SPD-Fraktionsvorsitzende Jennifer Dietl sieht Furth im Wald auf einem richtigen Weg

Von Alexander Frimberger · 20. April 2025 um 19:00

Jennifer Dietl ist Fraktionssprecherin der SPD im Stadtrat Furth im Wald. Sie sieht die Landesgartenschau als großen Gewinn für die Stadt und erzählt im Interview unter anderem, was getan werden muss, damit sich junge Familien auch in Zukunft hier wohlfühlen.

Wie hat sich Furth seit Beginn der Stadtentwicklung und der Baumaßnahmen zur Landesgartenschau verändert?

Jennifer Dietl: Die Vorteile kann jeder, der durch Furth fährt sehen und, ist er mit dem Auto unterwegs, spüren. Ich denke da insbesondere an die vielen Straßensanierungen, die Spielplätze, die baulichen Änderungen um den Festplatz herum, die für Furth auch nach der Landesgartenschau bleiben. Viele Bürger konnten von der Euphorie der Stadt mitgerissen werden und haben ihre Gebäude „aufgehübscht“ oder abgebrochen, was auch Auswirkungen auf das gesamte Stadtbild hat. Ich behaupte, ohne irgendjemanden vor den Kopf stoßen zu wollen, dass ohne den Druck, der hinter dem festen Datum für den Beginn der Landesgartenschau steckt, sicherlich so viele Baumaßnahmen parallel und so zügig nicht umgesetzt worden wären. Ich bin beeindruckt davon, wie alle Beteiligten hier meinem Eindruck nach an einem Strang ziehen.

Haben Sie schon eine Dauerkarte für die Landesgartenschau?

Dietl: Selbstverständlich ich habe beim Jahresempfang der Stadt zugeschlagen.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Dietl: Da gibt es sicherlich einige Highlights über den gesamten Veranstaltungszeitraum. Aber ich persönlich freue mich sehr auf die Kultur- und Musikveranstaltungen.

Nach der Schlussrechnung der Landesgartenschau wird die Stadt wohl auf einem Minus von rund 17 Millionen Euro stehen. Hat sich Furth damit, wie es schon einmal heißt, Daumenschrauben angelegt, sprich ist man über Jahre handlungsunfähig?

Dietl: 17 Millionen Euro Schulden ist für eine Stadt wie Furth natürlich eine Ansage, aber wir haben in wenigen Jahren gute und sinnvolle Investitionen getätigt, die zum Großteil – ich meine hier natürlich die Straßensanierungen – ohnehin gekommen wären, nur eben zeitlich sehr verzögert. Für die Schulden konnten wir einen extremen Mehrwert erzielen. Ich gehe nicht davon aus, dass wir uns Daumenschrauben angelegt haben, aber selbstverständlich verkenne auch ich nicht die Situation, dass in den nächsten Jahren – auch abhängig von den Einnahmen der Stadt – erst mal weniger möglich sein wird und die Stadt, also gemeint ist der Stadtrat, sich überlegen muss, welche Investitionen geplant sind und eine klare Priorisierung vornehmen muss. Zu hoffen ist nun, dass sich die Wirtschaft erholt und die Gewerbesteuereinnahmen nicht ausbleiben.

Sie sind eine große Verfechterin des Hallenbades. Wie könnte eine Sanierung finanziert werden?

Dietl: Sie sprechen mit dem Hallenbad eine Maßnahme an, die wir als SPD-Fraktion mit unterstützen. Der Erhalt unseres Hallenbades liegt im gesamtgesellschaftlichen Interesse. Zum einen nutzen viele Bürger zur Entspannung oder zur sportlichen Ertüchtigung. Ohne Schwimmbad in der Nähe würde aber vor allem auch der Schwimmunterricht zum Problem werden. Viele Schulen in Furth und aus den Nachbargemeinden nutzen das Hallenbad für den Schwimmunterricht.

