Was mit den Pfarrheimen im Dekanat Schwandorf passieren soll: Nicht alle können erhalten werden

Von Jan Lange · 11. April 2025 um 05:00

Die Schwandorfer Pfarrei Herz Jesu hat sich bereits entschieden: Das Pfarrheim St. Pius wurde verkauft. Anderen Pfarreien steht dieser Schritt noch bevor. Denn mit der Bildung der neuen Pfarreiengemeinschaften wird wohl auch nicht mehr jedes Pfarrheim benötigt.

Die Frage, wie es mit den Pfarrheimen weitergeht, wird nicht einfach zu beantworten sein. Denn das Pfarrheim sei mit der Kirche die Herzkammer einer Pfarrei, findet Dekan Michael Hirmer. Dort treffen sich Gruppierungen, Chöre oder Vereine, dort pulsiere das kirchliche Leben.

So weitermachen wie bisher, sei aber auch nicht möglich. Alle Pfarrheime zu erhalten, sagt Hirmer, würde die Kirchengemeinden finanziell zu stark belasten. Vor allem auch mit Blick auf sinkende Einnahmen bei der Kirchensteuer sowie einem Rückgang an ehrenamtlich Engagierten und einer zunehmenden Überalterung der Helfer. „Es geht jetzt darum, Zukunftswege zu gestalten. Wir müssen Strukturen abbauen“, bekräftigt Hirmer.

Identität geht bei Aufgabe eines Pfarrheims verloren

Auch in Burglengenfeld, wo Michael Hirmer Pfarrer ist, wurde bereits eine Entscheidung getroffen: Die Pfarrgemeinden St. Vitus und St. Josef nutzen seit Januar 2024 das Pfarrheim St. Josef gemeinsam. Das Vitus-Pfarrheim St. Michael wurde aufgegeben und an den Landkreis auf Erbpacht veräußert. „Die Pfarrei St. Vitus hat dadurch pastorales Leben und ihre Identität verloren“, ist sich Hirmer bewusst.

In kleinen Dörfern würden die Pfarrheime oft auch von nichtkirchlichen Vereinen genutzt, weil es oft keinen anderen Saal im Ort gebe, beschreibt der Geistliche die Situation. Gleichzeitig seien aber auch neue Feuerwehrgerätehäuser gebaut worden, so Hirmer, in denen zwar Schulungsräume für die Kameraden entstehen würden, aber kein Saal für die Dorfgemeinschaft. Wenn sich die Kirche zurückziehe, sei dies dann eine Herausforderung fürs Dorfleben.

Aus Haselbach, wo das Pfarrheim ebenfalls ein Treffpunkt für die Dorfvereine ist, wird sich die Kirchengemeinde nicht zurückziehen. Darauf verständigten sich vier haupt- und elf ehrenamtliche Vertreter der künftigen Pfarreiengemeinschaft Schwandorf-Stadt und unterbreiteten dem Bistum einen entsprechenden Vorschlag. Das Pfarrheim in Haselbach ist eines von drei Pfarrheimen, die langfristig erhalten werden sollen. Laut dem Schwandorfer Pfarrer Christian Kalis ist es wichtig, dass auch dieser Teil der Pfarreiengemeinschaft einen Begegnungsort habe.

Kirchliches Leben spielt sich nun im früheren Mesnerhaus ab

Daneben sollen auch die Pfarrheime in Fronberg und von Herz Jesu erhalten werden. Wobei sich Herz Jesu bereits von seinem größeren Pfarrheim St. Pius getrennt hatte und sich das kirchliche Leben nun nur noch im ehemaligen Mesnerhaus neben der Kirche abspielt.

Das ehemalige Pfarrheim St. Pius an der Herbststraße soll übrigens abgerissen werden. Auf der Fläche will die Horsch Stiftung sogenannte Hoffnungshäuser errichten. Drei Gebäude mit jeweils drei Geschossen sind geplant. Der Schwandorfer Bauausschuss wurde in seiner jüngsten Sitzung von der Verwaltung darüber informiert, dass der Bauantrag eingegangen sei und nun geprüft werde.

Eingeteilt wurden die Pfarrheime in vier Kategorien, die sich am künftigen Förderzuschuss bei Instandsetzungen und Sanierungen orientieren. In der höchsten Kategorie gebe es durch die Diözese Regensburg einen Bauzuschuss von 50 Prozent, in den folgenden 30 oder zehn Prozent. Nicht gefördert werden die Pfarrheime der Kategorie vier. In dieser Kategorie sind die Pfarrheime vom Kreuzberg, St. Paul und St. Jakob eingestuft worden. Hier sind die Kirchenstiftungen alleine gefordert.

Dieser Kategorisierung liege ein umfangreicher Fragenkatalog zugrunde. Dabei gehe es beispielsweise darum, wann das Pfarrheim zuletzt renoviert wurde, wie groß die Nutzfläche ist, wie oft und von wem die Räumlichkeiten genutzt werden und wie hoch die Nebenkosten sind. „Da haben wir auch die Sozialstruktur und alternative Begegnungsorte im Blick gehabt“, erklärt Kalis. Wie Hirmer ergänzt, sollen die Pfarrgemeinden die Kategorisierung selbst vornehmen. Sie werde nicht vom Ordinariat vorgegeben, betont er.

Fragenkatalog beantworten

Die Einstufung in die vierte und damit unterste Kategorie bedeute aber nicht, so Kalis, dass die betreffenden Gebäude sofort veräußert würden. Sowohl am Kreuzberg wie auch in St. Paul und St. Jakob gebe es noch eine Nutzung, erklärt der katholische Seelsorger. Das Pfarrheim am Kreuzberg, eine ehemalige Gaststätte, habe die Pfarrei versucht zu verpachten. Ohne Erfolg. Nun kümmern sich ehrenamtlich Aktive darum, kochen und putzen in den Räumen. „Solange sie genutzt werden, verfallen sie meistens nicht“, ist Kalis überzeugt.

Die Frage nach der weiteren Zukunft stelle sich erst, wenn es ein bauliches Problem oder keine ehrenamtlichen Helfer mehr gebe. Und selbst dann sei ein Verkauf nur die „extremste Möglichkeit“, betonen die beiden Geistlichen. Es gebe in diesen Fällen noch eine ganze Reihe anderer Lösungsvarianten.

Wurde ebenfalls aufgegeben: das Pfarrheim St. Pius der Pfarrei Herz Jesu in Schwandorf. Foto: Jan Lange, Archiv