Selbstversuch im Kettenhemd: So will das Burgmuseum Parsberg Besucher ins Mittelalter schicken

Von Markus Rath · 3. April 2025 um 15:00

Das Mittelalter rückt ab dem 10. April im Burgmuseum in Parsberg in den Mittelpunkt. Dann startet eine komplett neu konzipierte Ausstellung. Damit diese zu einer „denkwürdigen Zeitreise“ in eine vergangene Epoche wird, haben die Verantwortlichen ein besonderes Konzept entworfen.

Hintergrund: Entstanden ist diese Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Museum Vohburg, als dessen Leiterin, Regina Straub, den Vorsitzenden des Fördervereins Burg/Museum Hans Skalet auf der Burg in Parsberg besuchte. Mit im Gepäck hatte sie die Idee für die nun verwirklichte Mitmachausstellung „Mittelalter mit allen Sinnen“. Gemeinsam trugen Skalet und Straub nicht nur Ideen, sondern vor allem die Exponate aus den beiden Museen zusammen.

Kernstück der Ausstellung sind dabei verschiedene Mitmachstationen, die den Besuchern vielfältige Erfahrungen vermitteln. „So können typische Geräusche wie der Klang von aufeinander schlagenden Schwertklingen angehört, Gegenstände ausprobiert und mittelalterliche Arbeitstechniken nachgeahmt werden“, erzählt Skalet.

Ausstellung für Schulklassen, Familien und Geschichtsbegeisterte

Die vielen interaktiven Stationen wie die Schreibbank, der Münzstock oder die Rüstungsanprobe ermöglichten es den Besuchern, direkt mit historischen Repliken zu interagieren. „Das erhöht das sinnliche Erlebnis der Ausstellung“, sagt dazu Florian Weiss vom Förderverein Museum/Burg, der Skalet bei seiner Arbeit unterstützt. Dieser praktische Ansatz ziele darauf ab, ein tieferes Verständnis des mittelalterlichen Lebens zu schaffen und die mittelalterlichen Gebräuche für Familien, Geschichtsbegeisterte und Schulgruppen gleichermaßen erlebbar zu machen.

Kochen und Küche: Besucher können die mittelalterlichen kulinarischen Praktiken mit Artefakten wie Kochtöpfen, Dreifußgestellen und hölzernen Utensilien erkunden. Der Gebrauch eines über offenem Feuer hängenden Kessels sowie verschiedenste Gewürze der Epoche veranschaulichen diese Lebenswelt. „Wir haben viele Gewürze und Kräuter, wie zum Beispiel Salbei, an denen die Besucher riechen können, oder Süßholz, das geraspelt und dann geschmeckt werden kann“, erzählt Skalet, der verrät, dass die Besucher – natürlich nur wenn eine Aufsicht dabei ist – sogar versuchen dürfen, selbst mit einem Schlageisen Feuer zu machen.

Keramik und Aufbewahrung: Mit einer Vielzahl von Keramikgefäßen, einschließlich Krügen und Schüsseln, zeigt dieser Bereich das Handwerk und die Funktionalität mittelalterlicher Keramik. „An dieser Station dürfen die Besucher ausprobieren, wie Hygiene im Mittelalter funktioniert und wie sich die Menschen im Mittelalter zum Beispiel mit einem speziellen Gefäß nach dem Essen die Hände gewaschen haben“, sagt Skalet. Dabei erfahren sie auch gleich noch, wie die Redewendung „Den Löffel abgeben“ entstanden ist.

Schreiben und Malen wie im Mittelalter

Kunst und Schrift: Besonders viele aktive Arbeitsschritte sind in diesem Teil der Ausstellung möglich. Denn wer malen will, muss erst einmal Farbe herstellen. Skalet: „Hier wird zum Beispiel Rötelerde fein gemörsert und dann mit Gummi arabicum, dem Harz des Gummibaums, als Bindemittel zu einer Farbe vermischt.“ Außerdem dürften die Besucher ausprobieren, wie damals mit Federkielen und Tinte aus kleinen Fässern auf Pergament geschrieben wurde.

Kriegsführung und Verteidigung: Was wäre das Mittelalter ohne Ritter? „Aber Vorsicht, das war keine leichte Aufgabe“, warnt Weiss. Die Besucher erleben das spätestens dann, wenn sie in ein Kettenhemd schlüpfen, Helm und Handschuhe anlegen und das Schwert in die Hand nehmen. „Das Kettenhemd allein wiegt schon zwischen acht und elf Kilo, eine ganze Rüstung rund 30 Kilo“, erzählt Weiss. Da wird jeder Schritt zu einer Herausforderung.

Alltagsleben und Werkzeuge: Das alltägliche Leben im Mittelalter wird durch Werkzeuge und Objekte, die in den Häusern der Zeit üblich waren, in den Fokus gerückt. Von einfachen Holzmöbeln bis zu handgefertigten Metallwerkzeugen bieten diese Artefakte einen Einblick in die täglichen Aufgaben und Aktivitäten mittelalterlicher Menschen. Skalet: „Sie können eine Handwaage mit Steingewichten ausprobieren, Gemüse abwiegen oder eine eigene Gedenkmünze prägen.“

Gut zu wissen

Ausstellung: Die Mitmachausstellung „Mittelalter mit allen Sinnen“ wurde mit dem Museum Vohburg konzipiert. Sie kann von 10. April bis 24. August im Burgmuseum Parsberg besucht werden.

Andenken: Besucher können gegen Entgelt vor Ort Münzen mit einem Bild der Burg und dem Wappen prägen. Dabei wird der Münzstock aus schwerem Holz mit Muskelkraft betrieben. Ein kräftiger Hammerschlag genügt und die Münze ist fertig.

Öffnungszeiten: Das Burgmuseum ist Mittwoch von 11 bis 16.30 Uhr, Donnerstag von 9 bis 12 Uhr und Sonntag von 14 bis 16.30 Uhr geöffnet. Führungen für Schulklassen und Gruppen sind nach Vereinbarung mit Hans Skalet, Telefon (0 94 92) 15 05, E-Mail: skalet@burg-parsberg.de, außerhalb der Öffnungszeiten möglich.

us

Vorarbeit: Florian Weiss fertigt die Tafeln für die Ausstellung an.