Behindertenwerkstätten werden jetzt zum Campus – Ein Ort mit vielen Möglichkeiten

Immer wieder über die Jahre ist über eine Änderung diskutiert worden – dieses Jahr kommt sie: Aus den Chamer Behindertenwerkstätten wird der Campus Oberpfalz.
Mittendrin im Gespräch rund um den neuen Namen nennt Katharina Keber eines der wichtigen Argumente. „Mensch ist Mensch!“, sagt die Geschäftsführerin – warum also sollte ein Firmenname die beschreiben, die dort arbeiten und sich schon lange von diesem Namen verabschiedet haben, sich gar dafür schämen?
Anstoß sei ein Schreiben der Mitarbeitervertretung und der Frauenbeauftragten aus 2023/24 gewesen, der den bisherigen Namen ins Visier nahm, erläutert Katharina Keber. Der Werkstattrat, praktisch das hiesige Pendant zum Betriebsrat, habe in dem Brief an die Geschäftsführung und den Aufsichtsrat eine neue Namensfindung ins Spiel gebracht.
Herabgesetzt gefühlt
Man fühle sich durch die Firmenbezeichnung herabgesetzt und ausgegrenzt, so die Worte in dem Brief: Man werde deshalb nicht wahrgenommen, wie man sei. Im Privaten, so schrieben die Mitarbeitervertreter, würden viele Beschäftigte vermeiden zu sagen, wo man arbeite.
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„Es hat seit der Gründung 1972 immer wieder solche Gedanken einer Umbenennung gegeben“, sagt Katharina Keber und verweist auf einen Bayerwald-Echo-Artikel von 1989, wo das bereits Thema war. Durch den aktuellen Brief sei das Thema ins Rollen gekommen, wobei eine Namensänderung bei einem bekannten Unternehmen wie diesem nicht einfach so zu machen sei.
Dennoch sei es ein schöner Prozess zur Namensfindung gewesen. Man habe keinen Namen vorgeben wollen, die Mitarbeiter hätten Vorschläge eingebracht. „Am Ende hatten wir 36 Namensideen, dabei tolle Vorschläge wie Happy-Werkstätten oder Happy-Life-Werkstätten“, sagt Katharina Keber.
Involviert sei auch eine Marketingagentur, die den Umbenennungsprozess begleitet. Herausgekommen sei dann per Abstimmung der neue Name Campus Oberpfalz, wobei man zunächst den Technologie Campus gefragt habe, mit dem man eine Kooperation anstrebe, ob es ihnen Recht sei.
„Die fanden das cool!“, so Keber – auch, weil mit gewissen Verwechslung zu rechnen sei, was wiederum interessante Begegnungen bringen könne. „Campus ist der Name, der alles vereint, was wir zu bieten haben!“Es gebe hier mehr als Werkstätten und Betreuung – hier werde gelebt, Sport gemacht, Freizeit verbracht und gearbeitet. Mit dem Namen hätten sich alle identifizieren können, sagt die Geschäftsführerin. Der neue Name werde als erstes bei der Landesgartenschau auftauchen, an der man sich beteilige.
Flaute erwartet
Wirtschaftlich erwarte man, von der konjunkturellen Flaute erfasst zu werden. Denn auch Kunden wie BMW oder Siemens seien davon betroffen. „Wir müssen schauen, dass wir uns weiter breit aufstellen, um Ausfälle zu ersetzen“, sagt Keber. Man erwarte Rückgänge, doch bleibe man gut aufgestellt und zahle daher mit über 400 Euro monatlich die höchsten Löhne. Sie wisse natürlich um die kritische Diskussion um die Löhne für behinderte Menschen.
Doch brauche es hier die Politik, um etwas zu ändern und den Menschen mehr zukommen zu lassen. Nur um Mindestlohn gehe es da nicht, denn gebe man dort mehr, werde das bislang auf der anderen Seite, der staatlichen Grundsicherung, abgezogen. Was man ebenfalls merke, sei, dass weniger Beschäftigte mit Behinderung für die Werkstätten zu haben seien, da die Inklusion wirke. Solche Wege nach draußen biete man den Mitarbeitern auch an – ansonsten gebe es ganz viele Arbeitsfelder in den Werkstätten im jetzigen Campus Oberpfalz. Die Entwicklung des Unternehmens Gründung: 1972wurden die Werkstätten durch den Sozialverband VdK Bayern und die Lebenshilfe im Landkreis Cham am Standort Cham gegründet. Immer wieder gab es Erweiterungen.
Zweigwerk: 1995 wurden die Zweigwerkstätten in Bad Kötzting bezogen. Dazu hat das Unternehmen heute zwei Wohnheime für behinderte Menschen in Cham.
ZIP: Die Zweigwerkstätten für psychisch kranke und/oder behinderte Menschen (ZIP) wurden 2001 in Cham eingerichtet und sollen in den kommenden Monaten ausgebaut werden.
Umsatz: Im Unternehmen arbeiten etwa 515 Menschen, davon 385 als Mitarbeiter in allen möglichen Produktionszweigen von der Schreinerei bis zur Dreherei und 130 Angestellte. Der Umsatz liegt bei zwölf Millionen Euro.
Name: In diesem Jahr wechselt die Firma den Namen – aus den Behindertenwerkstätten Oberpfalz, Betreuungs-GmbH, wird der Campus Oberpfalz.
