Klospülung mit Blick auf den Hohenbogen – Der Wohnmobil-Trend kommt in Arnschwang an

Cham hat sie, Furth im Wald auch, Bad Kötzting hat welche und Roding. Eigentlich hat der halbe Landkreis welche: Wohnmobilstellplätze. Damit folgen alle einem Trend, der während Corona explodiert ist und sich nun bundesweit weiter abzeichnet. Nun hat auch Arnschwang gebaut. Wir haben uns von Bürgermeister Michael Multerer erklären lassen, ob das eine gute Idee war. „Ja“, sagt der.
Das Gelände hinter der Bahnüberführung war zuvor ein Lagerplatz für Baumaterial. Im Gemeinderat hatte Dr. Stefan Enderlein von einem schiefen Ortsschild gesprochen, von Müll in der Verlängerung des Flachsgrabens. Und dann ist da auch noch die Nachbarschaft der Bahn mit Stundentakt. Jetzt sind da ein Schotterplatz mit acht Stromanschlüssen und eine unbetonierte Entsorgungsanlage. Das klingt zunächst schwierig.
Die Nachbarschaft zur Bahn
Wir haben Bürgermeister Michael Multerer vor Ort gefragt, wie er sich die Zukunft des Stellplatzes vorstellt und das Stadium des Endausbaus. Und wie die Gemeinde von dem Boom profitieren will. Multerer hat dafür eine interessante Erklärung. Schließlich ist er selbst überzeugter Wohnmobilist und damit sozusagen Insider. Die direkte Nachbarschaft zur Bahn ist demnach nicht nur kein Problem, sondern sogar erwünscht: „Die Leute können hier einsteigen und dann mit der Bahn einen Tagesausflug nach Prag oder Pilsen machen“, sagt Multerer.
Die Versorgungsstation bietet 100 Liter Trinkwasser für einen Euro. Dazu kann dort das sogenannte Grauwasser von Waschbecken und Dusche entsorgt werden. Multerer grinst und lehnt sich auf eine weitere Entsorgungsstation: „Haben Sie schon mal ihr Klo gespült mit Blick auf den Hohenbogen?“ Nun wartet der Versorgungsplatz nur noch auf eine Ladung Beton für die Bodenplatte: „Wir werden fertig. Genau wie die Further Gartenschau“, sagt Multerer, und liefert so gleich den passenden Übergang mit. Denn der Zeitpunkt der Gartenschau-Eröffnung hat die Nachbargemeinde bei der Planung der acht Stellplätze angetrieben. „Die können hier parken und dann direkt weiterfahren mit Bus oder Bahn zur Gartenschau“, sagt der Arnschwanger Bürgermeister.
25.000 Euro für acht Plätze
Rund 25.000 Euro hat der Ausbau des Schotterplatzes samt Stromversorgung und Entsorgungsanlage gekostet, wenn man nicht berücksichtigt, dass die Gemeinde vorher das Grundstück von der Bahn gekauft hat. Der ganze Aufwand für etwas, das viele anderen im Landkreis auch haben?
Mit diesem Einwand kommt man dem überzeugten Wohnmobilisten Multerer gerade recht: „Wenn man heute versucht, nach Südtirol zu fahren, dann muss man ein dreiviertel Jahr vorher schon buchen, damit man überhaupt noch irgendwo stehenbleiben darf. Von übernachten redet da noch gar keiner.“ Da ist der Bayerwald nach seiner Ansicht auf einem besseren Weg. „Wenn man die Städte im Landkreis ansieht und auch viele kleinere Gemeinden, dann gibt es an den meisten Orten bereits ein Angebot. Das spricht sich rum unter denWohnmobilisten“, ist Multerer überzeugt.
„Das bleibt ein Trend“
Er glaubt auch fest daran, dass der Trend nach oben in dieser Sparte anhält. Schließlich kennt er die eigene Begeisterung: „Es reicht oft schon, wenn du aus dem Fenster raus schaust und das Wohnmobil siehst. Allein der Gedanke: Ich könnte jetzt einfach losfahren...“ Ab und zu macht er das auch. Dann gibt es oft die erste Brotzeit schon in Cham. „Weil wir das können“, sagt er und lacht. Und anschließend geht es einfach so für ein paar Tage Richtung Bibione. „Das war schon richtig mit den Stellplätzen. Das bleibt ein Trend“, sagt Multerer überzeugt.

