Löschen am Gipfel: Was die Feuerwehrleute beim Waldbrand am Zwirenzl leisten mussten

Von Mittelbayerische Zeitung · 17. April 2025 um 19:50

Der Brand am Zwirenzl bei Waldmünchen im Landkreis Cham ist gelöscht. Hoffentlich, muss man eine Woche nach dem ersten größeren Waldbrand des Jahres sagen. Welche Leistung die Feuerwehrler bei diesem Brand vollbracht haben, wird erst im Nachgang klar. Die schwierige Lage am Gipfel forderte die Einsatzkräfte besonders.

Noch zweimal musste die Feuerwehr nach der Erstalarmierung am vergangenen Donnerstagabend auf den Aussichtsgipfel über Geigant ausrücken, um nachzulöschen: das erste Mal am Freitag und das letzte Mal am Sonntag. Aber immernoch steht ein Wasserbehälter mit 2500 Liter Wasser, den ein Landwirt bereit gestellt hat, unterhalb des Gipfels. Für den Fall, dass doch noch ein Glutnest beim Löscheinsatz nicht entdeckt wurde.

Welche Leistung die Feuerwehrler bei diesem Brand vollbracht haben, wird erst im Nachgang klar. Im Gespräch mit dem Geiganter Kommandanten Gerhard Nagler und mit KBM Norbert Auerbeck wird deutlich, dass sich die Feuerwehrler diesmal auf ihre körperliche Leistungsfähigkeit verlassen mussten, weil die Brandstelle mit Fahrzeugen kaum zu erreichen war, so steinig, unwegsam und steil war sie. Selbst für die Quads, die extra zur Waldbrandbekämpfung angeschafft wurden, war das Gelände irgendwann nicht mehr zu bewältigen.

Langer Weg zum Löschen

Über 700 Meter Laufstrecke musste jedes Einzelteil von den Fahrzeugen bis zu Brandstelle geschleppt werden. Und das ist viel Material, das da im Laufschritt den Berg hinaufgeschafft wurde. „Wir haben unser ganzes Auto ausgeräumt“, sagt Nagler. Das heißt von der Schlauchleitung über die Schlauchkupplung, die Schlauchkörbe, die Spritzen und vieles mehr musste alles 700 Meter bergan und im wahrsten Sinne über Stock und Stein getragen werden. Um ein Beispiel für besonders schweres Material zu geben, seien die Behälter für das Schaumlöschmittel erwähnt. Die Kanister dürften so 25 Kilo wiegen. Und auch die mussten zur Brandstelle gebracht werden.

Auch das Nachlöschen war anspruchsvoll. Hier half die Bergwacht, berichtet der Auerbeck. Sie sicherte am Freitag die Feuerwehrler mit ihren Klettersicherungen ab. Die Absturzsicherungen der Feuerwehren wären für dieses Gelände nicht mehr ausreichend gewesen, sagt Nagler. Die Steine an dem Aussichtsgipfel waren nicht nur steil, sondern durch das Löschwasser auch rutschig geworden, berichtet Auerbeck. Die Zusammenarbeit mit der Bergwacht habe aber hervorragend geklappt.

Die vielen großen Steinblöcke und die Ritzen dazwischen hatten die Löscharbeiten und das Nachlöschen aber nicht nur erschwert, weil sie so schwer zu begehen waren, sondern auch, weil sich in den Ritzen Glutnester versteckt halten konnten. Die seien nur schwer mit Wasser zu erreichen gewesen, sagt Auerbeck. Zum anderen hätten sich die Feuerwehrleute mit den Wärmebildkameras schwer damit getan, diese Glutnester zu entdecken. Den n die Steine waren von den Flammen ähnlich heiß wie die Glutnester selbst.

Verletzte habe es trotz des steilen und felsigen Geländes keine gegeben, berichten Nagler und Auerbeck. Ein Grund dürfte die Sicherung durch die Feuerwehr und die Bergwacht, aber auch die Vorsicht der eingesetzten Feuerwehrleute gewesen sein. Aber dennoch wäre in dem schwierigen Gelände jederzeit ein Ausrutscher mit verknaxtem Fuß oder gar gebrochenem Bein möglich gewesen, sagt Nagler. Tatsächlich ist der Bereich unterhalb der Aussicht eher etwas für Kraxler, als für Feuerwehrleute. Zum Glück sei niemand verletzt worden. „Aber Blasen hat es gegeben“, sagt Nagler. Und erst auf Nachfrage wird klar, dass der Kommandant nicht etwa irgendwelche Brandblasen durch eine Unvorsichtigkeit meint, sondern Blasen an den Füßen, weil Wehrleute die falschen Socken in den Schuhen hatten und doch ziemliche Strecken zurückgelegt werden mussten.

Ein Eimer voller Scherben

Was den Feuerwehrleuten am Brandort aufgefallen ist, waren die vielen Scherben unterhalb des Aussichtspunktes. „Da haben welche Spaß daran gehabt, Bierflaschen runter zu werfen!“ , stellt Nagler fest. Mindestens einen Mauereimer voll Glasscherben haben die Feuerwehrler nach dem Brand eingesammelt. Allerdings glaubt Nagler nicht, dass das Glas zu einer Selbstentzündung geführt habe. Dennoch gehöre so etwas nicht in die Natur.

Bekannt sei, dass es am Zwirenzl immer wieder wilde Feuerstellen gibt. Aber auch eine weggeworfene Zigarettenkippe, könne in dem derzeit trockenen Wald für ein Feuer gesorgt haben. Der Waldboden sei nicht mal nach dem Löschen mit sehr viel Wasser matschig gewesen, so trocken sei er. Egal was den Brand ausgelöscht habe, er sei sicher, dass ein Mensch die Ursache dafür sei. „Von selber hat es da oben nicht gebrannt!“ Allerdings: Von einer vorsätzlichen Brandstiftung geht man auch bei der Polizei nicht aus.

Noch steht ein gefülltes Wasserfass bereit. Foto: Hladik
So sah die Arbeit der Feuerwehrleute noch vor einer Woche aus. Foto: Schlegl/FFW