Video zeigt brutale Szenen in Regensburg: Kommt mit dem Frühling die Gewalt?

Aufnahmen von einer wilden Schlägerei im St.-Peters-Weg und eine blutige Flaschen-Attacke vor einem anderen Lokal lassen Regensburgs Nachtleben im fahlen Licht erscheinen. Die Polizei bestätigt die Übergriffe, von denen einer für einen Mann in U-Haft endete, spricht aber von Ausnahmefällen.
Mit steigenden Temperaturen scheinen die Testosteron-Spiegel mancher zu explodieren. Letzteres entlädt sich offenbar auch in Gewalt auf Regensburgs Straßen. Ein 25-Jähriger landete für einen Angriff mit einer Flasche in U-Haft. Ein Video, das in Sozialen Netzwerken kursiert, zeigt einen zweiten Fall roher Gewalt, mit Tritten und einem Schlagstock – den verortet die Polizei aber zeitlich eine Woche früher. Die Ermittlungen zu dieser Schlägerei im St.-Peters-Weg laufen.
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Die Aufnahmen wirken verstörend: Ein Mann krümmt sich benommen am Boden. Zwei Angreifer prügeln von hinten auf einen anderen ein. Der verliert augenscheinlich sofort das Bewusstsein, was die Männer allerdings nicht davon abhält, weiter auf ihn einzuschlagen. „Oh mein Gott, er ist tot“, sagt eine schockierte Stimme. Womöglich genau die Frau, die eines der Videos aus jener Nacht aufzeichnete, die den Ermittlern vorliegen.
Tobias Spangler, Sprecher der Polizeiinspektion Regensburg-Süd, bestätigt die Authentizität der Aufnahmen, die der MZ vorliegen. Sie zeigen einen Vorfall vom 5. April, also am vorvergangenen Wochenende. Nach Notrufen von Augenzeugen sei die Polizei mit mehreren Streifen angerückt. Nach derzeitigem Stand waren „acht Personen in die Auseinandersetzung verwickelt“.
Ermittler jagen drei noch unbekannte Täter
Was zur Eskalation der Gewalt führte, ist demnach Gegenstand laufender Ermittlungen. Zwei Tatverdächtige wurden aber ausgemacht: Gegen die Männer, 20 und 24 Jahre alt, wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt, bestätigte der Polizeisprecher. Drei weitere mutmaßliche Täter seien noch unbekannt. Videos von Augenzeugen und die gesicherten Aufnahmen der Überwachungskameras am St.-Peters-Weg zeigen, dass bei der Prügelei auch „ein Schlagstock und Pfefferspray eingesetzt wurden“, erklärte Spangler.
Laut Polizeiangaben gab es am 5. April zwei Verletzte mit Prellungen und Schürfwunden. Diese seien in einem Regensburger Krankenhaus versorgt worden. Die Betroffenen hätten die Klinik nach ambulanter Behandlung aber wieder verlassen. Ähnlich erging es einem Mann am 12. April vor einem Lokal in der Augustinergasse in der Regensburger Altstadt. Er erlitt allerdings größere Schnittverletzungen sowie eine Platzwunde am Kopf.
Der junge Afghane, der dafür verantwortlich sein soll, hatte dem Geschädigten wohl eine Glasflasche so heftig auf den Kopf geschlagen, dass sie zerbrach. Mit dem zersplitterten Reststück soll der 25-Jährige dann weiteren umstehenden Personen gedroht haben, sie abzustechen. Als schließlich die schon alarmierte Polizei eintraf, flüchtete der Mann zunächst, konnte aber in Tatortnähe festgenommen werden, wie Spangler sagte. Der Ermittlungsrichter am Amtsgericht erließ am Sonntag Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung gegen den Mann. Er sitzt nun im Gefängnis.
Das sind ganz klar Ausnahmefälle. Eine Häufung von Einsätzen im Zusammenhang mit Gewaltdelikten gab es nicht.
Tobias Spangler, Polizeisprecher, PI Süd
Regiert also, kaum dass es wärmer wird, schon wieder Gewalt auf Regensburgs Straßen? Die Polizei sagt klar: Nein. „Bislang hält sich alles in Grenzen“, betonte Spangler. Von 11. bis 13. April, Freitag bis Sonntag, seien sieben einfache Körperverletzungen und der Vorfall in der Augustinergasse aktenkundig. Das vergangene Wochenende sei ruhig verlaufen, ebenso das zuvor. „Eine Häufung von Einsätzen im Zusammenhang mit Gewaltdelikten gab es nicht“, ordnete er klar ein.
Polizei und Stadt reagieren flexibel auf die Lage
Mit dem Frühling erhöhe sich ganz natürlich auch im Nachleben der Stadt die Frequenz. Szenen, wie sie die Videos vom St.-Peters-Weg zeigten, seien aber nicht die Normalität. „Das sind ganz klar Ausnahmefälle“, sagte Spangler, „keinesfalls die Regel“. Nicht zuletzt, weil die Polizei schon wieder mit zusätzlichen Kräften unterwegs sei. „Das Konzept, welches im August 2023 startete, wird auch im Jahr 2025 fortgesetzt.“
Auch die Stadt zieht dabei mit. Aus Erfahrung führe mehr Publikumsverkehr, oft kombiniert mit zunehmenden Alkoholkonsum, zu „erhöhtem Konflikt- und Aggressionspotenzial“, so Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra. Leider „auch vermehrt gegenüber den Einsatzkräften des Kommunalen Ordnungsservices“, weshalb man die Streifen des KOS verstärke und der Lage anpasse. Zudem würden die Dienstzeiten abends und in der Nacht verlängert.
Anmerkung der Redaktion: Das Video liegt der Redaktion vor. Eine Veröffentlichung des Videos ist aber aus rechtlichen Gründen nicht möglich, da es ein Beweismittel ist.