Hotel Post statt Luxushotel aus Kuwait: Vor zehn Jahren legte Berching „Meilenstein für Altstadt“

Von Bernhard Neumayer · 13. April 2025 um 11:00

2008 wollte ein Scheich aus Kuwait ein Luxushotel im mittelalterlichen Berching (Landkreis Neumarkt) bauen. Als der Traum des Investors platzte, kamen Christian und Denise Amrhein ins Spiel – und verwandelten das leerstehende Hotel Post in ein Schmuckstück für die Innenstadt. Die Eigentümer erinnern sich an den Umbau.

Aber von vorne: Investor Ahmed Al-Neama hatte das 2002 geschlossene Hotel Post im Jahr 2008 von der Stadt erworben. Diese hatte es wiederum fünf Jahre zuvor gekauft. Nachdem sich die kuwaitische Vision eines Luxushotels in der Oberpfalz zerschlagen hatte, kaufte die Stadt das Anwesen 2015 wieder zurück. Dann schlug die Stunde von Denise und Christian Amrhein.

Amrhein führt Fuchsbräu Beilngries und Post Berching

Die Chefs des Hotels Fuchsbräu in Beilngries können sich noch an den Frühlingstag vor zehn Jahren erinnern, als sie mit dem damaligen Stadtrat und mittlerweile verstorbenen Karl-Heinz Frenzel das leerstehende Anwesen besichtigt haben. „Drei Stunden haben wir in der Ruine verbracht“, erinnert sich Christian Amrhein. „Auch wenn alles sehr verbaut war, haben wir das Potenzial des Gebäudes erkennen können“, ergänzt seine Frau Denise.

Und weil sich auch der Stadtrat für ein neues Hotel Post und gegen ein Jugend- und Familiengästehaus entschied, kauften die Amrheins 2016 die alte Post und starteten die Mammutaufgabe.

Hotel Post in Berching: Eröffnung an Silvester 2019

Ab 2017 wurde der barocke Palais saniert. Der historische Kern der verschienen Gebäudeteile wurde erhalten, die aus den 1970er-Jahren stammenden Bauten an der Sulz werden abgerissen. Hier befinden sich heute Kulturhalle und Biergarten. Mit einem Neubau ergänzten die Amrheins den Vierseithof. Dort sind heute Technik und Küche untergebracht. In den anderen Gebäudeteilen befinden sich Restaurant, Tagungsräume sowie 32 Zimmer.

„Ich war überrascht von den Plänen, als die Chefs von der Sanierung der Post erzählten“, gesteht Bianca Wutz. Sie ist heute Assistentin der Geschäftsführung und Betriebsleitung der Post. Für sie als Berchingerin sei sofort klar gewesen, dass sie mitarbeitet, die Pläne umzusetzen und sie heute mit Leben zu füllen. „Das war eine riesige Geschichte für Berching“, erinnert sich Wutz an den Umbau. Die Neugierde sei enorm gewesen.

Und die Lust, an einem besonderen Projekt mitzuarbeiten, offenbar auch: „Die Handwerker hatten richtig Bock darauf“, sagt Christian Amrhein und bedankt sich bei den Firmen, seinen Mitarbeitern und den Behörden. Ausdrücklich lobt Amrhein die Stadt Berching, die mit einem Gutachten und Untersuchungen in Vorleistung gegangen sei, die Kulturhalle und Sulz-Renaturierung geplant, finanziell unterstützt und Türen geöffnet habe.

Hotel Post und Kulturhalle: „Ein Meilenstein für Berching“

Das Lob gibt Bürgermeister Ludwig Eisenreich zurück. Die Zusammenarbeit sei sehr gut gelaufen. „Ich bin Denise und Christian Amrhein noch heute dankbar für die Bereitschaft, in Berching zu investieren“, sagt Eisenreich. Mit dem Umbau sei ein lang gehegter Wunsch des Bürgermeisters und der Berchinger in Erfüllung gegangen. „Die Reaktivierung dieser historischen Immobilie ist ein großer Meilenstein zur weiteren Entwicklung Berchings“, sagt der Bürgermeister. Mit der Kulturhalle belebe das Hotel mit Restaurant und Biergarten die Innenstadt.

„Wir sind stolz und dankbar“, sagt Denise Amrhein. Dankbar für die insgesamt 80 Mitarbeiter (Fuchsbräu und Post) und für die positive Resonanz der Gäste. Diese halten dort Seminare oder Bankette und feiern Geburtstag, Taufe oder Hochzeit. „Viele bemerken schon, dass das hier etwas Besonderes ist“, sagt Denise Amrhein.

Sie und ihr Mann Christian haben nach wie vor Lust, zu arbeiten. „Zehn Jahre wollen wir schon noch machen“, sagt die 55-Jährige. Wie lange es letztlich wirklich wird, hängt von der Gesundheit und anderen Faktoren ab. Jetzt feiert Christian Amrhein an diesem Samstag (12. April) erst einmal seinen 58. Geburtstag.

Sorgen um die Nachfolge macht er sich derzeit nicht. Drei Töchter stünden bei der Familie Amrhein potenziell in den Startlöchern. Die Zwillingsschwestern Carla und Lena sind 23 Jahre alt, Franka ist 18. „Alle drei sind in der Ausbildung und wären geeignet, ein Hotel zu führen“, sagt ihr Vater. „Doch ob und wann sie übernehmen, ist noch total offen.“

Hotel Post Berching: Die Geschichte des Gebäudes

1709: Johann Christof Rumpf erwirbt das Haus mit der Nummer 169 in Berching.

1736: In diesem Jahr lässt Rumpfs Witwe das Kerngebäude neu erbauen und erweitern – der Grundstein für die Post. Im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts wechseln mehrmals die Eigentümer.

1947: Am 27. November kauft ein Deggenauer den Gasthof zur Post. Nach An- und Umbauten macht die Familie die „alte Post“ mit ihren damals 100 Zimmern zum größten Bettenhotel der Oberpfalz.

1953: Das Kino „Post-Lichtspiele“ wird eröffnet und bis 1968 betrieben.

2001/02: Nach dem Tod der damaligen Eigentümerin wird der Betrieb eingestellt und Insolvenz angemeldet.

2003: Die Stadt Berching erwirbt das Anwesen und verkauft es fünf Jahre später an einen Investor aus Kuwait.

2015: Die Stadt kauft das Anwesen zurück, weil die kuwaitischen Pläne eines Luxushotels platzen.

2016: Die Amrheins erwerben das Gebäude, sanieren es und eröffnen das Hotel an Silvester 2019.

Denise und Christian Amrhein führen den Familienbetrieb, zu dem die Hotels Fuchsbräu in Beilngries und Post in Berching gehören. Foto: Mevlüt Altuntas
Das Hotel Post in Berching verfügt über 32 Zimmer. Foto: Erich Spahn
Tagungen, Bankette und private Feiern finden in der Post statt. Foto: Erich Spahn
So sah die Post Berching früher aus. Foto: Erich Spahn
Bianca Wutz ist Assistentin der Geschäftsführung und Betriebsleiterin des Hotels Post in Berching. Foto: Mevlüt Altuntas
So sieht die Lobby des Hotels Post Berching aus. Foto: Erich Spahn
Kulturhalle, Biergarten an der Sulz und dahinter das Hotel Post: So sieht das Areal in Berching heute aus. Foto: Erich Spahn
Diese Hotel-Gebäude (im Hintergrund) entlang der Sulz wurden im Zuge des Umbaus abgerissen. Foto: Erich Spahn