Ambitionierter Zeitplan: Drittes Regensburger Rathaus soll in wenigen Jahren fertig sein

Das Unkraut wuchert, die Scheiben sind verstaubt: Von außen macht die Ex-Zentrale der Rewag in der Regensburger Greflingerstraße keinen allzu guten Eindruck. Die Stadt hat mit dem Gebäude allerdings einiges vor. Inzwischen gibt es dafür erstmals einen Zeitplan.
Die Stadt hat das Gebäude 2021 für 11,6 Millionen Euro gekauft. Ein Jahr darauf zog dort kurzfristig das Impfzentrum ein – seither steht der rote Riese leer. Ziel der Stadt war es stets, dort ein drittes Rathaus einzurichten. Lange war unklar, wann das passieren soll – bis jetzt. Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra teilt auf MZ-Anfrage mit, dass die Bauarbeiten 2027 beginnen sollen. Schon 2029, also nur zwei Jahre später, sollen die Verwaltungsmitarbeiter bereits in der Greflingerstraße einziehen.
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Inzwischen seien alle Planungsaufträge für das Gebäude vergeben, sagt von Roenne-Styra weiter. Derzeit untersuche man das Gebäude und beschäftige sich mit Vorentwürfen. Dabei wird es durchaus konkret: Es geht bereits um Raumkonzepte für zukünftige Nutzer – und das sind nach dem Willen der Stadt nach wie vor städtische Mitarbeiter. Ziel sei weiterhin die Einrichtung eines dritten Rathauses, teilt die Sprecherin von Roenne-Styra mit.

Auch zu den Kosten der Sanierung gibt es Neuigkeiten. Ende 2023 war die Stadt davon ausgegangen, dass die Sanierung mit etwa 41 Millionen Euro zu Buche schlägt. Inzwischen kalkuliert die Verwaltung mit rund 38 Millionen Euro. Ein Neubau ist aus Sicht der Stadt nach wie vor kein Thema. Das sei zum einen zu teuer, zum anderen schade das der Umwelt, sagt von Roenne-Styra.
Brücke will Grundstück an Investor verkaufen
Beim Thema Kosten gehen die Meinungen allerdings weit auseinander. Brücke-Fraktionschef Joachim Wolbergs sagte unlängst bei einem kommunalpolitischen Stammtisch im Stadtosten, dass er davon ausgeht, dass die Stadt wesentlich tiefer in die Tasche greifen müsse. Er sprach von „50, 60, 70 Millionen“. Sein Vorschlag: „Das Gelände wird unterschätzt, das ist riesig. Wir müssen das sündteuer und mit Baurecht verkaufen.“ Brücke-OB-Kandidat Thomas Thurow sprach sich dafür aus, das Objekt an einen Investor zu veräußern.
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Ein Vorschlag, der bei anderen Politikern durchaus Anklang findet. „Ich wäre der Idee nicht abgeneigt“, sagt CSU-Fraktionschef Michael Lehner. Ganz generell sei er von dem Projekt nicht überzeugt. „Es hat einen Grund, warum die Rewag das Gebäude nicht selbst saniert hat.“ Sein Gedankengang: „Warum sollten wir uns an dieser Stelle ein drittes Rathaus an das Bein binden, wenn die Voraussetzungen so schlecht sind?“ Für die Stadt sei das Vorhaben wesentlich unwirtschaftlicher als für die Privatwirtschaft. „Warum sollten wir das tun?“ Stadt-Sprecherin von Roenne-Styra schiebt dem allerdings einen Riegel vor: „Eine Veräußerung der Immobilie an einen Investor ist nicht vorgesehen.“
Es hat einen Grund, warum die Rewag das Gebäude nicht selbst saniert hat.
Michael Lehner, CSU-Fraktionschef
Die Stadt hatte stets damit argumentiert, dass durch das dritte Rathaus Kosten gespart werden. Ihr Kalkül: Wenn Mitarbeiter dort einziehen, können Mietverträge anderswo gekündigt werden. Für CSU-Chef Lehner ist das nicht nachvollziehbar: „Ämter neigen mitunter dazu, dass sich der Apparat von selbst aufbläht.“
Ex-Rewag-Zentrale im Regensburger Osten: Grüne fordern Zwischenlösung
Daniel Gaittet, Chef der Grünen-Fraktion, steht dagegen weiterhin hinter der Sanierung des Gebäudes und seiner Nutzung als drittes Rathaus. „Es würde mich freuen, wenn das bis 2029 klappt.“ Er betont: „Damit kann die Stadt die Anmietung von Büroflächen minimieren.“ Eine Reduktion der städtischen Anmietungen entlaste den Verwaltungshaushalt.
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Gaittet betont allerdings zugleich: „Das Gebäude zeigt leider auch, wie schlecht die Stadt ihre Leerstände nutzt.“ Nachdem das Impfzentrum ausgezogen ist, hätte er sich hier mehr Kreativität gewünscht. „Eine Zwischennutzung ist besser als ein Leerstand." Das hatte der grüne Fraktionschef bereits Ende 2023 gefordert. Passiert ist allerdings nichts.
Das wird auch so bleiben, sagt Stadt-Sprecherin von Roenne-Styra. Derzeit sei das Gebäude komplett stillgelegt, um laufende Betriebs- und Unterhaltskosten zu vermeiden und die Baumaßnahmen vorzubereiten. „Eine Zwischennutzung ist daher derzeit nicht geplant.“
Altlasten im Boden
• Rückstände: Im Bebauungsplan des Candis-Areals, das sich nur einige Meter entfernt befindet, ist nachzulesen, dass das Rewag-Areal mit Schadstoffen belastet ist.
• Ursache: Der Grund für die Altlasten könnte womöglich in der Geschichte des Anwesens liegen. Früher befand sich in der Greflingerstraße ein Gaswerk.
• Untersuchung: Für die Stadt ist das im Moment kein Problem, sagt Stadt-Sprecherin von Roenne-Styra. Zunächst wird nur das Gebäude selbst ins Visier genommen.
• Entwicklung: Erst nach der Sanierung des Gebäudes können mögliche Erweiterungen in Angriff genommen werden. Dann könnten die Altlasten zum Problem werden.