Sicherheit ist subjektiv: In Cham treffen sich Gruppen, die manchen Bürgern Angst machen

Von Johannes Schiedermeier · 23. April 2025 um 19:00

Wenn es dämmert über Cham, zeigen sich die Schattenseiten der Schönheit. Auf der Quadfeldmühle, im Stadtpark, auf den Stadthallen-Terrassen, auf Parkplätzen. Dann kehrt dort wieder Leben ein, dem manche Bürger mit mindestens zwiespältigen Gefühlen begegnen. Zurecht? Das haben wir die Polizei gefragt. Und wir wollten von der Stadt wissen, ob man diese Gruppen im Blick hat.

Chams Vizebürgermeister Walter Dendorfer kennt als pensionierter Polizist die Situation seit Jahrzehnten. Es ist ein Katz- und Mausspiel, sagt er. Und eine Frage der Abwägung. „Wir wissen, wo die Gruppen sind. Die Polizei kennt die Leute meistens, und wenn wir sie vertreiben, dann verteilen sie sich im schlechtesten Falle auf mehrere Plätze, an denen man sie vielleicht weniger im Blick hat.“

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Regelmäßig Kontrollen

Trotzdem hat es in letzter Zeit Diskussionen gegeben, wie sicher die Stadt wirklich ist. Zuletzt, weil Jugendliche einen Mann niedergeschlagen haben, der sie zur Rede gestellt hatte, nachdem sie Mülltonnen umgeworfen hatten. Die Diskussion in den Netzwerken schlug hohe Wellen. An den Brennpunkten in Cham, wie beispielsweise der Quadfeldmühle, werde nicht kontrolliert, hieß es. Auch die Verantwortlichen der Stadt machten einen Bogen um bestimmte Bezirke wie beispielsweise die Stadthallen-Terrassen, hieß es. Ganz abgesehen davon, dass die Stadt und ihr Ordnungsamt nicht patrouillierten. Die Behauptung, dass der Sicherheitsdienst in der Quadfeldmühle nicht mehr eingesetzt wird, ist falsch: „Wir schicken die Leute dann los, wenn wir den Eindruck haben, dass es nötig ist. Das ist unregelmäßig. Bei schönem Wetter, bei Veranstaltungen – je nachdem“, sagt die Leitende Beamtin der Stadt, Sigrid Stebe-Hoffmann.

Etwas genauer sehe man sich die Situation bei der Stadthalle an. Dort treffen sich immer wieder Gruppen, die bei schlechtem Wetter auch in der Tiefgarage stehen. „Da rufen wir dann schon die Polizei. Vor allem, wenn wir an solchen Abenden Veranstaltungen in der Halle haben“, sagt Stebe-Hoffmann.

Chams Vize-Polizeichef Marco Müller bestätigt das. Er weist auch strikt zurück, dass die Polizei nicht kontrolliert: „Wir sind regelmäßig mit den Streifen unterwegs. Wir setzen auch das Alkoholverbot der Stadt auf Grünflächen durch und kassieren Drogen ein.“ Natürlich kennen die Chamer Beamten auch die Leute, die dort am Abend stehen. „Wir wissen bei den meisten, wer sie sind. Natürlich ändert sich die Zusammensetzung einer solchen Gruppe. Aber es sind meistens Bekannte. Und das ist gut so. So passiert auch wenig“, sagt Müller.

Und er verweist auch auf die kürzlich veröffentlichte Sicherheitsstatistik mit einer extrem hohen Aufklärungsquote: „Cham ist eine sichere Stadt. Das sind die objektiven Zahlen. Aber Sicherheit ist auch ein subjektives Gefühl. Und wenn Bürger abends so einer Gruppe begegnen, dann reagieren sie unterschiedlich. Den einen ist es egal, die anderen finden die Leute schräg, der Rest findet sie schon zwielichtig und fühlt Unsicherheit.“

Müllers Rat: „Wenn jemand eine Situation gefährlich vorkommt, wenn sich jemand aus der Gruppe daneben benimmt, oder bedrohlich ist – einfach die Polizei rufen!“ Allerdings sagt der Chamer Vizepolizei-Chef auch ganz deutlich, dass es in Cham keine Brennpunkte gibt.

„Diese Stadt ist klein“

Müllers Fazit: „Wir haben gelegentlich kleinere Vorfälle bei Kontrollen, aber so etwas wie Körperverletzungen sind in diesem Umfeld äußerst selten. Die Gruppen werden halt in den wärmeren Monaten wieder sichtbarer. Und die Orte, an denen sie sich treffen, sind ja zunächst einmal öffentlich, auch die Stadthallen-Terrassen. Aber diese Stadt ist klein. Da kennt man sich. Da wirkt ein klärendes Gespräch.“

Die idyllischen Stadthallen-Terrassen sind abends auch öfter Treffpunkt von Gruppen, die Alkohol und Drogen konsumieren. Auch hier wird regelmäßig kontrolliert. Doch der Treffpunkt an sich ist öffentlich.