Regensburgs Landkreis-CSU will das Landratsamt zurückerobern – und setzt auf diesen Mann

Es war eine Schmach für die konservative CSU, als man nach 66 Jahren an den Schalthebeln der Macht im Landkreis Regensburg den Schlüssel zum Landratsamt an Tanja Schweiger von den Freien Wählern übergeben musste. Das soll sich bei der nächsten Wahl ändern – und zwar mit diesem Mann.
Früher war für die CSU alles besser. Böse Zungen sagten, man könne in Bayern einen Besenstil aufstellen, wenn er von der CSU ist, dann wird er gewählt. Das ist lange her, wenngleich die CSU im Kampf um die Direktmandate in Bayern auch heute noch so gut wie alles abräumt. Umso tiefer sitzt der Stachel im Fleisch der Regensburger Landkreis-CSU, weil man das Landratsamt bei der Wahl 2014 an Tanja Schweiger von den Freien Wählern verlor. Doch im kommenden Jahr wollen die Christsozialen diese Schmach beenden – wohl mit Patrick Grossmann. Der gibt sich allerdings noch zurückhaltend.
Rückblick: 2014 trat der damalige und heutige Bundestagsabgeordnete Peter Aumer für die CSU an. Der Regenstaufer hatte dafür sein Bundestagsmandat an den Nagel gehängt. Doch in der Stichwahl verlor er gegen Schweiger. In der CSU hatte die Rochade für Turbulenzen gesorgt, denn als Aumer wieder in den Bundestag wollte, musste sein inzwischen verstorbener Parteifreund Philipp Graf von und zu Lerchenfeld zurückstecken. Zwischenzeitlich hat Aumer seine dritte Amtszeit als Direktkandidat. Doch der CSU ist anzumerken, wie sehr es sie schmerzt, das Landratsamt an Schweiger verloren zu haben.
Das liegt auch an Tanja Schweiger selbst. Die Politikerin führt das Landratsamt nun seit zehn Jahren. Sie gilt intern als strukturiert, streng, aber berechenbar. Zudem hat die Freie-Wähler-Politikerin Strahlwirkung nach außen: In zahlreichen Fernsehauftritten etwa bei Markus Lanz verteilte sie vernichtende Noten für die Asylpolitik der Ampel-Regierung.
Schlachtplan für die Wahl
Und sie ist klug genug, ihr Familienleben abzuschirmen – auch, weil der Vater ihrer Kinder stellvertretender Ministerpräsident in Bayern ist. Hubert Aiwanger gilt der CSU zwischenzeitlich ohnehin als Dorn im Auge.
Die CSU hat sich nun einen Schlachtplan zurechtgelegt. Nach den Osterferien soll die Kreisvorstandschaft den Fahrplan für die Kommunalwahl 2026 festzurren.
Dann soll auch Grossmann positioniert werden. Dass er antreten möchte, hat er gegenüber Parteifreunden immer wieder betont. Grossmann wollte sich auf Anfrage allerdings nicht zu einer Kandidatur äußern.
Einer, der ebenfalls für die Kandidatur infrage kommen würde, ist Rainer Mißlbeck. Der Fraktionschef der CSU im Kreistag stieg bei der letzten Wahl gegen Schweiger in den Ring. „Ich möchte der Delegiertenversammlung nicht vorgreifen“, sagt Mißlbeck vorsichtig. Dann aber erklärt er sich klar: „Patrick hat seinen Hut in den Ring geworfen. Während ich als Unternehmer immer als Quereinsteiger gesehen werde, hat Patrick Grossmann natürlich einen sehr starken kommunalpolitischen Background als ehemaliger Bürgermeister.“ Er unterstütze eine Kandidatur Grossmanns, wenngleich er auch schon Stimmen aus der Bevölkerung gehört habe, die ihn erneut zur Kandidatur aufforderten – auch damit Grossmann seine Arbeit im Landtag fortsetzen könne.
„Anspruch auf das Amt“
„Wir erheben ganz klar den Anspruch auf das Landratsamt, weil einiges schief läuft“, sagt Mißlbeck. Er führte beispielsweise die Personalkosten des Landkreises an. Diese seien von 18 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 46 Millionen Euro derzeit geradezu explodiert. „Wenngleich das nicht die alleinige Schuld der Landrätin ist“, räumt Mißlbeck ein.
Auch Kreischef Peter Aumer unterstützt Grossmanns Kandidatur. „Ich bin in der Partei auf die Suche gegangen“, sagt Aumer. „Mit Patrick Grossmann haben wir einen Kandidaten gefunden, der aus der Kommunalpolitik kommt und der weiß, wie man ein so großes Haus wie das Landratsamt führt.“ In der letzten Aprilwoche werde es die Kreisvorstandssitzung geben, in der man sich – Aumer hofft einstimmig – auf Grossmann einigen soll.
„Natürlich muss man sehen, ob es noch mehr Interessenten gibt, aber derzeit sieht es nicht danach aus“, sagt Aumer. Der CSU-Politiker wirft der Amtsinhaberin vor, keine Visionen für den Landkreis zu haben. Gleichzeitig räumt aber auch Aumer ein, dass Schweiger schwer zu besiegen sein wird: „Die amtierende Gegenkandidatin ist eine große Herausforderung.“
Die Amtsinhaberin hat übrigens mehrfach im Interview mit der Mediengruppe Bayern ihre Kandidatur für 2026 erklärt.
Info: Die Amtsinhaber
Geschichte: Für die Landkreis-CSU war der 1. Mai 2014 ein Datum der Schmach. An diesem Tag trat erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg und von den Bürgern gewählt nicht ein Mitglied der CSU den Dienst im Landratsbüro an. Tanja Schweiger von den Freien Wählern eroberte das Amt und setzte sich damals gegen Peter Aumer von der CSU durch.
Kontinuität: Dabei sind die Landkreis-Wähler wohl mit die treueste Wählerschaft im konservativen Bayern. Bei den ersten freien Wählen nach dem Krieg, 1948, wurde mit Leonhard Deininger ein CSUler in das Amt gewählt. Deininger, der übrigens zeitweise auch Stadtrat in Regensburg und – damals noch möglich – Landtagsabgeordneter war, regierte in dem Amt bis 1978, also 30 Jahre. Ihm folgte 1978 der Jurist und legendäre Landrat Rupert Schmid. Auch er kam auf 24 Amtsjahre und focht mit seinem formalen Parteifreund Hans Schaidinger, Oberbürgermeister in Regensburg, so manchen Strauß aus – etwa im Streit um einen damals umstrittenen Sparkassen-Vorstand.
Verlust: Von 2002 bis 2014 regierte der Hemauer Herbert Mirbeth im Landratsamt. Als der CSU-Politiker nicht mehr antrat, kam es zum Streit darum, wer ihm als Kandidat der CSU nachfolgen sollte – auch das markierte das Ende der CSU-Ära im Landratsamt.