Sie eröffnet die Internationalen Musikfestspiele: Riedenerin ist erste Türmerin im Saarland

Sophie Rüth aus Rieden bewegt Menschen mit ihrer Musik. Klangvoll beherrscht sie die Trompete. Ihr vielfältiges musikalisches Engagement mit dem Blechinstrument brachten ihr ein Amt ein, dass vor ihr noch nie eine Frau im Saarland ausgeübt hat. Die 23-jährige Riedenerin wurde im Rahmen der internationalen Musikfestspiele Saar als erste Frau zur Türmerin des Saarlandes ernannt.
Deutschlandweit ist sie in diesem Ehrenamt erst die zweite Frau, welche in Städten hoch oben von der Spitze von Kirchtürmen mit einer Trompete oder einem Signalhorn grüßt. Die Wahl der Jury der Festspiele fiel nach einem Bewerbungsverfahren auf die junge Oberpfälzerin. Seit vier Jahren studiert sie an der Hochschule für Musik Saar in Saarbrücken die Fächer Trompete und Elementare Musikpädagogik.
Anfang April wurde sie offiziell ernannt, ihre ersten Auftritte liegen bereits hinter ihr. „Ich habe mich riesig gefreut, von der Jury ausgewählt und zur Türmerin ernannt worden zu sein“, zeigt sich Sophie Rüth im Gespräch mit der MZ stolz. Wenn Veranstaltungen im Rahmen der Internationalen Musikfestspiele Saar beginnen, etwa bei Kirchenkonzerten, leitet Sophie Rüth mit einem Choral auf ihrer Trompete das Konzert ein.
Ein Höhepunkt der Vielzahl von Konzerten, bei denen Sophie als Türmerin stets den Anfang macht, wird ihr Musizieren zum Auftakt vom Eröffnungskonzert des Dresdner Kammerchors am 8. Mai in der Stiftskirche St. Arnual in Saarbrücken sein. Das Motto der Musikfestspiele Saar, bei welchen die Türmerin ein wesentlicher Bestandteil ist, lautet in diesem Jahr „Einheit, Vielfalt und Freiheit“.
Eine moderne Tradition
Für Sophie Rüth spiegelt es die Weiterentwicklung der Türmer-Tradition mit dem Übergang in die moderne Zeit wider. „Seit jeher waren Türmer Bindeglieder zwischen den Menschen und damit ein Zeichen der Einheit. Ihre Musik ist Ausdruck von Vielfalt, denn sie wurde über Jahrhunderte in unterschiedlichsten Formen und Traditionen weitergegeben. Und schließlich steht die Türmerin heute für Freiheit, sie bricht alten Rollenbildern und zeigt, dass Musik keine Grenzen kennt, zeigt sich Sophie Rüth stolz.

Im Mittelalter waren die Türmer noch nicht wegen deren schönen Chorale, sondern vielmehr als Wach- und Warnposten, gerade in mittelalterlichen Städten, dringend notwendig.
Der Türmer erkannte oft als Erster Gefahren von Außerhalb oder Brände innerhalb der Städte. Im Laufe der Jahrhunderte, gerade mit der Industrialisierung, floss die Arbeit der Türmer weg vom Wachposten zum Choralbläser mit ihren Blechinstrumenten in eine mehr und mehr kirchliche Bedeutung.
Die Choräle konnten so durchaus als Predigt verstanden werden. Sophie Rüths musikalischer Werdegang fing im Alter von sieben Jahren bei der Blaskapelle St. Georg Rieden an, der sie auch heute noch aktiv angehört. Sehr schnell erkannten der Verein, die Musiklehrer sowie Dirigent Miroslaw Zgrzendek das Talent und die Begabung von Sophie.
Das könnt Sie auch interessieren: Rücktritte erschütterten die Narrhalla Rieden – Mit neuem Präsidium geht es in die Zukunft
„Ich wurde durch den Musikverein Blaskapelle St. Georg Rieden stark gefördert“, freut sie sich. „Trotz der Distanz ins Saarland ist mir die Blaskapelle St. Georg sehr wichtig. Sie steht für eine lebendige Musiktradition, für gemeinschaftliches Engagement und ein Miteinander, dass mein Verständnis von Musik maßgeblich mitgeformt hat“, so Rüth weiter. Zu Hause in der Oberpfalz ist Sophie neben ihrem Mitwirken im Orchester der Blaskapelle St. Georg Rieden auch aktiver Teil des Ensembles Dreiklang. Hier trat sie mit Roland Nitzbon schon vor der Bergkirche am Mariahilfberg in Amberg aber auch in Rieden zu Weihnachten in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt auf.
Musik und Pädagogik
Neben der großen Zahl an musikalischen Engagements hat sich Sophie Rüth im pädagogischen Bereich vielfach eingebracht. Das hängt auch mit Ihrem Studienfach Elementare Musikpädagogik zusammen. So lehrt sie mittlerweile an verschiedenen Einrichtungen, etwa bei Grundschulen, Musikvereinen und Akademien. Auch Kindergärten besucht sie.
Im Jahr 2021 veröffentlichte Sophie Rüth die „Schlossbergpolka“ in Form einer Eigenkomposition beim Adler Musikverlag. Wie geht es für Sophie Rüth weiter? „Nach meinem Studium zieht es mich wieder zurück in meine Heimat, wo ich mich sowohl als Trompeterin als auch als Musikpädagogin beruflich niederlassen möchte. Ein Masterstudium und weitere Publikationen in der Musikpädagogik sind ebenfalls in Planung“, so die 23-Jährige.