Wirtschaftsempfang im Städtedreieck: So glückt die Unternehmensnachfolge

Von Thomas Rieke · 30. April 2025 um 19:00

Viele Unternehmen stehen am Scheideweg und suchen jemanden, der den Betrieb übernimmt. Doch entsprechende Kandidaten sind rar. Wie der Transfer trotzdem gelingen kann, war ein zentrales Thema beim zweiten Wirtschaftsempfang, zu dem der Zweckverband Städtedreieck und die Gewerbeverbände am Dienstag in die Maxhütter Stadthalle geladen hatten.

Ein Jahr nach der überaus erfolgreichen Premiere 2024 in Burglengenfeld wollten sich diesmal rund 90 Repräsentanten lokaler Betriebe sowie aus Politik und Schulen die Gelegenheit nicht entgehen lassen, sich über die wirtschaftliche Situation im Städtedreieck zu informieren, zu diskutieren und vor allem zu netzwerken. Im Zentrum aber stand, wie eingangs erwähnt, das Thema „Nächste Generation“, respektive Unternehmensnachfolge.

Mit Oliver Ehrenreich nahm dazu ein Mann Stellung, der den großen Schnitt erst im vergangenen Jahr vollzogen hat. 1999 hatte der Burglengenfelder den Grundstein für sein Verkehrsunternehmen gelegt und von da an seine Aktivitäten stetig erweitert. Doch schon vor neun Jahren leitete er die Übergabe in Hände, denen er vertrauen konnte, ein.

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Ehrenreich gab den Zuhörern vier Ratschläge mit auf den Weg: Eine Geschäftsübergabe sollte erstens frühzeitig eingefädelt werden, denn neben organisatorischen Dingen gelte es auch die eigenen Emotionen zu berücksichtigen. Zweitens sei ein Steuerberater von Vorteil, der „das eine oder andere legale Schlupfloch kennt“. Drittens sollte die Übergabezeit nicht zu kurz bemessen sein, damit der Nachfolger Gelegenheit habe, seine Führungseigenschaften zu entwickeln und „das Team mitzunehmen“. Und schließlich sollte, um böse Überraschungen zu vermeiden, der Nachfolger selbst auf Herz und Nieren geprüft werden.

Wunsch und Wirklichkeit klaffen oft auseinander

Josef Ebnet, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Schwandorf, knüpfte nahtlos daran an. Auch er mahnte, man könne sich mit dem Thema nicht früh genug befassen. Die Tatsache, dass deutlich weniger potenzielle Nachfolger zur Verfügung stünden als benötigt würden, könne im Einzelfall den Preis erheblich drücken. Wunsch und Wirklichkeit klafften hier oft weit auseinander. Auch rechtlich stelle eine Betriebsübergabe eine große Herausforderung dar, sagte Ebnet. Individuelle Lösungen erforderten viel Beratung; die IHK stehe dafür zur Verfügung.

Per Video zugeschaltet, appellierte Wirtschafts-Staatssekretär Tobias Gotthardt (FW) an die Besucher, bei allen realen Problemen die eigenen Stärken nicht zu vergessen. „Wir haben unglaublich viel Kraft in Bayern“, sagte der Landtagsabgeordnete, der einst am Johann-Michael-Fischer-Gymnasium sein Abitur ablegte. Am Dienstag befand er sich auf einer Reise nach Algerien, um Weichen für Wasserstofflieferungen nach Bayern zu stellen.

Wie gelingt umweltverträgliches Wachstum?

Bürgermeister Rudolf Seidl (UWM) rückte die Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung in den Fokus: Durch Digitalisierung lasse sich die Lebensqualität in den Städten erhöhen. Unabhängig von ihrem Alter, sollten alle Bürger davon profitieren. Weil der Klimawandel jeden betreffe, müssen laut Seidl Maßnahmen ergriffen werden, „die unsere Umwelt nicht weiter zerstören“. Wachstum und ökologische Verantwortung gelte es sinnvoll zu vereinen. Und schließlich sei für alle Chancengleichheit zu gewährleisten; niemand dürfe zurückgelassen werden. Dies erfordere eine enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Seidl forderte alle auf, Ideen auszutauschen und gemeinsam nach Lösungen für eine erfolgreiche Entwicklung des Städtedreiecks zu suchen.

