150.000 Euro für vier Wochen Wasserspiel: So entschieden die Regensburger Stadträte

Das Kaufhof-Aus soll keine Abwärtsspirale am Neupfarrplatz in Regensburg auslösen. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) hat deshalb am Donnerstag dem Verwaltungsausschuss des Stadtrats ein Belebungs-Paket vorgelegt. Und nach langer und hitziger Debatte und mehreren Abstimmungen – etwa über ein Absetzen des Punkts von der Tagesordnung – trug dies die Mehrheit auch mit. Allerdings stand der Spielbrunnen Play-Fountain als Herzstück des Pakets im Kreuzfeuer der Kritik.
Das Wasserspiel, das 2023 und 2024 auf dem Neupfarrplatz gastierte und 2022 auf dem Haidplatz, will die Stadt heuer für circa vier Wochen in den Sommerferien mieten. Das soll rund 150.000 Euro kosten, inklusive eines Puffers. Während die Stadt in den Vorjahren große Teile der Kosten mit Fördergeldern bestritt, gibt es diesmal keine. Nur zehn bis 20 Prozent der Summe könnten Sponsoren beisteuern. Neben dem Wasserspiel sind Grün in Trögen am Spielbrunnen und an der langen Bank am Karavan-Denkmal und eine neue Freisitzzone auf der Südseite vorgesehen.
Christian Janele: Stadt soll lieber in Toiletten investieren
Für die Freisitze sprachen sich die meisten Stadträte aus. Florian Rottke (Brücke) war jedoch dagegen. Sie machten Flächen, die attraktiver werden müssten für Einzelhandel, teurer, so Rottke. „Sobald ein Freisitz da ist, können die Gastronomen höhere Mieten pro Quadratmeter zahlen.“ Der Spielbrunnen sei beliebt, aber zeitlich „sehr begrenzt“. „150.000 Euro sind relativ viel für eine Maßnahme, die tendenziell doch nur junge Eltern in der Stadt hält, die sonst irgendwo draußen baden gehen.“ Kerstin Radler (Freie Wähler) argumentierte ähnlich: „Es ist wahnsinnig teuer, es ist nicht nachhaltig.“ Ein Trinkbrunnen koste nur 20.000 Euro. Christian Janele (Christlich-Soziale Bürger) pflichtete dem bei. „Da gibt’s mit Sicherheit sinnvollere Maßnahmen“, sagte er, etwa Investitionen in Toiletten.
ÖDP-Fraktionschef Benedikt Suttner hätte sich mehr Kreativität gewünscht. Der Spielbrunnen sei eine „Mordsgaudi und gleichzeitig eine konsumfreie Angelegenheit“. Aber die Kosten seien enorm, und der Platz sei „irre heiß“. Thomas Straub (AfD) sagte: „Wenn sich ein Vollsponsor findet, kann man das hinstellen, ansonsten nicht.“ Während Brücke, FW, ÖDP, AfD und Janele letztlich gegen den Brunnen stimmten, äußerte sich CSU-Stadtrat Josef Zimmermann zwar kritisch, doch letztlich stimmte die Fraktion mit der SPD und Ingo Frank (Die Partei) zu. Zimmermann nannte die Kosten „wirklich happig“ für das dünne Paket. „Wir hätten uns mehr Konzept gewünscht, mehr Ideen.“ Wünschenswert sei ein dauerhafter Brunnen.
Oberbürgermeisterin muss um ihre Mehrheit fürchten
Maltz-Schwarzfischer musste angesichts der geballten Kritik zunächst davon ausgehen, dass sie keine Mehrheit bekommt. Sie warb intensiv für das Paket. Es handle sich um „Sofortmaßnahmen“, die „temporär zielführend und gut“ seien. Der Spielbrunnen sei nicht günstig, aber nicht nur zur Bespaßung von Familien da. „Das ist auch Wirtschaftsförderung.“ Die Händler freuten sich riesig, „wenn die Stadt so etwas macht“. Das Ganze habe eine soziale Seite, weil es kostenlos sei. Zudem gelte: „Es geht auch um eine Maßnahme gegen die Hitzeentwicklung.“ Da müsse mehr passieren, etwa durch den Einbau von Wassersprinklern wie in Nizza. Messergebnisse zeigen: Neben der Play-Fountain war die Luft etwas feuchter. Mit einer Temperaturdifferenz von minus 0,05 Grad hatte sie aber „keinen signifikanten Einfluss auf die Senkung der Lufttemperatur“ auf dem Neupfarrplatz, so eine Stadtsprecherin.
Altstadtkümmerer Stephan Bergmann ergänzte, eine Umfrage habe belegt, dass die meisten Besucher der Play-Fountain in der Stadt blieben und etwa einkauften oder die Gastronomie besuchten.
Fürsprecher fand die OB in der Debatte nur wenige. Klaus Rappert (SPD) bekräftigte, es gehe nur um Sofortmaßnahmen, mittelfristig wünsche sich die SPD mehr, etwa die Stärkung des Markts. Helene Sigloch, Vize-Fraktionschefin der Grünen, sagte: Zwar sei der Spielbrunnen ein „teures Pflaster“, um das Problem am Neupfarrplatz zu lindern. Aber es gelte: „Wir glauben, dass es dieses Pflaster an der Stelle auch braucht.“