Überraschung in Maxhütte-Haidhof: Pfarrer Brinkmann quittiert seinen Dienst

Pfarrer Steffen Brinkmann (41) hatte am Wochenende eine überraschende Botschaft für seine Gemeinde im Landkreis Schwandorf: Er will sich beruflich neu orientieren und hängt das Messgewand ab sofort an den Nagel. Seinen Dienst als Pfarrer wird er bereits ab Montag nicht mehr ausüben.
Als Brinkmann mit den Ministranten in die Pfarrkirche Sankt Barbara einzog, sah alles noch nach einem normalen Sonntagsgottesdienst aus. Routiniert zelebrierte der Pfarrer diesen dritten Sonntag in der Osterzeit.
Nur wenige Besucher hatten den Weg in die Kirche gefunden, die ersten Reihen blieben leer, die restlichen waren nur spärlich besetzt. Vor dem Schlusssegen bat der Seelsorger dann nochmals um die Aufmerksamkeit seiner Gemeinde, eine persönliche Mitteilung habe er zu machen. Als Brinkmann erklärte, dass er seinen Dienst als Pfarrer aufgibt, folgten ihm die Gottesdienstbesucher gebannt.
„Seit einiger Zeit schon trage ich mich mit dem Gedanken, mich beruflich und persönlich zu verändern“, verkündete Brinkmann seiner Gemeinde. „Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen“, beteuerte er. „Und ich habe sie aus freien Stücken getroffen.“
Viele Projekte gemeistert
Der Gemeinde und seinen Wegbegleitern dankte er für die gemeinsame Zeit. „Wir haben viele Projekte und auch Sanierungen gemeistert“, blickte er zurück. 2019 übernahm der Geistliche die Pfarreiengemeinschaft St. Barbara und Rappenbügl St. Josef. Wie in einem Interview zu lesen ist, das auf der Internetseite des Bistums Regensburg veröffentlicht wurde, kam Brinkmann aus Abensberg in die Oberpfalz. Dort war er zuvor als Kaplan tätig.
Worte des Abschieds richtete er auch an „die treuen Ministranten“, die auch an diesem Sonntag zahlreich ihren Dienst taten: „Die Gottesdienste mit euch waren wunderbar. Ich hoffe, ihr haltet länger aus als ich.“ Vom Bischof, so der Pfarrer weiter, habe er große Wertschätzung erfahren.
Zum Schluss bat er: „Bitte sehen Sie von persönlichen Verabschiedungen ab. Auch Interviews möchte ich nicht geben. Das bitte ich zu respektieren.“ Nach seinen Worten klatschten die Gottesdienstbesucher Beifall und blickten ihrem Pfarrer nach, als er mit den Ministranten ein letztes Mal aus der Kirche auszog.
Es gab Andeutungen
Am Vorplatz der Kirche blieben die Menschen noch eine Weile stehen und versuchten die Nachricht einzuordnen. „Ich habe es mir schon gedacht“, erklärte eine Frau, die mit ihren Kindern den Gottesdienst besucht hat. Auch ein älterer Mann äußerte sich in diese Richtung: „In der Vergangenheit hat Pfarrer Brinkmann immer wieder kleine Andeutungen gemacht. Daraus ließ sich schließen, dass er vielleicht nicht mehr lange in unserer Pfarrei sein wird“, erzählte der Gottesdienstbesucher. „Ich dachte noch, er könnte woanders hin wechseln“, meinte ein weiterer Kirchgänger. Die große Überraschung für viele Gemeindemitglieder ist also nicht, dass Brinkmann die Pfarrei verlässt, sondern, dass er sich beruflich komplett neu orientieren will.
Schwandorfs Dekan Michael Hirmer bedauert, dass Brinkmann seinen Dienst als Priester aufgibt und dankte ihm für seine Arbeit für die Kirche. „Steffen Brinkmann ist im Dekanat Schwandorf ein geschätzter Mitbruder und mir ein persönlicher Freund“, erklärte Hirmer. „Ich wünsche ihm von Herzen Gottes Segen für seinen künftigen Lebensweg“, so der Geistliche weiter.
Auch für die Pfarreiengemeinschaft Maxhütte-Haidhof und Rappenbügl geht es weiter: Übergangsweise, das kündigte Brinkmann an, werde Thomas Meier, Pfarrer in Regenstauf, der Gemeinde zur Seite stehen. Auch Pfarrvikar Jean-Luc Kalala Mopene werde weithin Gottesdienste vor Ort feiern.
Nicht der erste Pfarrer
Brinkmann ist nicht der erste Pfarrer in der Region, der sich neu orientiert. Im Sommer 2023 hatte der Wackersdorfer Pfarrer Christoph Melzl seiner Gemeinde verkündet, dass er künftig außerhalb der Kirche arbeiten möchte. „Ich bin mehr und mehr zu der Überzeugung gekommen, dass ich mich persönlich neu orientieren möchte“, sagte er damals.
Seine Gründe dürften vielschichtig gewesen sein. Beobachtern sei zu jener Zeit aber aufgefallen, dass sich Melzl kirchenkritisch geäußert habe. Melzl hatte damals erklärt, eine Arbeitsstelle bei einem Bildungsträger antreten zu wollen. Welchen Weg dagegen Brinkmann nun einschlagen will, bleibt offen.