckerin, während ihre gleichaltrige Kollegin Kyial Dunganova zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk ausgebildet wird.

Kraus ist vom innovativen Programm gegen den Fachkräftemangel so angetan, dass er ab September eine weitere Auszubildende aus Kirgistan einstellen wird.

Für Betriebsinhaber Kraus ist das Projekt ein voller Erfolg. Die beiden 18-Jährigen seien schon voll integriert im Team und wegen ihrer offenen Art beliebt bei den Kunden. Er betont, dass die beiden Kirgisinnen niemandem aus der Region einen Ausbildungsplatz wegnehmen würden, zumal es auch einen „einheimischen“ Lehrling gibt. Es sei allerdings sehr schwer, Nachwuchs zu finden, berichtet Kraus. Oft mangele es alleine schon an Bewerbungen. Dabei gäbe es Arbeit genug.

Ich bin neuen Ideen gegenüber generell aufgeschlossen.

Ulrich Kraus

So war der Bäckermeister auch gleich sehr offen, als im Oktober 2023 eine E-Mail von der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz kam, mit der auf die Möglichkeit der Akquise von Auszubildenden aus Kirgistan hingewiesen wurde. „Ich bin neuen Ideen gegenüber generell aufgeschlossen“, erzählt Kraus. Bei einer Veranstaltung von Handwerkskammer, Landratsamt Cham, Agentur für Arbeit und Volkshochschule, die das Projekt gemeinsam auf die Beine stellen, gab es weitere Informationen.

Für Kraus war danach schnell klar: Er ist mit seinem Betrieb dabei. Über eine Betreuerin vor Ort (Kraus: „Die ist Gold wert“) wurde der Kontakt hergestellt. Aiana Nazarbekova hatte schon in einem Café gearbeitet und interessierte sich für den Beruf der Konditorin und Bäckerin, erzählt Kraus. Kyial Dunganova wollte im Verkauf arbeiten. Für beide gab es in Mitterdorf einen passenden Ausbildungsplatz.

Auch viele Ausflüge in die Region gab es schon. - Foto: Kraus

Sprache ist kein Problem

Zunächst über WhatsApp hatte Kraus Kontakt zu den beiden jungen Frauen, „das war gleich alles sehr sympathisch und interessiert“, berichtet er. Zudem konnten die beiden Kirgisinnen schon gut genug Deutsch, um eine Verständigung zu ermöglichen. Mittlerweile sei die Sprache überhaupt kein Thema mehr, „sie lernen praktisch täglich dazu und verstehen alles.“

Um die beiden neuen Auszubildenden gut und nahe an der Arbeitsstätte unterbringen zu können, wurde eine Wohnung renoviert und hergerichtet. Auch der Weg zur Berufsschule in Cham stellt aufgrund von Bussen und der Nähe zum Rodinger Bahnhof kein größeres Problem dar. In der Berufsschule gebe es keine Probleme für Nazarbekova und Dunganova, berichtet Kraus. Die Leistungen seiner beiden Auszubildenden bewegten sich im oberen Drittel.

„Es hat sich als absolut richtig herausgestellt, diesen Weg zu gehen“, zieht Kraus ein sehr positives Zwischenfazit. Wichtig sei dabei, dass sich die beiden jungen Kirgisinnen auch untereinander sehr gut verstehen und zusammen viel unternehmen würden. Auch zusammen mit seiner Familie wurde schon viel unternommen und die Region erkundet. „Sie sind sehr interessiert und auch bei Festen gerne dabei“, hat der Bäckermeister dabei festgestellt.

„Freue mich, dass es so läuft“

Da es so gut läuft, hat Kraus sich entschlossen, ab September eine weitere junge Kirgisin auszubilden – in der WG ist noch ein Zimmer frei. Ob die jungen Frauen auch nach ihrer Ausbildung in der Bäckerei bleiben werden? „Ich hoffe es“, sagt Kraus, jedoch sei dies von vielen Faktoren abhängig, was aber bei Lehrlingen aus Deutschland auch nicht anders wäre.

„Ich freue mich jedenfalls, dass es so gut läuft“, bereut der Bäckermeister bisher keinesfalls, am innovativen Projekt gegen den Fachkräftemangel in der Region teilzunehmen.

Kirgisische Auszubildende für die Region

Strategien gegen den Nachwuchsmangel im Handwerk: Um dem Nachwuchsmangel entgegenzuwirken, setzt die Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz auf verschiedene Strategien.

Gezielte Arbeitsmigration: Neben der Stärkung von Berufsorientierungsangeboten spielt die gezielte Arbeitsmigration eine zentrale Rolle.

Rekrutierungsprojekt in Kirgistan: Auch im Handwerk gewinnen Rekrutierungsprojekte im Ausland zunehmend an Bedeutung. Eines dieser Projekte wurde im Jahr 2023 von der Arbeitsagentur Schwandorf ins Leben gerufen und konzentriert sich auf die Rekrutierung kirgisischer Auszubildender für die Region.

Handwerkskammer fungiert als Kooperationspartner: Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz ist als Kooperationspartner beteiligt.

In unterschiedlichen Branchen beschäftigt: Die jungen Kirgisen sind im Landkreis Cham bei ganz unterschiedlichen Firmen beschäftigt, etwa auch im touristischen Bereich, bei Industriebetrieben, in der Gastronomie und bei Handwerksbetrieben. „Bisher habe ich von den Kollegen auch nur Positives gehört“, berichtet Bäckermeister Ulrich Kraus.