Familiengrab in Leonberg verschwand spurlos – Angehörige und Stadt stehen vor Rätsel

Fast täglich besucht die Leonbergerin Susanne Wittner (Stadt Maxhütte-Haidhof im Landkreis Schwandorf) das Familiengrab auf dem nahe gelegenen Friedhof. Dort pflegt sie Gestecke, Blumen und erinnert sich vor allem an ihre Mutter, die hier ihre letzte Ruhe fand. Als Wittner am 3. April, einem Donnerstag, wieder einmal das Familiengrab aufsuchte, stand sie buchstäblich vor dem Nichts. Die Ruhestätte der Familie war spurlos verschwunden.
„Das Grab wurde regelrecht dem Erdboden gleichgemacht“, so beschreibt es Susannes Ehemann Edgar Wittner ein paar Tage später. Er will der Mittelbayerischen von der bösen Überraschung erzählen, die seine Frau an jenem Tag erleben musste. Sie, so sagt er, nehme das Ganze zu sehr mit.
Wittner deutet auf die geschotterte Fläche zwischen den Gräbern. Nichts ist mehr übrig vom Grabstein, der Umrandung, den Lichtern und der Bepflanzung. Die Leere dort konnte die Familie nicht ertragen. Ein Grablicht und ein kleines Gesteck soll an die Ruhestätte erinnern. In Wittners Jackentasche steckt eine frische Kerze, die will er gleich noch austauschen.
Auch die Stadt Maxhütte-Haidhof bemüht sich um Aufklärung
Der erste Gedanke des Paares war es, sich bei der Stadt zu erkundigen, denn die ist für die Friedhofsverwaltung zuständig. Eric Haslbeck, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes Maxhütte-Haidhof, zeigt sich ebenfalls betroffen von dem, was der Familie passiert ist. Auch die Stadt stehe vor einem Rätsel. „Von unserer Seite ist das nicht in Auftrag gegeben worden“, versichert Haslbeck.
Als der Vorfall bekannt wurde, hätten die Verantwortlichen der Friedhofsverwaltung gleich versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Eine mögliche Verwechslung mit einem anderen Grab, das aufgelöst werden sollte, habe man nicht feststellen können. „Wir haben außerdem die Betriebe in der Umgebung kontaktiert, die sich üblicherweise um Grabauflösungen kümmern“, berichtet Haslbeck.
Während der Anfrage der MZ liefen die Recherchen in diese Richtung noch. Man bleibe nach Möglichkeit weiter an der Aufklärung dran, sagt er. Aktuell aber sei man ratlos. Grundsätzlich ist es theoretisch möglich, dass Gräber von ihren Pächtern aufgelöst werden, ohne dass die Friedhofsverwaltung davon informiert wird.
Polizei schließt Sachbeschädigung aus
„Inzwischen haben wir uns an die Polizei gewandt und dort einen Diebstahl angezeigt“, erklärt Wittner. Den Tatbestand der Sachbeschädigung schließt die Polizei aus, wie Stefan Haas von der PI Burglengenfeld mitteilt. „Wir gehen stark von einer Verwechslung aus“, erklärt der Beamte. Ist hier also ein Auftrag gehörig schiefgelaufen und ein falsches Grab aufgelöst worden? Dafür spricht laut Polizei die Tatsache, dass die Arbeiten professionell ausgeführt worden sind und die Fläche im Anschluss geschottert wurde.
Am Eingang zum Friedhof haben die Wittners einen Zettel angebracht. „Wir brauchen eure Hilfe, Leonberg“, heißt es darauf. Das Paar hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung. „Irgendjemand muss doch etwas gesehen haben“, meint Wittner. Denn nach dem ersten Schock möchte er jetzt vor allem eines – Aufklärung. „Dabei geht es uns gar nicht darum, jemanden vorzuführen oder Schadenersatz zu verlangen“, versichert er. „Wir wünschen uns nur, dass unser Familiengrab wiederhergestellt wird.“
Schon seit Generationen gedenkt die Familie seiner Frau an dieser Stelle ihrer Verstorbenen, sagt der Leonberger. Die Familie habe früher das Wirtshaus betrieben, das nur einen Steinwurf vom Friedhof entfernt liegt. Vielen Leonbergern sei der Geburtsname seiner Frau – Hellerbrand – ein Begriff.
Ein beklemmendes Gefühl sei es, diesen persönlichen Ort des Gedenkens so zu sehen. Eine Sorge zumindest konnte dabei ausgeräumt werden. Bei einem Steinmetz hat sich Wittner erkundigt, wie im Fall einer Grabräumung vorgegangen wird. Dieser habe erklärt, dass die sterblichen Überreste der Toten in der Regel unter der Erde verbleiben.
Grab ist schnell aufgelöst
„Außerdem habe ich von ihm erfahren, dass es nicht lange dauern muss, ein Grab zu räumen“, berichtet Wittner. In etwa einer dreiviertel Stunde könne so etwas bereits erledigt sein, so die Schätzung des Steinmetzes. Die Ruhestätte liegt auch recht gut zugänglich – nur durch eine Hecke getrennt – am Hauptweg.
Dennoch ist für eine solche Aktion schweres Gerät notwendig. „Es ist schier unmöglich, dass so etwas ohne LKW und Kran vonstatten geht“, ist sich Wittner sicher. Zudem sei der Friedhof gut besucht. „Viele aus dem Ort kommen täglich her“, sagt er. Die Zuversicht, dass sich noch Hinweise ergeben, sei daher groß.
Zugetragen haben müsse sich die dubiose Aktion am Leonberger Friedhof zwischen dem 31. März und dem 3. April. Wer etwas Verdächtiges beobachtet hat, kann sich an die Polizeiinspektion Burglengenfeld unter der Telefonnummer (0 94 71) 7 01 50 wenden.
