Maibaum in Sittling gestohlen - Maibaumfreunde Kirchdorf heuer viermal erfolgreich

Von Jochen Dannenberg · 24. April 2025 um 11:00

Der 1. Mai hat viele Traditionen. Auf dem Land in Bayern gehört das Maibaum-Aufstellen dazu. Genauso genört das Maibaum-Stehlen dazu. Jetzt waren Maibaumdiebe in Sittling aktiv.

In den Wochen ab Ende März bis Ende April herrscht Krieg in Bayern. Kein richtiger Krieg, es gibt keine Toten und Verletzten un dgeschossen wird auch nicht. Der Krieg, der jedes Jahr im April stattfindet, ist nur zum Spaß und nur zwischen einzelnen Gemeinden: Dann werden nämlich wieder Maibäume gestohlen und junge Burschen werden gewitzte Tüftler, Strategen und Diebe. In Sittling haben sie jetzt zugeschlagen: Dort wurde der Feuerwehr der neue 26 Meter lange Baum gestohlen.

Natürlich war das kein ganz einfaches Unterfangen. Der Baum war von der Feuerwehr in einer Hopfenhalle aufbewahrt worden und dort lag er auch nicht am Boden, so dass man ihn leicht auf einen Anhänger hätte laden können. Der Baum war in mehreren Metern Höhe aufgehängt. Trotzdem waren die Maibaumfreunde Kirchdorf in der Nacht zum 15. April erfolgreich. „Eine erste Gruppe war um Mitternacht vor Ort, um alles vorzubereiten. Eine zweite kam eine Stunde später“, sagt Simon Steiger, Chef der Maibaumfreunde Kirchdorf. Und dann ging alles blitzschnell und vor allem sehr geräuschlos. 25 Mann und ein junges Mädchen (15) packten an und ein paar Minuten später lag der Baum auch schon auf einem Nachläufer, der von einem Pkw gezogen wurde.

„Geräusche g'hört“

Der Diebstahl blieb bis Tagesanbruch unentdeckt. Ein paar Nachbarn, ergaben spätere Nachfragen der Sittlinger Feuerwehrkameraden, wollen zwar in der Nacht „so Geräusche g'hört“ haben, aber nachgesehen hatte keiner. Darum war den Maibaumfreunden das Glück hold. Und die Feuerwehr hatte das Nachsehen. Der Baum - alle zwei Jahre wird in Sittling ein neuer aufgestellt - war futsch. Neidlos musste Sittlings Kommandant Matthias Koller anerkennen, dass die Sicherungen nicht ausgereicht hatten, „dafür aber haben sich die Diebe auch schon plagen müssen“.

Immerhin meldeten die sich umgehend und es begann, was zum Ritual dazu gehört - das Verhandeln um die Auslöse. Ein paar Fässer Bier und eine Brotzeit gelten gemeinhin als Lösegeld. Erst wenn dies bezahlt ist, wird der Maibaum wieder zurück gegeben. Simon Steiger und Matthias Koller wurden sich einig. „Es gibt Grillfleisch und Bier“, erklärten sie übereinstimmend. Wann jedoch die Übergabe erfolgen soll, ließen sie sich nicht entlocken. Der Baum soll ja schließlich nicht noch ein zweites Mal gestohlen worden. Sicher, sagt der Sittlinger Feuerwehrkommandant, sei nur, dass der Baum am 30. April ab 18 Uhr in der Dorfmitte aufegsteltl werden soll. „Und das Aufstellen wird unsere Fest.“

Nicht immer enden die Verhandlungen um das Lösegeld so einmütig. Als vor einigen Jahren schon einmal der Maibaum in Sittling gestohlen wurde, habe es keine Einigung mit den Dieben gegeben. Am Ende, so Koller, habe man ihnen den Baum gelassen und einen neuen besorgt. Vielleicht hatten es die Sittlinger damals auch nicht mir Profis wie den Maibaumfreunden aus Kirchdorf zu tun. Die haben heuer bereits vier Bäume gestohlen.

Seit fünf Jahren aktiv

„Wir sind seit fünf Jahren wieder aktiv“, sagt deren Chef, nachdem die „ältere Generation das Maibaum-Stehlen vor rund 20 Jahren eingestellt hatte. Kein Einsatz sei wie der andere, erzählt er. „Jeder Baum macht seine Arbeit. Aber in Sittling waren wir genug Leute, da lief es gut. Heuer haben wir bereits vier Bäume gestohlen.“ Im vorigen Jahr waren es zwei, davor einer. Ganz klar: Die Maibaumfreunde sind dieses Jahr sehr erfolgreich unterwegs. Bei den Verhandlungen über die Auslöse habe es keine Probleme gegeben, betont Steiger. Am Dienstagabend brachten die Kirchdorfer Maibaumfreunde deshalb auch bereits einen der gestohlenen Bäume nach Vohburg zurück.

Das Maibaum-Stehlen, gesteht Simon Steiger, habe für ihn etwas mit Nervenkitzel zu tun. Vorab würde zwar das Versteck des Baums ausgekundschaftet. „Aber du bist ja in einem fremden Ort unterwegs und das mitten in der Nacht“, erklärt er. Und wenn man doch erwischt wird, ehe man mit dem Baum aus dem Ort raus ist? „Dann war es das.“