Mehr als die Hälfte der Straftaten im Bereich der Polizeiinspektion ereignen sich in Parsberg

Von Markus Rath · 11. April 2025 um 05:00

Mehr Straftaten und eine stark verbesserte Aufklärungsquote kennzeichnen die Kriminalitätsstatistik der Polizeiinspektion Parsberg. Bei der Vorstellung der Zahlen zeigte sich, dass die Kriminalitätsbelastung trotz des Anstiegs deutlich niedriger ist als im bayerischen Durchschnitt. Es gibt aber einige Problemfelder, die zur Sprache kamen.

Blickt man nämlich auf die einzelnen Gemeinden, so zeigt sich, dass sich in der Stadt Parsberg allein 379 der 724 Straftaten – und damit mehr als die Hälfte aller Vergehen im Inspektionsbezirk – ereignet haben, obwohl hier nur knapp 8000 der rund 40.000 von der Polizei in Parsberg betreuten Einwohner leben. Die Häufigkeitsziffer (bezogen auf 1000 und nicht wie üblich auf 100.000 Einwohner) liegt bei 46,6 und damit sogar über dem bayerischen Durchschnitt.

Kritischer Bereich am Bahnhof in Parsberg

Diese Werte machten Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer schon nachdenklich. „Verglichen mit Velburg müssten wir angesichts der Kriminalitätsbelastung fünfmal so groß sein“, sagte er. Der Leiter der PI Parsberg, Karlheinz Dietl, verwies in diesem Zusammenhang auf das Umfeld des Bahnhofs. „Hier haben wir schon einen kritischen Bereich mit vielen Diebstählen und Vorkommnissen“, sagte er. In diesem Zusammenhang sei es sehr hilfreich, dass die Polizei inzwischen – wie auch in der städtischen Parkgarage – Zugriff auf die städtische Videoüberwachung hat. „Die Auswertung ist zwar mühsam, hat uns aber schon oft geholfen, Delikte aufzuklären“, sagte Dietl, der auf eine bessere Aufklärungsquote als im Vorjahr blicken konnte.

Wie Dietls Stellvertreter Christian Allgeier, der die Kriminalstatistik vorstellte, berichtete, erreichte die PI Parsberg 75,1 Prozent. „Damit liegen wir gut im Rennen“, sagte er zu der Steigerung im Vergleich zum Vorjahr (71,7). Zum Vergleich: Die Aufklärungsquote für Bayern liegt bei 64,9 Prozent, für die Oberpfalz bei 70,6 Prozent und im Landkreis Neumarkt bei 66,5 Prozent. Ermittelt worden seien 461 Tatverdächtige. Rund die Hälfte von ihnen seien Wiederholungstäter.

Polizei Parsberg kritisiert Legalisierung von Cannabis

Bei der Analyse der einzelnen Deliktsbereiche äußerten Dietl und Allgeier Kritik an der Cannabislegalisierung. Die Entwicklung in der Rauschgiftkriminalität zeige zwar durch die neue Gesetzeslage einen deutlichen Rückgang. Gleichzeitig würden aber die in der Statistik nicht erfassten Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit dem nicht korrekten Cannabiskonsum – zum Beispiel im Umfeld von Schulen oder Jugendeinrichtungen – ebenso sprunghaft ansteigen wie die Fahrten unter Drogeneinfluss. „Wir sind der Meinung, dass das gesetzlich nicht gut gelöst ist. Aber damit müssen wir leben“, sagte Allgeier, der noch zwei weitere Auffälligkeiten ansprach.

So habe sich bei den Rohheitsdelikten die Zahl der Bedrohungen von 13 auf 29 mehr als verdoppelt. Viele Taten würden in den sozialen Medien begangen. „Hier stellen wir außerdem fest, dass die Menschen inzwischen sensibler reagieren und diese Vorfälle häufiger anzeigen als früher“, sagte Allgeier.

Dieser Aspekt geringerer Toleranz zeige sich auch bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Hier würden vor allem Frauen aus bestimmten Kulturkreisen das Verhalten ihrer Männer nicht mehr akzeptieren und häufiger zur Anzeige bringen. Allgeier: „Das wäre ihnen in ihren Heimatländern nicht möglich gewesen.“

Angriffe auf Polizisten und Bürgermeister

Sorge bereitet der Polizei, dass es immer häufiger zu tätlichen Angriffen auf Polizeibeamte oder zu Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte kommt. 2024 wurden elf Delikte registriert, 2023 waren es nur drei. „Das gibt den Kollegen schon zu denken“, sagte Allgeier und verwies auf einen Fall in Hohenfels, bei dem ein Hund auf eine Kollegin gehetzt worden sei.

Wie problematisch diese Entwicklung ist, bestätigte Velburgs Bürgermeister Christian Schmid. Auch aus der Kommunalverwaltung werde immer wieder von Übergriffen berichtet. „Ich selbst bin auch schon mal am Krawattl gepackt worden“, sagt er.

Die Kriminalitätsstatistik der Polizei Parsberg

Entwicklung: Die Zahl der Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahr um 17,15 Prozent von 618 auf 724 gestiegen. Das ist der zweithöchste Wert der vergangenen zehn Jahre. Nur 2015 wurden mit 788 mehr Straftaten registriert.

Kriminalitätsbelastung: Der Dienstbereich der PI Parsberg hat eine Häufigkeitsziffer (bezogen auf 100 000 Einwohner von 1856 (Vorjahr 1584). Zum Vergleich: Der Landkreis Neumarkt liegt bei 2807 (Vorjahr 2593), der Bezirk Oberpfalz bei 3865 (3927) und der Freistaat Bayern bei 4238 (4361).

Tatverdächtige: Etwas angestiegen ist der Anteil der Frauen. Sie lag 2024 bei 20,6 Prozent (im Vorjahr lag der Anteil bei 18,5 Prozent). Weitere Steigerungen gab es bei den nichtdeutschen Tatverdächtigen (von 32,8 auf 34,7 Prozent) sowie bei den Jugendlichen (7,7 auf 9,5 Prozent).

Amtsleiterwechsel: Zum 1. Juli heißt es Abschied nehmen: Dienststellenleiter Karlheinz Dietl geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger für sechs Monate wird Martin Schmidmeier, der zur Vorstellung von Kriminalitäts- und Verkehrsstatistik gekommen war, um mit den Bürgermeistern Kontakt aufzunehmen.