Regensburger Experten blicken differenziert auf das E-Bike – Nimmt sportliche Grenzerfahrung weiter ab?

Von Marius Göhl · 5. Mai 2025 um 11:00

Das E-Bike. Seit Jahren ist das akkubetriebene Fahrrad aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Für die einen Komfort, für die anderen niederschwellige Einstiegshilfe zum Radfahren im Alter oder bei Vorerkrankungen. Doch was ist, wenn durch die Hilfe der Technik die gesellschaftliche Grenzerfahrung im Sport immer weiter schwindet?

Auch in Regensburg gibt es immer mehr Menschen, die auf die bequeme Alternative setzen. Johann Rampl, der Leiter des Hochschulsports an der Uni Regensburg, sieht die rasante Entwicklung des E-Bikes kritisch. Der 44-Jährige war selbst im Leistungssport aktiv und nahm an Mountainbike-Rennen teil.

Für den studierten Trainingswissenschaftler ist die natürliche Erkenntnis beim Sporttreiben, dass man etwas nicht kann, essenziell. „Man merkt, dass es anstrengend ist und dass man auch was tun muss. Das ist sehr wichtig. Man stößt an seine Grenzen, aber durch Training kann man die Grenzen verschieben. Das ist auch eine wichtige Erkenntnis fürs Leben.“ Und diese gebe es eben auch beim Radeln.

Im Kindesalter problematisch

In der Domstadt ist der Hype ums E-Bike längst angekommen. Gerade in den Corona-Jahren erlebten Fahrradhändler einen regelrechten Boom. „Ich denke, dass bestimmt die Hälfte der Regensburger ein E-Bike hat“, sagt Ludwig Eglmeier vom Radwerk by IronTrizone. Für den Lohstädter, der jeden Tag mit dem klassischen Fahhrad in seinen Laden fährt, ist die Entwicklung differenziert zu betrachten.

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Zwar gebe es durchaus nachvollziehbare Gründe, weshalb Menschen zum E-Bike greifen. Gerade im Kinder-Alter habe er aber wenig Verständnis. Auf der Website einer seiner Zulieferer findet er E-Bikes für Kinder ab sieben Jahren. „Ja, ich hatte schon Kunden, die in dem Alter ein E-Bike wollten. Das konnte ich aber nicht mit meinem Gewissen vereinbaren“, sagt Eglmeier.

Ein Fahrrad wie dieses könnte laut Ludwig Eglmeier auch E-Bike sein. - Foto: Marius Göhl
Das ist mit Abstand die schlimmste Entwicklung. Man muss den Kindern nicht mit E-Bikes ermöglichen, mit Erwachsenen mitzufahren, sondern die Aufgabe der Eltern ist es, ihre Kinder angemessen ans Rad ranzuführen.

Johann Rampl

Einen Trend zu immer jüngeren E-Bike-Käufern verzeichnet Max Ehrl von Zweirad Ehrl nicht. Allerdings habe er schon Jugendlichen um die 15 Jahre E-Bikes verkauft. „Für Kinder sind die E-Bikes, die wir im Bestand haben, eigentlich nicht gemacht. Sie sind auch zu groß. Je nach Größe können beispielsweise 13-Jährige allerdings schon 27,5 Zoll-Räder fahren“, so der der 32-Jährige.

Auch den großen Hype um die motorisierten Zweiräder habe laut Ehrl wieder abgenommen. Der Regensburger hat eine Menge E-Bikes im Sortiment, das Kaufverhalten zwischen E- und normalen Rädern halte sich allerdings seit zwei, drei Jahren die Waage. „Seit zehn, 15 Jahren gibt es einen starken Trend. Die Leute kauften immer mehr E-Bikes. Mittlerweile merkt man aber schon, dass der Markt gesättigt ist“, sagt der gelernte Maschinenbauingenieur.

