Zugchaos in Parsberg: Kurzfristige Bauarbeiten bringen Fahrpläne durcheinander und verärgern Passagiere

Von Theresa Baumann · 11. April 2025 um 17:00

„Wie soll es einmal werden, wenn die Generalsanierung der Zugstrecke von Regensburg nach Nürnberg startet?“ – Diese Frage quält aktuell einen Pendler. Allein die derzeitigen Bauarbeiten in Parsberg führen dazu, dass er doppelt so lang in die Arbeit brauche wie sonst. Unserer Zeitung schildert er den täglichen Kampf mit den Zügen.

Zeit hat der Parsberger aktuell genügend. Zwar nicht mit seiner Familie daheim, dafür aber am Bahnhof, wenn er wieder einmal wahlweise in Nürnberg oder Parsberg auf einen Zug wartet. Eigentlich dauere es eine gute Stunde pro Tag, bis der Zug den zweifachen Vater von Parsberg nach Nürnberg zur Arbeit und wieder zurückbringt. Das weiß der Zugfahrer aus den bald fünf Jahren Pendeln. Im November habe sich das allerdings geändert. Aktuell sind es mindestens zwei Stunden pro Tag.

Chaotische Kommunikation mit der Kundschaft

„Als die Bahn die Strecke betrieb, gab es ein bis zwei Mal im Monat kleinere Verspätungen. Seitdem die Agilis übernommen hat, gibt es ungefähr zwei Mal pro Woche größere Probleme.“ Nun gibt es eine Baustelle, die vermutlich wegen der kurzfristigen Planung alles aus der Bahn werfe.

In einer Ankündigung der Agilis hieß es: „Wegen kurzfristig angekündigter Bauarbeiten der DB InfraGO AG kommt es vom 7. bis zum 17. April zu zahlreichen Zugausfällen zwischen Neumarkt, Regensburg und Plattling.“ An der Baustelle der Deutschen Bahn kann Agilis nichts ändern.

Für Betroffene ist es dennoch ein Ärgernis, wie der Parsberger klarstellt. „Das Chaos bei Agilis wegen der Baustelle wird jeden Tag schlimmer.“ Beispielsweise habe er in dieser Woche des Öfteren erleben müssen, dass die Kommunikation gegenüber dem Kunden „chaotisch und fehlerhaft“ sei.

Parsberger wendet sich an Kundenservice

An einem Tag habe die App beispielsweise zuerst angezeigt, dass der gewünschte Zug 45 Minuten verspätet sei. Dann hieße es plötzlich, dass der Zug normal fahre. Wenig später wiederum sei der Zug dann plötzlich ganz ausgefallen.

Für ihn werde es inzwischen beinahe zum Ritual der Bahnland Bayern (BEG) oder der Agilis von den Verschiebungen im Fahrplan zu berichten. Entweder per Anruf oder schriftlich. Seine Nachrichten tragen dann Überschriften wie „Zugchaos“ und beginnen zum Beispiel mit „Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin am Verzweifeln.“

Der Kundenservice von Agilis nehme seine Kritik zwar konstruktiv auf und versuche ihm zu helfen, allerdings blieben die Mitarbeiter oft selbst ratlos zurück. Der Parsberger findet: „In Telefonaten hat man auch immer den Eindruck: Der eine schiebt es auf den anderen und ist damit zufrieden. Problemlösungen sind nicht wirklich zu erkennen.“ Für den Parsberger steht fest, dass sich Agilis und Deutsche Bahn nicht richtig abstimmten.

Andere Zugfahrer schildern ähnliche Erlebnisse. Eine Passagierin, die mehrmals pro Woche von Nürnberg nach Neumarkt fahre, habe an einem Tag sogar zwei Stunden warten müssen, bis ihr Zug kam. Im Laufe der Zeit habe sich die Verspätung immer mehr summiert.

Agilis lässt kurzfristige Anmeldung der Baustelle rechtlich prüfen

Ein anderer Pendler berichtet ebenfalls von langen Wartezeiten. An einem Tag habe er zuerst noch abwarten wollen. Dann sei es ihm am Bahnhof allerdings zu kalt geworden, sodass ihn seine Familie abholen musste.

Auf Anfrage äußert sich ein Agilis-Sprecher, der auf die Deutsche Bahn verweist. Die DB InfraGO habe die Baustelle erst am Abend des 20. März angemeldet habe. „Das Regelwerk der DB InfraGO sieht vor, dass kleinere Baustellen mit dreimonatiger und größere mit sechsmonatiger Vorlaufzeit angekündigt werden. Wir haben aus diesem Grund eine rechtliche Prüfung des Falls eingeleitet.“

Er stellt klar: „Keiner der Beteiligten hatte die Möglichkeit, auf diese Baustelle reagieren zu können. Was wir hier erleben, ist kein geordneter Zustand und wir müssen kurzfristig auf Ereignisse reagieren.“ Daher könne es zu ungeplanten Verspätungen kommen, die sich aber überwiegend im Rahmen von 30 Minuten hielten. Diese könnten auf der Agilis-Internetseite abgerufen werden.

Der Sprecher erklärt nichtsdestotrotz, dass die derzeitigen „baustellenbedingten Ereignisse“ nicht dem Anspruch des Bahnunternehmens entsprächen. Dennoch ist er der Meinung, dass die Mitarbeiter schnellstmöglich auf die Baustelle reagiert hätten.

Die Bauarbeiten der DB in Parsberg sind laut Agilis zu spät angekündigt worden.