Tragischer Bahnunfall bei Schwandorf: Aufwendige Bergung und neue Details zur Kollision

Von Philipp Breu, Johannes Hartl · 30. April 2025 um 17:36

Der tragische Bahnunfall am Dienstag im Schwandorfer Stadtteil Klardorf sorgte auch tags darauf für Aufsehen. Am Mittwochmorgen rückte ein Spezialkran aus Leipzig an, um den stark beschädigten Regionalexpress zu bergen. Die aufwendige Aktion verlief erfolgreich, der Bahnverkehr wird aber dennoch auf der betroffenen Strecke weiter eingeschränkt bleiben. Die Polizei hat unterdessen zum Unglück, bei dem ein 76-Jähriger sein Leben verlor, weitere Erkenntnisse gewonnen.

Video ansehen

Wie berichtet, war am Dienstag gegen 11 Uhr ein Regionalexpress der Deutschen Bahn (DB), der von Regensburg Richtung Schwandorf unterwegs war, beim Bahnübergang in Klardorf mit einem Auto kollidiert. Für den 76 Jahre alten Fahrer kam jede Hilfe zu spät.

Auch der Zug wurde bei dem Unfall stark beschädigt und aus dem Gleis gehoben. Die 24 Fahrgäste und auch der Schaffner hatten Glück im Unglück. Die Insassen blieben körperlich unversehrt.

Bergungsaktion bei Klardorf startete verspätet

Stundenlang ging auf der betroffenen Strecke nichts mehr. Ein Spezialkran aus Leipzig wurde verständigt, um den kaputten Zug zu bergen. Eigentlich sollte dieser noch am Dienstag gegen 23 Uhr am Unglücksort ankommen, doch daraus wurde nichts. Stattdessen startete die aufwendige Bergungsaktion erst Mittwochfrüh. Das hatte mehrere Gründe, wie Notfallmanager Lukas Heimerl vor Ort erklärte. Zunächst musste der Fahrplan organisiert werden. Außerdem habe man für die Aktion einiges bereitstellen müssen – von Hilfszügen bis zum Personal.

Weil der Tag schon weit fortgeschritten war, habe man sich darauf geeinigt, die Bergungsaktion erst am Mittwoch zu starten. „Wenn man Tageslicht hat, tut man sich leichter. In der Nacht hätten wir die Stelle ausleuchten müssen. Dazu hätte das THW anrücken müssen oder die Feuerwehr“, so Heimerl. Außerdem wäre es schwierig gewesen, um diese Uhrzeit einen Schienenersatzverkehr zu organisieren, denn die Bergungsaktion gehe zwangsläufig mit einer Vollsperrung der Strecke einher. „So war wenigstens ein Gleis für die Nachtreisenden befahrbar“, sagte der DB-Notfallmanager.

Wenn man Tageslicht hat, tut man sich leichter. In der Nacht hätten wir die Stelle ausleuchten müssen. Dazu hätte das THW anrücken müssen oder die Feuerwehr.

Lukas Heimerl, DB-Notfallmanager

Am Mittwoch gegen 9.30 Uhr war es dann so weit. Der besagte Spezialkran mit dem klangvollen Namen „Mammut“ und einer Hebeleistung von 160 Tonnen rückte an. Dieser setzte den Zug wieder auf die Schiene. Während das erste Abteil in der Luft hing, inspizierten Mitarbeiter der Bahn den Unterboden. Dabei entdeckten sie, dass der Motorblock des Autos, mit dem der Regionalexpress am Dienstag kollidiert war, noch im Drehgestell der Lok klemmte. Prompt griffen die DB-Mitarbeiter zur Flex.

Die Bergung dauerte bis in den Mittag hinein. Ein Hilfszug aus Regensburg transportierte den Koloss ab. Die Bahnstrecke bei Klardorf wurde anschließend wieder für den Schienenverkehr freigegeben – allerdings mit Einschränkungen. Denn das Gleis, auf dem der Regionalexpress unterwegs war, wurde durch den Unfall stark in Mitleidenschaft gezogen. „Auf einer Strecke von rund 500 Metern wurden die Schwellen erheblich beschädigt. Deshalb kann erstmal kein Personenzug darauf fahren“, sagte DB-Notfallmanager Lukas Heimerl. Das Gleis soll nun so schnell wie möglich ertüchtigt werden. Bis dahin läuft der Bahnverkehr eingleisig im Wechsel. Das bedeutet, dass die Züge von Schwandorf nach Regensburg und von Regensburg nach Schwandorf dasselbe Gleis nutzen. Somit werden sich die Fahrgäste auch weiterhin auf Beeinträchtigungen einstellen müssen.

Mitarbeiter der Deutschen Bahn inspizierten den Unterboden des kaputten Zugs. - Foto: Philipp Breu
Der Motorblock des Autos klemmte noch im Drehgestell der Lok und wurde rausgeflext. - Foto: Philipp Breu
Die Bahnschranke wurde bei dem Unfall beschädigt und ist derzeit defekt. - Foto: Martin Kellermeier
Mitarbeiter der Deutschen Bahn regeln nun erstmal den Verkehr am Bahnübergang. - Foto: Martin Kellermeier
Bei dem tragischen Unglück am Dienstag wurde das Auto bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Für den 76 Jahre alten Fahrer kam jede Hilfe zu spät. - Foto: Martin Kellermeier

Auch am Bahnübergang selbst gibt es Einschränkungen. Weil die Schranken nach dem Unfall defekt sind, muss der Straßenverkehr vorübergehend durch Bahnmitarbeiter geregelt werden. Sie übernehmen sozusagen die Aufgaben der Bahnschranken.

Warum es genau am Dienstag zu der fatalen Kollision kam, ist nach wie vor ungeklärt. Licht ins Dunkel wird erst ein Gutachten bringen. Das werde längere Zeit in Anspruch nehmen, so die Polizei. In den sozialen Netzwerken sorgte das Unglück für wilde Spekulationen. Vor allem die Frage, ob zum Zeitpunkt des Unfalls die Bahnschranken offen oder geschlossen waren, treibt die Bürger um.

Schranken am Bahnübergang waren offenbar zu

Als die Einsatzkräfte eintrafen, waren die Schranken jedenfalls geöffnet, und die Ampel stand auf Rot. Das lässt aber noch keine Rückschlüsse zu. Denn wie Florian Meier, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Schwandorf, erklärt, schließen oder öffnen Schranken automatisch, wenn ein Zug einen gewissen Kontaktpunkt überfahren hat. Das war auch nach dem Unglück der Fall, weshalb die Schranken offen standen.

Es gibt aber eindeutige Hinweise darauf, dass die Schranken zum Zeitpunkt des Unfalls geschlossen waren. Eine Augenzeugin habe dies zweifelsfrei beobachtet, sagte Meier. Zudem hätten die Ermittlungen weitere Details ans Tageslicht gebracht, die dafür sprechen. Denn sowohl an der Schranke als auch am zerstörten Auto fanden die Ermittler Spuren, die eindeutig dafür sprechen, dass die Bahnschranke vor dem Unglück auf das Auto geschlagen hat.

Das lässt vermuten, dass der Senior die Schranke noch passiert hatte, als diese bereits dabei war, sich zu schließen. Warum der 76-Jährige allerdings im Auto sitzen blieb, bleibt unbeantwortet.