Günter Brandl hat viele Titel gewonnen - Das Geheimnis hinter der Leistung

Günter Brandl ist amtierender Deutscher Vizemeister und sechsfacher Bayerischer Meister im Schießen. Doch für ihn ist Schießen mehr als der sportliche Erfolg, es ist eine Leidenschaft. Was ihn begeistert, erzählt er hier.
63 Jahre ist Günter Brandl inzwischen. Er ist Raumausstattermeister, hat Familie und einen eigenen Betrieb, aber zweimal pro Woche gehört seine Liebe einem ganz besonderen Hobby - dem Schießen. Dann trainiert er im Vereinsheim der Feuerschützengesellschaft an der Bad Gögginger Straße. „Im Oktober werden es 50 Jahre sein, seit ich schieße“, sagt Brandl.
Los ging es für ihn mit dem Schießen jedoch an anderer Stelle. An den Schießbuden beim Pfingstvolksfest, das heuer 75 Jahre alt wird, machte Brandl seine ersten Versuche. Doch schon bald wusste er, dass er mehr wollte. Mit 14 Jahren wurde der Neustädter deshalb Mitglied im Schützenverein. Schnell machte er sich einen Namen als guter Schütze bei den Jahresbestenwertungen, zunächst im Verein und dann bei den Gaubestenschießen.
Dass Brandl ein erfolgreicher Schütze werden würde, war da nicht absehbar. Schützenvereine waren vor einem halben Jahrhundert noch etwas anderes als heute. „Damals war es so, dass beim Schützenverein eher Karten gespielt und die Geselligkeit gepflegt wurde“, erinnert sich Brandl. „Und ich war einer der ersten Jugendlichen im Verein.“
Viele Disziplinen
Auch die Ausstattung war eine andere. Statt eines großen Vereinsheims gab es vier Stände im Gasthof Gigl, auf denen ausschließlich mit Luftpistole und Luftgewehr geschossen wurde. Heute gibt es nicht nur mehr Stände, es wird auch „scharf“, also mit Patronen mit Pulverladungen, im Vereinsheim geschossen. Und statt nur auf eine Pappscheibe mit zehn Ringen zu zielen, gibt es elektronische Trefferanzeigen und weitere Disziplinen.

Begeistert ist Brandl vom Fallscheibenschießen. Bei dieser Disziplin wird unter Zeitdruck auf Stahlplatten geschossen, die bei einem Treffer umfallen. „Das ist dynamischer, als wenn man auf eine Zielscheibe schießt“, erklärt der 63-Jährige.
Nicht nur die Disziplinen haben sich für ihn geändert. Auch die Wettbewerbe. Los geht es für den Neustädter heute bei den Gaumeisterschaften, darauf folgen die Bezirks- und die Bayerischen und schließlich die Deutschen Meisterschaften. Immer wieder ist Brandl vorn mit dabei. Im vorigen Jahr wurde er in der Disziplin „Speed“ mit Kleinkaliber-Revolver und Optik amtierender Deutscher Vize-Meister, dreimal Bezirksmeister und sechsfacher Bayerischer Meister. Es sind viele Titel, die der 63-Jährige bereits gewonnen hat. Wieviele es im Laufe seines Lebens geworden sind, weiß er nicht. Die Urkunden aller Meisterschaften füllen jedoch einen dicken Leitz-Ordner.
Höhen und Tiefen
Dabei ist nicht immer nur Sonnenschein angesagt. „Die Anfangseuphorie nimmt im Laufe der Jahre ab“, gesteht der Neustädter, der seit 32 Jahren auch Schützenmeister, Vorsitzender des Vereins, ist. „Die Herausforderung in diesem Sport ist, dass mann immer wieder bestimmte Ergebnisse und Leistungen erzielen möchte. Aber es gibt auch Höhen und Tiefen, es geht nicht immer nur aufwärts.“ Das fordere den Sportler besonders. „Da muss man wieder aufbauen.“

Und dann geht es auch für den routinierten Schützen aus Neustadt um dieselben Herausforderungen wie bei einem Anfänger. Es geht um Konzentration und innere Ruhe. „Das ist für jeden Schützen das Problem. Alles auszublenden ist die wirkliche Kunst.“ Und deshalb hat das Schießen durchaus auch eine meditative Qualität. Brandl erklärt: „Bei jedem Schützen wackelt der Lauf. Deshalb darf der Schuss nicht bewusst ausgelöst werden. Er muss aus der Bewegung kommen.“ Man sieht Kimme und Korn und das Ziel und irgendwann kommt der Schuss. Es wird nicht abgedrückt. der Schuss fällt, fast von allein. Schießen ist ein dynamischer Prozess, wobei es um mehr als ein zusammengekniffenes Auge und einen Finger am Abzug geht.