Webasto: Deshalb blieb das Werk im Kreis Regensburg vom Stellenabbau verschont

Von Lorenz Nix · 12. April 2025 um 15:00

In Schierling im Kreis Regensburg betreibt Webasto eine Batteriefertigung. Während der Zulieferer an anderen Standorten Stellen streicht, wird das Werk in der Oberpfalz aus- und umgebaut. Ein Sprecher äußert sich auch zur dortigen Mitarbeiterzahl.

Der bayerische Autozulieferer Webasto steckt in der Krise. Anfang des Jahres holte sich der Konzern aus Stockdorf bei München einen Sanierer in den Vorstand. Vergangene Woche dann die Hiobsbotschaft für die Belegschaft: Etwa 650 Jobs will Webasto in Deutschland streichen. Auch die Region ist betroffen. In Hengersberg im Kreis Deggendorf fallen 200 der 340 Stellen weg. Ein großes Werk betreibt der Konzern auch im äußersten Süden der Oberpfalz. In Schierling im Kreis Regensburg konnten die Webasto-Mitarbeiter in der vergangenen Woche aber aufatmen. Der Standort ist nicht vom Jobabbau betroffen. Der Mediengruppe Bayern nennt der Zulieferer die Gründe.

Webasto: Dachgeschäft bleibt auch weiterhin sehr wichtig

„Wir müssen dort Kapazitäten anpassen, wo wir eine sinkendende Marktnachfrage verzeichnen, wie etwa beim Cabrio-Geschäft“, sagt Webasto-Sprecher Michael Halser. Letzteres macht auch einen großen Teil des Hengersberger Standorts aus. In Schierling fertigt der Konzern hingegen Batteriesysteme für Nutzfahrzeuge. Deren Absatz habe sich seit dem Einstieg ins Geschäft 2019 positiv entwickelt, teilt Halser mit.

Der Unternehmenssprecher betont allerdings: Das Segment Dachsysteme – dazu gehört unter anderem das Cabrio-Geschäft – trage mit über 80 Prozent zum Gesamtumsatz von Webasto bei. „Insofern steht die grundsätzliche Zukunftsträchtigkeit dieses Geschäftsfeldes nicht in Frage.“ Ein Abschied von der Kernsparte steht also nicht zur Debatte. „Webasto konzentriert sich auf die Entwicklung und Produktion von Dachsystemen und Lösungen für die Elektrifizierung von Fahrzeugen“, benennt Halser die Strategie des Zulieferers.

Webasto-Standort Schierling als globales Kompetenzzentrum

Offenbar ist es also nicht geplant, weitere Werke nach dem Vorbild Schierlings von Dach- zu Batteriewerken umzubauen. Man nutze aber natürlich – soweit möglich – Synergien, sagt Halser. Als Beispiel nennt der Sprecher den Webasto-Standort in Schaidt in Rheinland-Pfalz. Das Werk sei spezialisiert auf elektronische Steuerkomponenten und liefere Batteriemanagement-Systeme nach Schierling. „Es ist aktuell aber nicht geplant, die Batterieproduktion grundsätzlich auf andere Standorte in Deutschland auszuweiten.“

Und im Ausland? In Südkorea betreibt Webasto seit 2022 eine Batteriefertigung. Vorbild für den damals neu eröffneten Standort war das Werk in Schierling. Letzteres ist schließlich „das globale Kompetenzzentrum von Webasto für Batteriesysteme“, wie der Konzern immer wieder betont.

Aktuell beschäftigt Webasto in dem Oberpfälzer Werk rund 400 Menschen. Die Zahl sei in den vergangenen Jahren leicht gestiegen, teilt Halser mit. So seien es 2022 noch etwa 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewesen. Ein deutlicher Stellenaufbau oder sogar -abbau scheint nun aber nicht unmittelbar bevorzustehen. Man rechne damit, „dass die Anzahl der Mitarbeitenden mindestens stabil bleibt“, antwortet Halser auf die Frage, wie sich die Beschäftigtenzahl in Zukunft noch verändern soll. Konkretere Angaben könne man aufgrund der insgesamt volatilen Lage der Automobilbranche allerdings nicht machen.

„Gute Perspektiven“ für Schwandorfer Webasto-Standort

Insgesamt bescheinigt Webasto dem Standort Schierling aber „gute Perspektiven“, wie Halser es ausdrückt. Im vergangenen Jahr teilte der Konzern mit, die Produktionskapazitäten in der südlichsten Gemeinde der Oberpfalz auszubauen. Die schwierige Lage des Zulieferers hat den Plänen keinen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Ausbau laufe planmäßig, so Halser. Ihm zufolge soll Ende des Jahres die Produktion von Batteriesystemen für zwei europäische Autobauer anlaufen.