Trotz geschlossener Schranken stand Auto im Gleis – Tödlicher Bahnunfall bei Klardorf gibt Rätsel auf

Von Jan Lange, Martin Kellermeier, Philipp Breu, Johannes Hartl · 29. April 2025 um 17:15

Ein schreckliches Unglück hat sich am Dienstagvormittag im Schwandorfer Stadtgebiet ereignet. Am Bahnübergang in Klardorf waren ein Regionalexpress und ein Auto kollidiert, ein 76-Jähriger starb, der Zugverkehr kam über Stunden zum Erliegen. Noch an der Einsatzstelle wurde über die Unglücksursache spekuliert.

Es muss ein furchtbarer Knall gewesen sein, als der Zug der Deutschen Bahn (DB) das Auto kurz nach 11 Uhr frontal erfasst hatte. Durch die Wucht des Aufpralls wurde der Wagen zerfetzt und der 76-Jährige aus dem Auto geschleudert. Für den Senior aus dem Stadtgebiet kam jede Hilfe zu spät. Der Zug, der Richtung Schwandorf unterwegs war, blieb mehrere hundert Meter entfernt stehen.

24 Fahrgäste saßen im Zug

Bei dem Zusammenstoß wirkten offenbar derart enorme Kräfte, dass der tonnenschwere Regionalexpress, der mit 24 Fahrgästen besetzt war, entgleiste, glücklicherweise aber nicht umkippte. Die Große Kreisstadt schrammte also haarscharf an einer noch größeren Katastrophe vorbei. Nur ein Fahrgast trug leichte Verletzungen davon.

Nach Informationen unserer Zeitung passieren Personenzüge den Bahnübergang in Klardorf mit etwa Tempo 140. Dieser gilt unter Lokführern als gut einsehbar. Eine Schrankenanlage sichert den Übergang. Laut einer Augenzeugin waren bei der tödlichen Kollision am Dienstagvormittag die Schranken geschlossen. So sagte sie es auch gegenüber der Polizei aus. Das Auto sei mitten in der Gleisanlage gestanden und dort frontal von der Bahn erfasst worden.

Die Polizei kündigte umfangreiche Ermittlungen an. Man gehe derzeit von einem Unfallgeschehen aus, hieß es. Viel dreht sich nun um die Frage, warum der 76-Jährige mit seinem Auto im Gleisbereich stand – trotz nach ersten Ermittlungen geschlossener Schranken. Hatte der Getötete medizinische Probleme oder war am Ende eine technische Panne an seinem Wagen der Auslöser? „Wir werden das alles prüfen und nach Antworten suchen“, kündigte Polizeisprecher Michael Zaschka an.

Mehrere Szenarien für das Unglück sind denkbar

Als die Einsatzkräfte eintrafen, waren die Schranken jedenfalls geöffnet und die Ampel stand auf Rot. Das lässt aber noch keine Rückschlüsse zu. Denn gewöhnlich gehen die Schranken wieder nach oben, sobald der Zug durchgefahren ist. Das war ja auch nach der Kollision der Fall.

Die Einsatzkräfte waren mit einem Großaufgebot vor Ort in Klardorf. Neben mehreren Polizeistreifen waren insgesamt 70 Feuerwehrkräfte im Einsatz. Sie kamen von den Feuerwehren Klardorf, Steinberg am See und Teublitz. Auch Kreisbrandmeister Christoph Spörl und Kreisbrandrat Christian Demleitner eilten in den Schwandorfer Stadtteil. Ferner war der Rettungsdienst mit drei Rettungswagen und zwei Notärzten vor Ort.

Auch die psychosoziale Notfallversorgung, darunter der Burglengenfelder Pfarrer Michael Hirmer, war an den Unglücksort geeilt. Zudem waren die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung der Feuerwehr, die Sanitätseinsatzleitung sowie das THW mit einem Fachberater im Einsatz. Die Notfallmanager der Deutschen Bahn waren ebenfalls gefordert.

Notfallseelsorger Hirmer berichtete von seinen Gesprächen mit den Fahrgästen. Diese wurden zunächst aus dem Zug evakuiert und unter einer naheliegenden Brücke psychologisch betreut. „Die Bahnreisenden haben das alles relativ gut überstanden“, fand der Pfarrer. Nach und nach wurden sie zu den nächstgelegenen Bahnhöfen gebracht.

Lange Sperrung der Bahnstrecke zwischen Regensburg und Schwandorf

Die Bahnstrecke zwischen Schwandorf und Maxhütte-Haidhof war bis Redaktionsschluss für den Zugverkehr gesperrt. Polizei und Gutachter sicherten aufwendig Spuren. Ferner musste der entgleiste Zug geborgen sowie Schwellen und Schienen nach dem Unglück auf Fahrtüchtigkeit überprüft werden. Ersten Schätzungen zufolge entstand Sachschaden mindestens im unteren sechsstelligen Bereich.

Schwandorfs 2. Bürgermeister Andreas Wopperer (CSU), der derzeit den urlaubenden OB im Amt vertritt, eilte ebenfalls zum Klardorfer Bahnübergang, nachdem er von dem Unglück erfahren hatte. „Es ist ein tragisches und schockierendes Bild, das sich hier bietet“, erklärte er. Sein Mitgefühl gehöre dem Opfer und dessen Familie, aber auch den Fahrgästen.

Nun gelte es, die Ursache für das Unglück schnell zu ermitteln, konstatierte der OB-Vertreter. „Wichtig ist es, dass man klärt, ob es ein einmaliges beziehungsweise menschliches Versagen war oder ob an dem Bahnübergang technische Defizite vorliegen. Das ist das Wichtigste für die Bevölkerung“, so Wopperer.

Der Bahnübergang wurde stundenlang gesperrt.
Im Gespräch mit dem Kreisbrandrat: OB-Stellvertreter Andreas Wopperer (r.)
Überall lagen Trümmerteile.
Polizisten sicherten Spuren.
Geriet in deutliche Schieflage: Der Regionalexpress war auf dem Weg nach Schwandorf.