Bahnhofsvorplatz in Regensburg: Eine Umgestaltung mit Verfallsdatum?

Von Juliana Ried · 2. Mai 2025 um 18:05

Einen „Muster-Vorzeigeprozess“, so nannte am Freitag Walter Reichenberger, Leiter des Regensburger Bahnhofsmanagements bei der Deutschen Bahn, die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) und Planungsreferent Florian Plajer nahmen dieses Wort zwar nicht in den Mund. Aber sie machten deutlich, dass sie sehr zufrieden sind mit dem Ergebnis.

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Die CSU dagegen würde am liebsten bald wieder Autos durch das Areal fahren lassen, das jetzt noch deutlicher auf Fußgänger und Radler ausgerichtet ist.

„Wir haben das baulich so gestaltet, dass klar ist, dieser Bereich ist zunächst mal reserviert für Fußgänger und Radlfahrer“, sagte die OB. „Neu ist, dass die vielen Barrieren weg sind“, erklärte sie, etwa die Busharfe und die hohen Bordsteine. Sie erinnerte auch daran, dass an dieser Stelle einmal ein viel größeres Projekt vorgesehen war: ein zentraler Omnibusbahnhof mit Tiefgarage für Autos und Räder. Das habe die Stadt aus Finanzierungsgründen auf die lange Bank schieben müssen. „Dann war das so ein ungeregelter, verlassener Bereich. Das ist er jetzt nicht mehr. Jetzt ist er so gestaltet, dass man sich auskennt.“ Beim Wendehammer pflanzte das Gartenamt vier Europäische Zürgelbäume. Auch die 14 mobilen Bäume in Kübeln brächten etwas Grün und Schatten, so die OB. Dabei gelte für das Projekt: „Relativ kostengünstig und schnell ist das gegangen.“ 1,1 Millionen Euro kostete die Umgestaltung, 15 Prozent steuerte die Bahn bei. Die reine Bauzeit betrug fünf Monate.

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (von links) eröffnete mit Planungsreferent Florian Plajer und Bahn-Manager Walter Reichenberger den neu gestalteten Vorplatz. - Foto: Tino Lex

Auch Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte sollen hier ihren Weg finden

Planungsreferent Florian Plajer sagte: „Das ist ein Riesen-Wert, diese Verbindung Nord-Süd von der Stadt zum Bahnhof zu stärken.“ Die Stadt habe 2500 Quadratmeter Asphalt erneuert und für die Busse verstärkt. 750 Quadratmeter Mosaik- und 2000 Quadratmeter Betonsteinpflaster seien verlegt worden. Von den neuen, „schlanken“ Bordsteinübergängen profitierten etwa Rollstuhlfahrer, Sehbehinderten weise eine Leiste im Boden den Weg. Zum Teil sei das Pflaster „versickerungsfähig“, so dass es Regenwasser aufnehmen kann. Zudem habe die Stadt Geld und Ressourcen gespart, sie verwendete Steine, die sie schon hatte. „80 Prozent sind ungefähr wiederverwendet.“

Auch aus Sicht der Bahn hat sich die Investition gelohnt, wie Reichenberger ausführte: „Unser Bahnhofsvorplatz hat eine sehr positive Veränderung erfahren. Die Reisenden gehen völlig ohne Barriere. Sie müssen nicht mehr auf Ampelsituationen schauen.“ Alles sei „so ungezwungen und locker“.

Verbessert hat die Stadt auch die Infrastruktur für Radfahrer. Diese finden jetzt auch westlich des Bahnhofseingangs Abstellbügel sowie schräg gegenüber. Dort schuf die Stadt insgesamt 322 Stellplätze im Freien, zehn Fahrradboxen und zwei Ladesäulen.

Verkehrsclub Deutschland lobt die vielen Radstellplätze

Wolfgang Bogie, Kreisvorsitzender des ökologisch orientierten Verkehrsclubs Deutschland, sagt: „Es gefällt mir gut, dass da viele Radstellplätze dazugekommen sind.“ Ideal wäre natürlich eine Überdachung gewesen. Kritisch sieht er die Beschilderung. Er bezweifelt, ob das Schild mit Fußgänger und Rad im blauen Kreis und dem Hinweis „Linienverkehr frei“ am Wendehammer verhindert, dass Autos hier durchfahren. „Wenn das die endgültige Beschilderung ist, ist das ein bisschen wenig.“ Prinzipiell gelte aber in Bezug auf die Durchfahrtsunterbrechung für Autofahrer: „Hut ab vor der Stadtverwaltung, dass sie das trotz CSU aufrechterhalten.“

Die CSU hält fest an ihrem Vorhaben, die seit 2021 geltende Durchfahrtssperre für Autos wieder aufzuheben. Dieser Plan ging bisher nicht auf, weil eine Mehrheit dafür fehlte. Das könnte sich allerdings spätestens bei der Kommunalwahl ändern. CSU-Fraktionschef Michael Lehner sagt, auch nach der Umgestaltung gelte: „Man kann da trotzdem Autos drüber schicken.“ Mit einem neuen Vorstoß wolle die CSU aber noch warten. „Wir schauen uns das jetzt mal an und dann überlegen wir, was wir machen.“ Die OB nennt den CSU-Wunsch „kompletten Unsinn“. „Der Bahnhof ist erreichbar. Ich sehe keine Notwendigkeit, dass man hier durchfahren muss.“ Das würde „viel kaputt machen“, sagt sie.

Den neu gestalteten Platz feiert die Stadt am 17. Mai mit einem Eröffnungsfest mit Glücksrad und Hüpfburg.

Das Mehr an Grün und an Fahrradstellplätzen auf dem umgestalteten Platz ist auch aus der Luft erkennbar. Tino Lex