Teublitzer Bürgermeister appelliert an den Gemeinsinn

„Neue Impulse, frische Perspektiven und mutige Ideen“ seien dringend erforderlich, meinte der Teublitzer Bürgermeister Thomas Beer (CSU) auch in seiner Funktion als aktueller Vorsitzender des Zweckverbands Städtedreieck. Die Wirtschaft stehe vor „gewaltigen Umbrüchen“ – weltweit, aber auch „konkret in unserer Region“.

Ob Burglengenfeld, Maxhütte-Haidhof oder Teublitz – jede Kommune habe ihre Qualitäten, sagte Beer. Doch wichtiger als das seien die verbindende Kraft der Zusammenarbeit, der Wille, gemeinsam mehr zu erreichen und der „feste Glaube, dass Wirtschaft und Politik Hand in Hand gehen müssen, wenn wir den Wandel meistern wollen“.

Facebook war gestern, heute ist KI...

Benedikt Göhr, stellvertretender Vorsitzender des Wirtschaftsforums (Wifo) Burglengenfeld, forderte im Sinne des Apple-Mitgründers Steven Jobs dazu auf, immer „hungrig“ zu bleiben, und zwar nicht wegen des aufgebauten kalten Büfetts, sondern geistig. Dies sei im eigenen Interesse, aber auch gut für künftige Generationen. Es gelte permanent kreativ zu sein und sich auf neue Herausforderungen einzustellen. Facebook und Online-Shopping seien bereits Themen von gestern, heute gehe es um Künstliche Intelligenz und was man aus ihr mache, sagte Göhr.

Über den Stellenwert des Netzwerkens sprach Julia Krempl vom gleichnamigen Medienverlag. Sie sei quasi auf allen Plattformen präsent. Dies bedeute zwar Arbeit, die sich aber auch lohne. Speziell für Unternehmerinnen hat Krempl vor rund einem Jahr ein eigenes Netzwerk gegründet. Immer mehr Gleichgesinnte schlössen sich an.

Sebastian Hauser, Leiter der Geschäftsstelle Städtedreieck, zog ein positives Fazit. Seinen Worten zufolge dauerte das „Networking“ noch bis 22.45 Uhr. Es hätten sich zahlreiche interessante Gespräche ergeben. Trotz des etwas schwächeren Besuchs als 2024 sei er „sehr zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung“.

Citymanager lieferte interessante Zahlen

Burglengenfelds Citymanager Wolfgang Dantl beleuchtete beim Wirtschaftsempfang die Entwicklung der Kommunen im Städtedreieck in den vergangenen drei Jahrzehnten – und zog interessante Vergleiche. Ergebnis 1: Während in Schwandorf die Einwohnerzahl bis 2023 von knapp 27.000 auf rund 30.000 gestiegen ist, hat das Städtedreieck deutlich stärker zugelegt, nämlich von rund 27.500 auf 34.500.

Ergebnis 2: Die Zahl der am Wohnort Beschäftigten ist im Städtedreieck von 10.513 (2003) auf 14.942 (2022) gestiegen. Das Verhältnis von Einwohnern zu am Wohnort Beschäftigten lag 2003 bei knapp 35 Prozent, 2022 bei etwas über 43 Prozent.

Ergebnis 3: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat sich im Städtedreieck unterschiedlich entwickelt: Besonders auffällig: Maxhütte, das 1993 exakt 1668 Beschäftigte zählte, erlebte von 2003 bis 2013 einen Sprung auf 3016. 2022 lag die Zahl bei 3406 – also fast gleichauf mit Burglengenfeld.

Ergebnis 4: Der Überschuss an Auspendlern hat laut Dantl im Städtedreieck weiter zugenommen. In Schwandorf sei dies umgekehrt: Dort existiere ein Einpendler-Überschuss.

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Schmarrnkerl & Funkerl alias Helmut Haider und Stephan Karl baten „den lieben Rudi“ um ein Seid(e)l Bier. Foto: Thomas Rieke