Wie der Regensburger Neupfarrplatz mit Synagoge aussah

Von Juliana Ried · 8. April 2025 um 17:00

Ein Nürnberger Galerist hat Damals und Jetzt am Regensburger Neupfarrplatz in einer Visualisierung mit der alten Synagoge zusammengeführt – mithilfe einer kurz vor dem Abriss entstandenen Radierung von Albrecht Altdorfer. Sein Ziel ist auch, „dass sich die Geschichte nicht wiederholt“.

Der Nürnberger Galerist und Künstler Michael Sabadi mag Regensburg – und interessiert sich leidenschaftlich für die Gotik. In den vergangenen Wochen hat sich der 55-Jährige intensiv mit einer Radierung von Albrecht Altdorfer befasst, der das Aussehen der früheren Regensburger Synagoge am Neupfarrplatz kurz vor dem Abriss festhielt. Dieses Damals hat er nun mit dem jetzigen Neupfarrplatz in einer Visualisierung vereint.

Innerhalb weniger Tage wurde ab 21. Februar 1519 die alte Regensburger Synagoge auf dem Neupfarrplatz zerstört. Die Jüdische Gemeinde Regensburg schildert diese Ereignisse auf ihrer Internetseite so: Mit dem Tod von Kaiser Maximilian I. verlor die jüdische Gemeinde ihren Schutzherren. Rat und Bürger der Stadt machten sich das zunutze und beschlossen die Vertreibung der Juden. „Innerhalb von zwei Wochen – vom Ratsbeschluss bis zur Vertreibung – wurde ein 500 Jahre dauerndes Miteinander rücksichtslos ausgelöscht.“ Nur die Tatsache, dass der Maler Albrecht Altdorfer den Synagogenbau noch zeichnen wollte, habe für eine kurze Verschiebung des Abbruchs gesorgt. Altdorfer war auch Ratsherr und damit selbst an der Entscheidung beteiligt – und sogar Teil der Delegation, die diese überbrachte.

Karavan-Denkmal erinnert an Synagoge

Bei Ausgrabungen zwischen 1995 und 1997 legten Archäologen am Neupfarrplatz neben Kellern des früheren jüdischen Viertels auch die Fundamente der Synagoge frei – und zwar überraschenderweise westlich der Neupfarrkirche. Jahrhunderte lang hatte man angenommen, dass die Neupfarrkirche über der ehemaligen Synagoge errichtet worden sei. In Erinnerung an das jüdische Gotteshaus errichtete die Stadt nach den Plänen des israelischen Künstlers Dani Karavan 2005 ein begehbares Denkmal, das den Grundriss mit Säulen und Thoraschrein nachzeichnet. Die Geschichte der alten Synagoge reicht zurück bis in die Mitte des elften Jahrhunderts. Damals wurde sie erbaut, orientiert an den Formen der Romanik. Die Reparatur von schweren Brandschäden im zwölften Jahrhundert erfolgte dann schon im üblichen gotischen Stil.

Mit seiner mit Photoshop erstellten Visualisierung integrierte Sabadi eine der beiden Radierungen von Albrecht Altdorfer vom 21. Februar 1519 in die Bausituation des Jahres 2025. „Man bekommt ein Gefühl für die beeindruckende Höhe des Innenraums“, sagt Sabadi. Bei elf Metern lag diese. Sabadi schlägt vor: „Mit einer 3D-Laser-Installation könnte man den Innenraum der Synagoge als Raumhülle nachbilden.“ Der Raumeindruck wäre wohl beeindruckend, sagt er, vor allem bei Dunkelheit. „Die Menschen könnten wie Altdorfer wieder in der Synagoge stehen – und nach oben blicken.“

Galerist kämpft gegen fehlendes geschichtliches Interesse

Sabadi erzählt, er arbeite im „Brotberuf“ im Bereich Promotion beziehungsweise Vertrieb. Seine kulturell-geschichtlichen Projekte verfolge er parallel. „Ich kämpfe seit Jahren gegen das fehlende kulturelle, geschichtliche und religiöse Interesse an solchen Themen an“, sagt er. Eine Motivation hinter dem Regensburger Projekt sei auch, „dass sich die Geschichte nicht wiederholt“. Er verfolge damit keinerlei kommerzielle Interessen, deshalb bräuchte er für die Umsetzung der Idee mit der Laser-Animation auch Unterstützung. „Man müsste einen Sponsor und den Willen dazu finden“, sagt er. Die Rückmeldung der zuständigen Stellen in der Stadtverwaltung sei allerdings „schleppend und zäh“.

Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra bestätigt, Sabadis Visualisierung sei in der Stadtverwaltung bekannt. Sie sagt: „Auch der Stadt ist es wichtig, das Gedenken an die frühere Synagoge am Neupfarrplatz zu bewahren. Allerdings werden in diesem Jahr schon viele Veranstaltungen von der Stabsstelle Erinnerungs- und Gedenkkultur organisiert und durchgeführt, so dass ein Projekt zur ehemaligen Synagoge mit Blick auf die schon verplanten finanziellen Mittel und personellen Kapazitäten nicht umgesetzt werden kann.“

Ilse Danziger, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg, sagt zu Sabadis Visualisierung: „Die Idee ist natürlich schon gut. Da hat man einfach eine bessere Vorstellung.“ Zuständig für alles, was auf dem Neupfarrplatz an die Synagoge erinnern könne, sei allerdings die Stadt.