Geräumtes Grab in Leonberg: Die Verwechslungs-Theorie scheint sich zu bestätigen

Von Thomas Rieke · 19. April 2025 um 05:00

Noch immer ist nicht geklärt, wer zwischen 31. März und 3. April das Gemeinschaftsgrab von Familie Wittner auf dem Friedhof von Leonberg (Stadt Maxhütte-Haidhof im Landkreis Schwandorf) geräumt hat – ohne jeden Auftrag. Aber: Es verdichten sich die Hinweise, dass es sich, wie vom Sachbearbeiter der Polizei Burglengenfeld von Anfang an vermutet, um eine tragische Verwechslung handelt.

Die Redaktion hat erfahren, dass rund eine Woche nach der Beseitigung des Wittner-Grabes am Friedhof eine weitere letzte Ruhestätte aufgelöst worden ist – und zwar in derselben Reihe, die zweite von rechts. Wittners Grabstätte, für die der Vertrag noch immer läuft, ist die zweite von links.

Es ist also denkbar, dass der Betrieb, der den Auftrag erhalten hatte, ein Grab zu räumen, die Lage von der falschen Seite aus betrachtet hat. Nach MZ-Informationen orientieren sich die Arbeiter in der Regel an einem schlichten Plan, auf dem jedes Grab eine Nummer hat. Diese sind aber vor Ort oft gar nicht mehr vorhanden.

Es soll sogar ein Foto vom Arbeitseinsatz geben...

Die Irrtums-Theorie war auch am Dienstag bei mehreren Friedhofsbesuchern ein großes Thema. Zwei Frauen behaupteten, die fragliche Firma sei längst ermittelt, weigere sich aber weiter, ihren Fehler einzugestehen. Dabei existiere sogar ein Foto, das ihren blauen Lastwagen samt rotem Kran beim Einsatz zeige. Die Maschine habe am „Tatort“ Öl verloren – und später auch am „richtigen“ Grab. Dass die Spuren analysiert würden, um die Firma zu überführen, ist indes eher unwahrscheinlich, heißt es aus Polizeikreisen.

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Die Stadtverwaltung von Maxhütte-Haidhof hat der Dienststelle Burglengenfeld unterdessen bestätigt, dass zur Zeit, als das Wittner-Grab dem Erdboden gleichgemacht wurde, tatsächlich ein anderes zur Auflösung fällig gewesen wäre – in besagter Gräberzeile.

In der Polizeiinspektion hat mittlerweile Leiter Franz Wenig persönlich die Sachbearbeitung übernommen. Er berichtete, mehrere Personen seien gehört worden, der Vorfall werde demnächst der Staatsanwaltschaft vorgelegt.

Wie entscheidet die Staatsanwaltschaft?

Man darf gespannt sein, ob sie die Anzeige gegen unbekannt einstellt – oder, wie die Willners hoffen, weiter ermitteln lässt, weil öffentliches Interesse besteht. Bis eine Entscheidung gefallen ist, dürften viele Tage vergehen. So könnte das Risiko steigen, dass der Betrieb, dem das Malheur unterlaufen ist, die Beweisstücke entsorgt, nämlich den entfernten Grabstein samt Einfassung.

Edgar Wittner scheint resigniert zu haben. „Ich komme nicht weiter, ich vertraue nun auf die Polizei“, sagte der 64-Jährige. In den vergangenen Tagen erlebten er und seine Frau Susanne, geborene Hellerbrand, einen regelrechten Medienrummel. Die Bild-Zeitung interessierte sich ebenso für ihren Fall wie der Fernsehsender SAT1. Ein verschwundenes Grab hat eben traurigen Seltenheitswert. Auch Karl-Peter Würstl, Geschäftsleiter in Maxhütte-Haidhof, hat in 25 Dienstjahren nichts Vergleichbares erlebt.

Erfüllt sich Wunsch nach Wiedergutmachung doch noch?

Das Familiengrab der Wittners wurde 1941 angelegt. Susanne Wittner besuchte es fast täglich, weil dort ihre Eltern begraben wurden. Nun geht es ihr und ihrem Mann aber nicht darum, einer Firma Schuld nachzuweisen, um sie dann vorzuführen. Sondern es geht ihnen um Wiedergutmachung.