Als Arbeitsleasing sehr beliebt

Das bestätigt auch Eglmeier, dessen Verkäufe nur noch zu rund fünf Prozent aus E-Bikes bestünden. „Wir sind jetzt auch eher sportlich ausgelegt. Aber auch wir hatten gerade in den Corona-Jahren Zeiten, in denen wir zu 30 Prozent E-Bikes verkauften“, blickt der Geschäftsführer vom Radwerk by IronTrizone zurück.

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Was sich hingegen weiterhin echter Beliebtheit erfreue, ist eine Art Arbeitsleasing. „Das ist wirklich ein großer Trend“, sagt Max Ehrl. Wenn Arbeitgeber ein derartiges Leasing anbieten, würden die wenigsten einen Drahtesel ohne Akku bevorzugen. Zum Teil wären Inspektionen, Versicherung und Verschleißteile inbegriffen.

Die meisten denken, dass die E-Bikes mit den normalen Fahrrädern konkurrieren und dass die Jungen eigentlich mit dem normalen fahren sollen. Aber eigentlich konkurrieren E-Bike und Auto, weil jedes E-Bike, das unterwegs ist, ist ein Auto weniger auf der Straße.

Max Ehrl, Inhaber und Geschäftsführer von Zweirad Ehrl

Und diese Beweggründe versteht auch Rampl. „Wenn jemand eine große Strecke zur Arbeit zurücklegen muss, ist das E-Bike eine angenehme Alternative. Das macht dann auch Sinn und es hat gesundheitliche und klima- und umwelttechnische Vorteile“, sagt der Trainingswissenschaftler. Auch bei Menschen im gehobenen Alter sei das E-Bike eine super Sache, um sich wieder sportlich zu betätigen. „Wenn Leute lange nichts gemacht haben und kommen dann durch das E-Bike wieder zum Radfahren, gehe ich da voll mit.“

Seit zweieinhalb Jahren leitet Johann Rampl den Hochschulsport an der Uni Regensburg. - Foto: Marius Göhl

Generell müsse man unterscheiden für welche Zwecke man das Rad nutzt. Sieht man das E-Bike als Transportmittel und ersetzen Menschen damit die Fahrt mit dem Auto, sei das E-Bike absolut empfehlenswert. Geht es allerdings um den Sportaspekt würde Rampl in den meisten Fällen zum klassischen Rad raten. „Studien haben ergeben, dass die positiven Aspekte des Radfahrens auf die maximale Sauerstoffaufnahme als Bruttokriterium der Ausdauerfähigkeit beim E-Bike circa 17 Prozent geringer sind als bei einem normalen Fahrrad.“

Die Gefahren durch das motorisierte Fahrrad

Das Radeln habe viele physiologische Vorteile. So senkt man durch das Fahrradfahren den Blutzuckerspiegel, das Herz wird größer, Blutwerte werden besser und die Sauerstoffaufnahmefähigkeit wird besser. Diese Vorteile seien grundlegende Faktoren, die sich im Körper durch Ausdauersportarten wie das Radeln verbessern, sagt Rampl.

Allerdings gehen gerade bei Menschen im höheren Alter größere Gefahren mit dem motorisierten Fahrrad einher. „Die Unfallstatistiken zeigen, dass die Unfallhäufigkeit und -schwere durchaus zugenommen hat, weil das E-Bike höhere Geschwindigkeiten bei Leuten zulässt, die das eigentlich physisch gar nicht aus eigener Kraft bewältigen kann“, sagt Johann Rampl.

Beim Verkauf eines E-Bikes achten die Händler Eglmeier und Ehrl ebenfalls auf eine bewusste Einweisung zu den technischen Aspekten für den Kunden und raten zu einer langsamen Gewöhnung an das Rad. Dies sei der absolut richtige Schritt. „Wenn ich jetzt viele Jahre nicht gefahren bin, sollte man einfach mit der niedrigsten Stufe anfangen und in gemäßigten Tempo unter 20 Km/h auf geraden, flachen Strecken üben“, sagt Rampl. Der 44-Jährige sieht den gesunden Menschenverstand als wichtigstes Kriterium beim Fahrradkauf.