Sana-Mitarbeiter in Cham sind sauer und wollen weiter streiken – am liebsten sofort

Von Johannes Schiedermeier · 15. April 2025 um 19:51

Über den Chamer Schulberg sind die Mitarbeiter schon gekommen bei ihrer Demo für Tarifbezahlung in den Sana Kliniken des Landkreises Cham. Über den Berg sind sie deswegen noch lange nicht. Noch am Abend des Verhandlungstages trafen sich die Klinikbediensteten nach der nächsten Verhandlungsrunde im Kolpinghaus. Die Stimmung war verärgert.

Verhandlungsführer Martin Schmalzbauer und sein Ver.di-Kollege Heinz Neft kamen um 17.15 Uhr direkt von den Verhandlungen ins Kolpinghaus, wo rund 100 Sana-Mitarbeiter bereits warteten. „Wir haben nichts Schriftliches, aber macht Euch nicht zu viele Hoffnungen“, eröffnete Schmalzbauer den Infoabend. In diesem Moment hatte der Sana-Konzern sein Angebot gerade ins Intranet gestellt. Betriebsratsvorsitzendem Carsten Straßburger entlockte das nur ein müdes Schmunzeln. „Beeindruckend schnell und bunt — wie immer...“

Was von 10.000 Euro bleibt

10.000 Euro Zuzahlung rechnete Straßburger vor. Das klinge zunächst mal nach viel. Doch es sei netto – dividiert durch Zwei – auf drei Jahre (nochmal dividiert durch Drei) — und dann pro Monat — nochmal dividiert durch Fünf... „Da bleiben dann so 140 Euro übrig“, rechnete er vor.

Doch das ist nicht die einzige Enttäuschung, die die Mitarbeiter an diesem Abend empfanden. Verhandlungsführer Schmalzbauer machte die Gangart der Arbeitgeber deutlich. Zuerst habe man eigentlich ein Angebot des Konzerns erwartet. Moritz Ecke (Sana-Konzern Ismaning) und Thomas Koch (Geschäftsführer der Sana Kliniken des Landkreises Cham) hätten aber erst einmal nachgefragt, worüber man denn reden könne, wenn es nicht gleich Tarif sei. – Gelächter im Saal. Denn die Mitarbeiter hatten immer klargestellt, dass man unter Tarif nicht mehr nach Hause gehen werde.

„Drei Jahre sind lang“

Der Konzern hatte bereits ein Angebot auf den Tisch gelegt, das öffentliche Tarifentgelte mit zwölf Monaten Verzug beinhaltete. Das lehnten die Mitarbeiter ab. Nun sei zunächst, so Schmalzbauer, ein Angebot auf den Tisch gekommen, dass neun Monate Zeitverzug beinhaltete. „Unser Ziel war es aber immer, am Ende eines flexiblen Weges der Annäherung über drei Jahre, Tarif zu bekommen.“ Dabei seien drei Jahre ohnehin schon ein sehr langer Zeitraum, den Ver.di genehmigen müsse. „Niemand weiß, wohin sich die Situation in drei Jahren entwickelt“, so Schmalzbauer.

Letztlich sei es immer um ein paar Monate Zeitverzug hin und her gegangen. Nach langer Beratung seien die Arbeitgeber an den Tisch zurückgekehrt mit dem Angebot von zwölf Monaten Verzögerung. „Da waren wir völlig baff, weil das ja eine Verschlechterung war. Wir haben den Eindruck, dass man in Ismaning auf Biegen und Brechen den Tarif in Cham verhindern will. Sie sagen ja auch immer, dass sie sich das nicht leisten können, obwohl sie ihn an andere Kliniken bereits bezahlen“, so Schmalzbauer.

Sauer auf die Zuckerl

Die Mitarbeiter stellten unmissverständlich klar, dass sie nicht an einer betrieblichen Gesundheitsversicherung oder einem zusätzlichen freien Tag interessiert seien, die der Konzern als „Zuckerl“ auf den Verhandlungstisch neben die zwölf Monate Tarifverzögerung gelegt hab. Es sei jetzt schon nicht möglich, Urlaub zu Wunschzeiten abzubauen, und es gebe viele Mitarbeiter mit Hunderten von freien Tagen, die man dann im Winter abstottern müsse.

Verärgerung klang auch aus mehreren Wortmeldungen, in denen es um teuere Leihmitarbeiter im Konzern geht. Die hätten höhere Gehälter, brächten in der Mehrheit nicht dieselbe Leistung, bekämen Urlaub nach Wunsch und der Konzern wertschätze seine Stammbelegschaft im Gegenzug nicht einmal mit Tarif.

„Das würde bedeuten, dass wir ewig zwölf Monate hinter dem Tarif herhinken?“, fragte ein Mitarbeiter. „Ja, wenn wir den Vertrag in drei Jahren nicht kündigen“, so Schmalzbauer.

Alle für Streik

In drei Abstimmungen votierten sämtliche Mitarbeiter zuerst gegen die Vorschläge und dann für Streik. „Wenn am 8. Mai in der Verhandlung nichts rauskommt, gehen wir wieder auf die Straße“, so Betriebsrat Bernhard Burger. „Gehen wir doch jetzt gleich“, kamen mehrere Zwischenrufe. In einem nichtöffentlichen Teil nach der Versammlung berieten die Mitarbeiter mit der Gewerkschaft das künftige Vorgehen. Es riecht wieder nach Streik bei Sana.

Einstimmige Meinung: Die Sana-Mitarbeiter lehnten noch am Abend die Angebote des Konzerns ab und stimmten für sofortige weitere Streiks.