Jetzt doch: Stadt Regensburg sucht Beschicker für zwei Märkte

Von Juliana Ried · 24. April 2025 um 09:00

Dieser Aufruf der Stadt Regensburg in den Osterferien kam für so manchen überraschend: Die Stadt will zusätzliche Beschicker finden für den Neupfarrplatz und einen wiederbelebten Markt auf dem Areal der ehemaligen Nibelungenkaserne. Dabei hatte der Marktmeister erst kürzlich geklagt, das sei unmöglich bis schwierig.

Immer wieder treten an diesem Mittwochmittag Kunden an den Obst- und Gemüsestand am Neupfarrplatz. Die meisten aber kaufen wenig: ein Granatapfel, ein paar Äpfel oder auch einmal drei Kilo Kartoffeln werden bestellt. Verkäufer Hasib Bigzad bietet an diesem Tag als einziger hier Lebensmittel an, während es hier üblicherweise auch Brot gibt und am Ende der Woche auch Fleisch und Käse. Allerdings will die Stadt ihr Marktangebot erweitern: Seit vergangener Woche sucht sie Beschicker für den Neupfarrplatz. Und den Nibelungenmarkt im Kasernenviertel will sie wiederbeleben.

Diese Nachrichten kamen auch für so manchen Stadtrat überraschend. Immerhin hatte Marktmeister Reinhard Kellner erst im März im Verwaltungsausschuss ausgeführt, dass er die Beschicker nicht bekomme, die die Stadt gern haben wolle.

Marktmeister: „Hartes Brot“ für Händler am Neupfarrplatz

Ein Stand am Neupfarrplatz sei ein „hartes Brot“. Generell kämpften die Händler auf den Märkten mit der Abwanderung der Kunden zu den Discountern. Für einen Markt auf dem Nibelungen-Areal, den es 2021 und 2022 gab, sei „keine Kaufkraft da“.

Vergangene Woche allerdings teilte die Stadt mit, sie beabsichtige, „zum nächstmöglichen Zeitpunkt den Viktualienmarkt am Neupfarrplatz zu erweitern und zusätzlich den Nibelungenmarkt wiederzueröffnen“, und zwar östlich des Parkplatzes vor dem Discounter Netto. Für den „Viktualienmarkt“ am Neupfarrplatz würden „neue Ideen, Konzepte und Interessenten gesucht“. „Denkbar sind neben Lebensmitteln auch andere Waren, zum Beispiel Souvenirs.“ Zur Stärkung der ansässigen Gastronomie würden keine zusätzlichen Imbissbetriebe zugelassen. Im Kasernenviertel dagegen sind neben wochenmarkttypischen Ständen auch Anbieter von Gockerl oder Steckerlfisch ausdrücklich erwünscht.

Brücke-Stadtrat Florian Rottke sagt: „Ich war überrascht, dass jetzt nach Beschickern gesucht wird.“ Schließlich sei die Brücke-Fraktion, die seit Langem einen Tagesmarkt mit vielfältigem Angebot am Neupfarrplatz fordert, jahrelang vertröstet worden mit dem Hinweis, dass die Stadt an einem Gesamtkonzept für die Märkte arbeitet – zuletzt im Verwaltungsausschuss im März. „Meine Vermutung ist, dass versucht werden soll, nachzuweisen, dass es nicht genug Beschicker gibt“, sagt Rottke kritisch. Was den Neupfarrplatz angeht, ergänzt er: „Was ich ein bisschen schade finde, ist, dass Gastronomie ausgeschlossen ist.“ Sie gehöre einfach dazu bei solchen Märkten.

Mehr Imbisse am ehemaligen Kaufhof sind nicht erwünscht

Dass Imbisse im Stadtzentrum nicht erwünscht seien, hatte auch Marktmeister Kellner kürzlich betont. Nun bekommt er auch von anderer Seite Gegenwind. SPD-Fraktionschef Thomas Burger sagt: „Wenn ich etwas nicht will, finde ich Gründe, wenn ich etwas will, finde ich Wege.“ Burger berichtet, er habe mit dem Rückhalt der Fraktion bei Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) auf die Beschickersuche gedrängt, und habe damit offene Türen eingerannt. „Für mich war es wichtig, dass man nicht wieder wartet, dass man ein Gesamtkonzept hat.“ Am Neupfarrplatz müsse nach dem Kaufhof-Aus die Kunden-Frequenz erhöht werden und das Nibelungen-Areal sei inzwischen weitgehend bebaut.

Bigzad, der Verkäufer vom Neupfarrplatz, würde sich jedenfalls über mehr Kollegen freuen. Aber auch er sagt: „Es ist schwierig.“ Die Stadt müsse auch Parkplätze für die potenziellen Kunden anbieten. Katharina Lenz (51), die an diesem Tag hier einkauft, hält einen Erweiterung des Angebots am Neupfarrplatz dagegen für zukunftsträchtig. Schließlich gelte für den Markt: „War immer schon da, ist historisch belegt“, so die Historikerin, die an den alten „Obstwinkel“ bei der ehemaligen Hypo-Vereinsbank erinnert.