Eine Institution: Darum schließt Korbwaren Weber am Chamer Marktplatz

Eine Institution am Chamer Marktplatz schließt in diesem Jahr ihre Pforten – Korb Weber. Eigentlich wollte Ralf Weber bis zu seinem 85. Geburtstag für seine Kunden da sein, doch nun hat ihm seine Gesundheit einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber noch ist er fast täglich in seinem Geschäft anzutreffen, und seine Korbwaren sind aufgrund ihrer Qualität begehrt.
Das kleine, aber feine Fachgeschäft, direkt neben dem Durchgang zwischen Stadtpfarrkirche St. Jakob und Rathaus gelegen, hat eine lange Geschichte. Ralf Weber erzählt, dass es dieses Geschäft schon seit 125 Jahren gibt. Im Lauf dieser langen Zeit wurden schon die verschiedensten Artikel zum Kauf angeboten. „Überwiegend war es aber immer ein Korbwaren-Geschäft“, erklärt Ralf Weber.
Auf Souvenirs gesetzt
Nachdem seine Mutter aber aus dem Konsum stammte, gab es vor dem Krieg auch Obst und Lebensmittel zu kaufen. Unter anderem wurden auch schon Kinderwagen verkauft. Ralf Weber, der zusammen mit seiner Frau Regina seit 1968 Besitzer des Geschäfts ist, setzte dagegen auf Souvenirs von Cham und dem Bayerischen Wald. „Die Zusatzartikel waren einfach notwendig, weil meine Körbe eine so lange Lebensdauer haben“, stellt Ralf Weber fest – und schmunzelt.
Er ist gelernter Korbmacher und hat sein Handwerk an der Fachschule in Lichtenfels erlernt. Auch sein Großvater und sein Vater waren gelernte Korbmacher. Nach der Schule in Lichtenfels ging es für zwei Jahre nach Coburg und dann in die Schweiz. In Basel fertigte Weber Flaschenkörbe an.
Wieder daheim in Cham, war er in seiner Werkstatt in der Randsbergerhofstraße sehr kreativ. Von Kleinkorbwaren über Schaukelstühle bis hin zu Regalen hat er in seinem langen Berufsleben mit viel handwerklichem Geschick angefertigt. Sogar ganze Schlafzimmereinrichtungen haben seine Werkstatt verlassen.
Besonders gefragt sind seine Trachtenkoffer. „Die Trachtenvereine sind an mich herangetreten, und so habe ich mich damit beschäftigt und auch spezialisiert“, betont Ralf Weber. Sogar aus San Francisco habe er schon Anfragen bezüglich der Trachtenkoffer gehabt.
Beruf stirbt nicht aus
Das Material für seine Handwerksprodukte bezieht er aus der ganzen Welt. Insgesamt gibt es 200 Materialarten, verrät Ralf Weber. Angst, dass sein Beruf einmal aussterben wird, hat er nicht. Die Fachschule in Lichtenfels ist voll belegt. Die Lehre ist nämlich auch der Ausgangspunkt für das Studium der Innenarchitektur.
Während des Gesprächs hat eine Kundin einen der Körbe ausgewählt und bezahlt ihn bei Weber. Er bekennt: „Eigentlich mache ich den Ausverkauf ja ungern und ich werde mein Geschäft mit einem weinenden Auge schließen“.