Wie wichtig der ist, zeigen die schon jetzt wegen fehlender Schwimmbäder steigenden Zahlen an Nichtschwimmern oder unsicheren Schwimmern. Nach Angaben des Deutschen Olympischen Sportbunds kann nur jede/r zweite deutsche Jugendliche sicher schwimmen. Bei den Grundschulkindern ist die Quote der Nichtschwimmer*innen mit 60 Prozent noch höher. Eine Finanzierung wäre natürlich nur mit Förderungen durch Land und Bund möglich. Aus dem Betrieb lassen sich vermutlich die für die Sanierung erforderlichen Mittel nicht erwirtschaften. Ich sehe hier insbesondere auch die Staatsregierung in der Pflicht. Soweit ich das sehe, gibt es hier auch Förderprogramm.

Wie andernorts auch befindet sich das Stadtzentrum im Wandel. Was sollte unternommen werden, um das Zentrum attraktiv zu halten? Stichwort: Überprüfung und Fortschreibung des Stadtentwicklungsgutachtens ISEK.

Dietl: Sicherlich ist angesichts der aktuellen Entwicklung nach zehn Jahren eine Überprüfung des ISEK sinnvoll und unter Berücksichtigung möglicherweise neuer Herausforderungen mit dem ISEK neue Lösungsstrategien für die zukünftige Stadtentwicklung zu erarbeiten.

Gewerbesteuereinnahmen sind für Furth in den letzten Jahren immer ein enormer Faktor für finanziellen Spielraum gewesen. Wie kann man die Wirtschaft fördern, Neuansiedelungen attraktiv machen?

Dietl: Es müssen zunächst geeignete Flächen mit der nötigen Infrastruktur vorgehalten werden, damit wir bei Interesse eines Unternehmens sofort parat stehen. Hier wurde mit der Erweiterung des Gewerbegebiets an der Dr. Georg Schäfer-Straße ein wichtiger Schritt gemacht.

Der Klimawandel mit Starkregenereignissen, wird auch die Drachenstadt treffen. Wie müssen wir uns wappnen?

Dietl: Die Stadt ist meines Erachtens besonders von Starkregenereignissen betroffen und diese sind in Furth nicht neu. Hinsichtlich Hochwasserschutz werden wir uns dringend Gedanken machen müssen, wie Überschwemmungen im Bereich der Innenstadt abgemildert werden könnten. So könnte man mit zwei Rückhaltebecken schon viel erreichen, Hochwässer gänzlich zu verhindern scheint ohnehin schwierig.

Bei Bauanträgen im Bauausschuss ist in Bezug auf Ablehnung bei strittigen Fällen oder ausnahmsweise Zustimmung einiger Bauanträge auch immer wieder das Thema junge Familien, die sich vor Ort niederlassen, ein Thema. Wie erhöht man die Attraktivität?

Dietl: Wenn man junge Neubürger anlocken will, muss man sich überlegen, welche Gründe sind entscheidend für die Wohnortwahl. Gibt es vor Ort ausreichend Kinderbetreuungsplätze, welche Freizeit- und Vereinsangebote gibt es, wie sind die Immobilienpreise. Hier hat Furth schon einiges zu bieten. Allerdings stehen junge Eltern auch beruflich noch mitten im Leben, oft auch noch am Beginn einer beruflichen Karriere. Hier spielt wieder das Thema Neuansiedlung von Unternehmen gegebenenfalls abseits von Gewerbe und Industrie eine Rolle. Wichtig sind aber auch die Internetanbindung, die Verkehrsanbindung, die Anbindung an den ÖPNV für Pendler und eventuell auch Carsharingmodelle.

Wenn Sie es sich wünschen könnten, wie sieht Furth im Wald in zehn Jahren aus?

Dietl: Furth im Wald kann einen Einwohneranstieg verzeichnen und viele junge Familien haben sich neu in Furth angesiedelt. Leerstände und Baulücken konnten beseitigt werden und im Stadtzentrum tummeln sich Jung und Alt in Cafés und verbringen den Tag bei einem Stadtbummel in kleineren Boutiquen.

Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen bestehen weiterhin im erforderlichen Umfang und die Vereine sind immer noch so aktiv wie heute. Die Ortsteile sind über ein ausgebautes Radwegenetz erschlossen und an das Stadtzentrum angebunden. Das frisch sanierte Hallenbad wird eröffnet. Die bestehenden Unternehmen und Gewerbe bestehen, neben neu angesiedelten Unternehmen, die ganz neue Wirtschaftszweige erschließen.

Die Lorenz-Zierl-Straße ist eine der Straßen, die saniert und aufgewertet wurden. Fotos: Frimberger