Glaswolle-Alarm: Mäuse knabbern Regensburger Schule an

Von Juliana Ried · 10. April 2025 um 17:00

Der Sanierungsstau bei den Regensburger Schulen ist riesig. Auch die Albert-Schweitzer-Realschule im Stadtnorden zählt zu den Gebäuden, deren Sanierung die Stadt seit Jahren vor sich her schiebt. Jetzt wurde bekannt, dass Mäuse dort aktiv sind – und giftige Glaswolle aus der Wandverkleidung reißen.

Ältere Glaswolle gilt als krebserregend. BSW-Stadträtin Irmgard Freihoffer, die als Mitglied des Bildungsausschuss des Stadtrats vom Schulleiter über die aus der Wandverkleidung austretende Glaswolle informiert wurde, hakte nach, wie Stadt damit umgeht. Die Antwort von Andreas Schöbel vom Amt für Gebäudeservice am Mittwoch im Bildungsausschuss lautete: „Wir verhindern, dass die Mäuse weiterhin Zugang haben zu dieser Verkleidung hinter der Sichtmauer, indem wir Lochbleche montieren.“ Zudem werde ein Kammerjäger eingesetzt, der stelle Fallen auf.

Mäuse wärmen sich im Winter in der Gebäudeisolierung

Bildungsreferentin Sabine Kellner-Mayrhofer erklärte: „Diese Mäuse reißen kleinere Mengen aus der Außenisolierung des Gebäudes, lösen das raus und tragen etwas nach außen, insbesondere natürlich während der Wintermonate, weil da drin ist es schön schnuckelig, da kann man sich gut aufhalten.“ Diese Mineralwollteilchen lägen dann im Freien und verteilten sich dort, ein Eintritt ins Gebäude sei ausgeschlossen. Ab und zu finde aber eine Maus den Weg ins Innere. Im Übrigen seien auch im alten Schulzentrum am Sallerner Berg – Kellner-Mayrhofer leitete dort früher das sonderpädagogische Förderzentrum Jakob-Muth-Schule – Mäuse gefangen worden. „Kann vorkommen in manchen unserer Gebäude, je älter sie sind.“ Im Fall Albert-Schweitzer-Realschule habe die Arbeitssicherheit festgestellt, dass „von den kleinen Mengen Mineralwolle keine Gefährdung für Schülerinnen und Schüler oder für Lehrer und Hausverwaltungspersonal ausgeht“. Die Hausmeister seien angewiesen, diese kleinen Mengen regelmäßig aufzusammeln und zu entsorgen; das passiere circa alle vier Wochen. Aussperren ließen sich die Mäuse nicht: Auch mit Lochblechen könne die Fassade nicht komplett geschlossen werden.

Glaswolle: „Selbst einzelne Fasern schon toxisch“

Freihoffer sagte, sie habe gelesen, „dass selbst einzelne Fasern schon sehr toxisch sind“ und fragte, was passiere, wenn Kinder diese in die Hände bekommen. Margit Werner vom Amt für Schulen erklärte, die Mineralwolle in den ganz geringen Mengen sei deshalb nicht gefährlich, weil sie nicht eingeatmet werde. „Da war die Arbeitssicherheit ganz entspannt.“ Zudem sei der Mäusebefall „nichts Neues, sondern seit etlichen Jahren schon da“ und kein Einzelfall. „Das haben wir in mehreren Schulen, die dieses Alter einfach haben.“ Im Sommer werde sich die Situation verbessern.

Die Albert-Schweitzer-Realschule ist ein Backsteinbau aus dem Jahr 1963. Als im Juni 2024 ein neuer Schulleiter begrüßt wurde, hieß es, für die Generalsanierung der Schule, die von den Schülern liebevoll „Gefängnis“ genannt werde, fehlten Ausweichräume. Im städtischen Investitionsprogramm steht das Projekt seit 2015 – ein „Ausführungszeitpunkt“ wird dort nicht genannt.