Nach Kexi-Aus: Wer in Kelheim vom Nachfolge-Modell profitieren soll

Die Kreisstadt feilt an einem Nachfolge-Konzept für den beliebten „On-demand“-Bus „Kexi“. Zwei Gruppen von Kelheimern sollen künftig von der Stadt bezuschusste Taxi-Gutscheine erhalten.
Ab dem 1. Juli stellt der Kelheimer Stadt-Kexi seinen Betrieb ein. Bekanntermaßen hatten die Stadträte mehrheitlich für die Abschaffung gestimmt, weil ihnen die Kosten für die freiwillige Leistung (etwa 500.000 Euro jährlich) in Zeiten klammer Kassen zu hoch waren. Doch bestimmte Nutzer-Gruppen wollte man nicht im Regen stehen lassen. Die Lösung sollen Taxi-Gutscheine sein.
Lena Plapperer von der Verwaltung erarbeitete das Konzept. Im Hauptausschuss stellte sie es vor. Kurz gesagt: Künftig sollen die drei lokalen Taxi-Unternehmen den Kexi ersetzen. Aber nicht für jedermann, sondern definierte Gruppen. Senioren ab einem gewissen Alter etwa und Kelheimerinnen und Kelheimer, die per Ausweis eine Schwerbehinderung nachweisen können. Auch über die junge Generation wurde in der Februar-Sitzung des Stadtrats nachgedacht.
Zum Arzt oder zum Groß-Einkauf
Die Betroffenen sollen so auch künftig unkompliziert zum Arzt kommen oder größeren Einkauf erledigen können. Laut Lena Plapperer leben aktuell 132 Personen mit Schwerbehinderten-Parkausweis in Kelheim. Bezüglich der älteren Generation stellte sich die Frage, ab welchem Alter man die Gutscheine gewähren wolle. Aktuell seien 3344 Frauen und Männer, die älter als 68 Jahre seien, gemeldet. 2880 Kelheimer seien Ü70 und 1902 Ü75. Ursprünglich wollte man auch die junge Generation unterstützen, Auszubildende etwa. Wie groß diese Zielgruppe sei, ließe sich schwer schätzen. Belastbare Zahlen lägen nicht vor, so Plapperer. Gegebenenfalls könne man junge Kelheimer zu einem späteren Zeitpunkt hinzunehmen.
Die Gutscheine seien nicht dafür gedacht, „um Leute vom Feiern heimzubringen“, betonte Bürgermeister Christian Schweiger. Wenn dies jedoch gewünscht sei, könne man das diskutieren. Tom Häckl jun. (FW-Fraktion) plädierte dafür, auch die Jungen einzubinden.
Die Stadt plant für das zweite Halbjahr 2025 mit Kosten in Höhe von 60.000 Euro. Der Großteil (50.000 Euro) soll für 11.111 reguläre Fahrten reserviert sein, 5000 Euro für bis zu 370 Fahrten von Rolli-Fahrern und weitere 5000 Euro seien nötig für die einmalige Herstellung wie die Verwaltung der Taxi-Gutscheine.
Ist Missbrauch nicht vorprogrammiert?
Die Taxi-Gutscheine haben jeweils einen Wert von 5 bzw. 15 Euro. Die Stadt bezuschusst jede reguläre Fahrt mit 4,50 Euro sowie jede rollstuhlgerechte Fahrt mit 13,50 Euro. Die Differenz gewähren die Taxi-Unternehmen als Rabatt. Die Berechtigten könnten die Gutscheine auch ansparen, um etwa längere oder teurere Fahrten unternehmen zu können, erklärte Plapperer. Wie man sicherstelle, dass diese nicht an Dritte weitergegeben würden, wollte Tom Häckl jun. (FW-Fraktion) wissen. Die Gutscheine seien personalisiert, antwortete Plapperer. FW-Stadträtin Regina Hierl wiederholte ihr Unverständnis: „Wir haben den Kexi eingestellt, weil wir sparen wollten.“ Und nun lege man eine neue freiwillige Leistung auf. Wenn die Stadt künftig im Jahr statt 500.000 Euro nur 110.000 ausgebe, sei das eine große Einsparung, konterte Bürgermeister Schweiger. Eine Kexi-Fahrt habe man mit 15 Euro bezuschusst. „Das war zu teuer." Allerdings seien nach dem Votum, das das Aus für den Rufbus bedeutete, auch „berechtigte Stimmen“ laut geworden, die insbesondere Mobilität für „nicht mobile“ Kelheimer eingefordert hatten. Ob man das unterstütze oder nicht, sei eine „politische Entscheidung“.
Nach kurzer Diskussion waren die Ausschuss-Mitglieder mehrheitlich (7:4) dafür, dass Senioren ab 70 Jahren oder Kreisstädter mit Schwerbehindertenausweis von Juli bis Dezember 2025 fünf Gutscheine für bezuschusste Taxi-Fahrten erhalten sollen. Beschlossen ist damit aber noch nichts. Am Montag, 28. April, muss erst der Stadtrat noch seinen Segen geben. Dann könnte ein Testbetrieb anlaufen und man sehe, wie viele Kelheimer aus den beiden Zielgruppen die Fahrten tatsächlich nutzen. „Da werden wir sicher noch Anpassungen vornehmen müssen“, so der Bürgermeister. Denn vieles beruhe aktuell auf Annahmen. „Wir müssen uns da rantasten“, so Schweiger.