Trotz Mega-Bonus für Mitarbeiter: Regensburger Spiele-Entwickler CipSoft stellt sich breiter auf

Müsste man die Regensburger Spiele-Entwicklerfirma CipSoft beschreiben, treffen es vor allem zwei Worte: Wachstum und Erfolg. 2024 erreichte die Mitarbeiterzahl ein Rekordhoch, der Gewinn vor Steuern lag zwar unter dem Rekord des Vorjahres, bescherte den Angestellten aber dennoch eine Bonuszahlung in Höhe von fast acht zusätzlichen Monatsgehältern. Ausruhen will sich CipSoft darauf aber nicht.
„Macht’s lieber was gscheids“ , haben die CipSoft-Gründer um Stephan Vogler nach ihrem Studium von ihren Eltern gesagt bekommen. Aber die Weiterentwicklung des Online-Fantasie-Rollenspiels Tibia, das 1997 online gegangen ist, sowie die Gründung von CipSoft 2001 erwiesen sich als genau die richtigen Entscheidungen.
Tibia: Weiterentwicklung im Sinne der Spieler
Vogler, Geschäftsführer von CipSoft, sagt heute, dass die Entwicklung damals wohl „die richtige Mischung aus Glück und Durchhaltevermögen“ war. Dass Tibia bis heute so gerne gespielt wird, liege besonders an der stetigen Weiterentwicklung im Sinne der Spieler, so Vogler. Aber vor allem daran, dass man sich nie von Investoren abhängig gemacht hat. Die erste Version haben die Gründer mit eigenen Mitteln finanziert und sich dann „irgendwie durchgebissen“. Solche Indie-Teams – also unabhängige Entwickler mit meist wenig Budget – gebe es auch heute immer wieder. Aber allgemein gehe es der Games-Branche derzeit sehr schlecht. „Wir sind in einer sehr untypischen Lage für unsere Branche“, sagt Vogler über sein Unternehmen.
Bevor ein Spiel auf den Markt kommt und man daran Geld verdienen kann, ist meist jahrelange Arbeit notwendig. Das ist sehr kapitalintensiv. „Die meisten Studios haben dieses Geld nicht und suchen Geldgeber.“ Aber in dem derzeitigen Hochzinsumfeld sei das nicht leicht. „Investoren sind momentan nicht bereit, in die Spieleentwicklung zu investieren.“ Dadurch ist es für Studios schwer, ihre Projekte zu finanzieren und ihre Mitarbeiter zu halten.
Zusätzliche Standbeine aufbauen
Bei CipSoft ist die Lage genau gegenteilig. Dennoch plant die Firma, sich künftig breiter aufzustellen. Denn: „Der Erfolg von CipSoft basiert maßgeblich auf Tibia“, sagt Vogler. Als zusätzliches Standbein hat das Regensburger Unternehmen zum Beispiel ihr eigenes Zahlungssystem „MultiPayer“ auf den Markt gebracht, das es für Tibia aufgebaut hat. „Wir unterstützen Hunderte verschiedene Zahlungsmethoden auf der ganzen Welt – speziell die, die von Spielern gerne genutzt werden“, so Vogler.
In den vergangenen Jahren habe CipSoft festgestellt, dass Unternehmen Interesse an einem solchen System haben, aber derzeit noch auf Dienstleister zurückgreifen, die von Online-Games nicht viel verstehen. „Wir treten als Zahlungsdienstleister auf – mit gaming-spezifischen Extras on top. Wir sorgen dafür, dass deren Kunden bezahlen können und in dem Fall erhalten wir eine kleine Gebühr.“ Ein Beispiel: Jemand der schon lange spielt wird im Risikomanagement als vertrauenswürdiger eingeschätzt als jemand, der neu ist.
„Wir lieben Onlinespiele mit langer Tradition“
Außerdem hat CipSoft kürzlich den leitenden Betrieb und die Weiterentwicklung des Browserspiels „Die Siedler Online“ von Ubisoft Blue Byte übernommen. „Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen Die Siedler Online und Tibia. Beides sind langlaufende Spiele mit einer treuen Community. Wir wissen, wie die Leute ticken, die solche Spiele spielen“, sagt Vogler und fügt an: „Wir lieben Onlinespiele mit langer Tradition.“ Die Siedler Online wolle CipSoft – ähnlich wie bei Tibia – im Sinne der Spieler weitentwickeln und damit vielleicht sogar alte Spieler zurückgewinnen. Letztlich hofft CipSoft damit aber auch auf zusätzliches Wachstum. Die Regensburger haben auch das verantwortliche Team von Die Siedler Online übernommen, das künftig von der neuen CipSoft-Niederlassung in Düsseldorf agieren wird. Die Marke „Die Siedler“ bleibt bei Ubisoft.
CipSoft hat in den vergangenen Jahren auch immer wieder versucht, mit eigenen Spielen wie LiteBringer oder Panzer League an den Erfolg von Tibia anzuknüpfen. Doch so eingeschlagen hat bisher keins. „Auch wenn die Spiele, die wir in den letzten Jahren rausgebracht haben, nicht den Erfolg gebracht haben, den wir uns erhofft hätten, haben wir viel dabei gelernt.“ Ein Spiel, mit dem man das aber künftig schaffen will, ist Persist Online. Bei dem Online-Rollenspiel muss man gegen Zombies kämpfen. „Wir sind guter Dinge, dass es diesmal funktioniert.“
Weitere Infos zum Unternehmen
Tibia: Seit 1997 wurden weltweit mehr als 32 Millionen Accounts bei Tibia angelegt. Es ist eines der ersten Online-Rollenspiele und wurde 2019 mit dem Deutschen Entwicklerpreis in der Kategorie „Dauerbrenner“ ausgezeichnet.
Auszeichnung: Erst kürzlich wurde CipSoft von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) mit der Auszeichnung „Bayerns Beste Arbeitgeber 2025“ geehrt.
Mitarbeiter: Aktuell zählt CipSoft 103 Mitarbeiter. Laut Geschäftsführer Stephan Vogler soll die Zahl in den nächsten ein bis zwei Jahren aber auf 110 bis 120 anwachsen.
Umsatz: Der Umsatz von CipSoft ist seit der Gründung im Jahr 2001 fast nur gestiegen. Den Höchststand erreichte er 2020 mit 25,6 Millionen Euro. 2024 lag er bei 23,76 Millionen Euro.
Gewinn: 2023 war das Jahr mit dem höchsten Gewinn vor Steuern in der Geschichte von CipSoft. Er lag bei 14,5 Millionen Euro. Für die Mitarbeiter gab es mehr als zehn zusätzliche Monatsgehälter. 2024 lag er bei 12,3 Millionen Euro – und bedeutete fast acht zusätzlichen Monatsgehälter.