Bekommt der Regensburger Neupfarrplatz einen Viktualienmarkt?

Von Juliana Ried · 21. März 2025 um 17:04

Regensburger Politiker wollen mehr Stände am Neupfarrplatz, Händler auf den Märkten wünschen sich mehr Umsatz – und die Stadt arbeitet seit 2020 an einem Konzept.

Am Freitagvormittag wollen die Leute vor allem Fleisch und Wurst, dafür stellen sie sich am Stand der Landmetzgerei an, der nur freitags am Neupfarrplatz ist. Wer Gemüse, Brot oder Käse will, Leder- oder Korbwaren, muss gar nicht oder nur kurz warten. Dass hier mehr Leben einkehrt, das wünscht sich Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD), aber auch die Brücke-Fraktion im Stadtrat. Am Donnerstag ging es allerdings im Verwaltungsausschuss des Stadtrats vor allem darum, warum das so schwierig ist – und warum die Stadt seit Juni 2020 an ihrem Marktkonzept arbeitet.

Die Brücke hatte im Mai 2021 vergeblich gefordert, dass die Innenstadt einen täglichen Markt mit einem breiten Angebot bekommt. Bereits im Frühjahr 2020 hatte die damalige Koalition aus SPD, Grünen, Freien Wählern und FDP beantragt, ein Wochenmarktkonzept für das Stadtgebiet zu erarbeiten. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) erinnerte daran, dass den Antragstellern besonders wichtig gewesen sei, „dass die Stadtteile mitbedient werden können und es mindestens einen reinen Biomarkt geben soll“. Fünf Jahre später gibt es einen Biomarkt an zwei Standorten, wenn auch keinen städtischen, aber immer noch kein Marktkonzept. Die Brücke forderte deshalb jetzt in einem offenen Brief „umgehend einen konkreten und verbindlichen Zeitplan“ und einen mündlichen Zwischenbericht.

Referent: „Sind im Verzug“

Den bekam sie jetzt, inklusive eines Rüffel der OB wegen des offenen Briefs. Sie bitte darum, künftig darauf zu verzichten. Brücke-Fraktionschef Joachim Wolbergs entgegnete: „Uns ist hundertmal versprochen worden, da kommt was. Und es kommt nichts. Dann gibt es nur noch diese Möglichkeit.“

Rechts- und Regionalreferent Walter Boeckh räumte ein: „Da sind wir tatsächlich im Verzug.“ Zuerst habe Corona die Erarbeitung des Marktkonzepts verzögert, dann die personelle Situation in der Marktabteilung. Dort arbeiteten ein Azubi und fünf Ganztagskräfte. Vier der fünf seien seit 2020 gegangen. Zudem sei ein maßgeblicher Mitarbeiter „nicht ganz gesund“ gewesen, ein weiterer bilde sich weiter. „Es war wirklich eine Verkettung von Umständen.“ Spätestens im Mai, Juni würden dem Ausschuss aber 70 Seiten Marktkonzept vorgelegt. Boeckh versprach: „Es sind natürlich auch Neuerungen dabei“. In Bezug auf den Neupfarrplatz versicherte er, „es ist auch ein Wunsch der OB, den deutlich zu beleben, das Marktgeschehen dort anzukurbeln“.

Wolbergs sagte, er vermute ein inhaltliches Problem, weil die Marktverwaltung keinen Tagesmarkt wolle. „Das ist so nicht“, entgegnete die OB. Es gebe für den Neupfarrplatz ein Tagesmarktkonzept, aber die Stadt bekomme die Beschicker nicht, die sie dort haben wolle. „Kein Mensch will da zehn weitere Döner haben.“ Marktmeister Reinhard Kellner bestätigte, Imbisse könnte er auftreiben, die brauche Regensburg mit seiner hohen gastronomischen Dichte aber nicht. Gemüsebauern könnten dort nicht täglich stehen. Zudem sei ein Stand dort „ein hartes Brot“. „Von der Sekretärin, die mittags vorbeigeht und sich einen Apfel kauft, können die nicht leben.“ Auf allen Märkten kämpften die Händler wegen der Inflation mit der Abwanderung der Kunden zu den Discountern. „Wir haben einen Rückgang von 30 Prozent. Auf den Biomärkten sind es 50, 60 Prozent.“ Für einen Markt auf dem Nibelungen-Areal, den es einmal gab, sei „keine Kaufkraft da“.

„Früher war’s viel besser“

Händler am Neupfarrplatz bestätigen, ihr Umsatz sei zurückgegangen. Er sei zufrieden, sagt etwa Hasib Bigzad, der Obst und Gemüse verkauft. „Aber früher war’s viel besser.“ Das liege an der Inflation, aber auch am leerstehenden Kaufhof. „Die Stadt muss sich kümmern“, wünscht er sich, den Platz irgendwie beleben. Käsehändler Andreas Netter wagte sich trotz des Riesen-Leerstands auf den Neupfarrplatz, seit drei Wochen ist er freitags hier. „Ich fühl’ mich wohl“, sagt er. Helfen könnte die Stadt den Händlern aber, wenn sie mehr für ihre Märkte werbe, meint er.

Märkte in der Stadt

Städtische Märkte: Samstags ist Donaumarkt am Alten Kornmarkt. Mittwochs und samstags sind der Kartoffelmarkt in der Wöhrdstraße und der Kumpfmühler Markt, mittwochs ist Katharinenmarkt in Stadtamhof. Am Neupfarrplatz ist von Montag bis Samstag Markt.

Weitere Märkte: Biomarkt ist am Freitag beim Bayern-Museum und samstags im Gewerbepark. Beim Landratsamt gibt es einen Bauernmarkt am Donnerstag, am Bismarckplatz ist samstags Markt und im BUZ am Mittwoch.

Reinhard Kellner ist der städtische Marktmeister.