So will die Stadt Regensburg für mehr Leben am Neupfarrplatz sorgen

Von Juliana Ried · 5. April 2025 um 05:00

Die zuständigen Gremien des Regensburger Stadtrats beraten ab Donnerstag über ein Maßnahmenpaket zur Belebung des Neupfarrplatzes. Das soll in der „Übergangsphase“ bis zur Wiederbelebung des leerstehenden ehemaligen Kaufhofs Wirkung zeigen.

Im Wortsinn ist das Maßnahmenpaket der Stadt für eine „Belebung am Neupfarrplatz“ dünn. Zweieinhalb Seiten umfasst der Text in der Beschlussvorlage für die Stadträte, in der es um Freisitze geht, einen Spielbrunnen und Pflanzkübel. Die einen, darunter Maria Müller von der Kaufleutevereinigung Faszination Altstadt, freuen sich über die Sofortmaßnahmen. Den anderen sind sie zu dürftig.

Über das Maßnahmenpaket soll am Donnerstag zunächst der Verwaltungsausschuss beraten. Ziel sei, dass der Neupfarrplatz auch in der „Phase des Übergangs“ bis zu einer Nachnutzung des leerstehenden ehemaligen Kaufhofs „ein wichtiger Anziehungspunkt für die Besucher des Welterbes bleiben wird“.

Neue Freisitz-Zone

Konkret schlägt die Verwaltung zum einen eine neue Freisitzzone auf der südlichen Platzseite vor, nachdem dort neue gastronomische Nutzungen geplant seien. Aktuell sind dort unter anderem ein Dönerladen ansässig, eine Confiserie und zwei Parfümerien. Neben einer davon soll eine Gastronomie einziehen. Zum zweiten soll der mobile Wasserspielbrunnen, der bereits 2023 und 2024 auf dem Neupfarrplatz stand, wieder kommen. Das einmonatige Gastspiel soll rund 150 000 Euro kosten. Außerdem prüfe die Stadtverwaltung derzeit intensiv, „welche weiteren Maßnahmen zur Belebung des Neupfarrplatzes möglich sind“, insbesondere im direkten Umfeld des Ex-Kaufhofs. Konkret würden mögliche Standorte für eine zusätzliche temporäre Begrünung zwischen Frühjahr und Herbst 2025 geprüft. Auch das kommende Marktkonzept soll sich dem Neupfarrplatz widmen.

Maria Müller sagt als Geschäftsführerin von Faszination Altstadt: „Wir freuen uns, wenn das alles so kommt.“ Eine dauerhafte Begrünung am Neupfarrplatz sei schwierig. Im Untergrund dokumentiert ein Grabungsareal einen Querschnitt der Stadtgeschichte. Oben ist der Platz eine Veranstaltungsfläche. Bis 7. Mai sei aber erst einmal Platz für temporäre Begrünung, so Müller. Der Play-Fountain-Brunnen solle zum Ferienbeginn im August kommen und werde von einigen erwartet. Er sei ein Ausflugsziel für ganze Kindergartengruppen. Zwar meldeten ihr die Mitglieder nicht zurück, dass die Frequenz in ihren Altstadtläden seit dem Kaufhof-Aus spürbar zurückgegangen sei. Der Neupfarrplatz sei aber nur so „mittellebendig“. Sie wünsche sich, „dass die Aufenthaltsqualität steigt, dass es Schatten gibt und auch Grün“. Dazu seien Kompromisse zwischen den beteiligten Ämtern nötig. „Es wäre schön, wenn man für ein größeres Ziel enger zusammenarbeitet.“

CSU-Fraktionsvorsitzender Michael Lehner ist kritischer. Er sagt: „Ich finde die Maßnahmen gut. Aber ein bisschen wenig.“ Die Freisitz-Idee bringe dem Norden des Platzes nichts, moniert er. „Den Neupfarrplatz müsste man mit Wasser, Grün und Entsiegelung aufwerten.“ Dazu gehörten richtige Bäume oder Blumen im Boden, nicht in Trögen. „Dass da gar nichts geht, kann ich mir nicht vorstellen.“ Brücke-Fraktionschef Thomas Thurow argumentiert ähnlich. „Es ist gut, dass was passiert“, sagt er. „Aber das ist ein Maßnahmenpaket, das nur vier Wochen Wirkung hat.“ 150.000 Euro für einen mobilen Brunnen seien ein „Wahnsinnsbetrag“. „Man muss sich überlegen, wie man mit Begrünung und einem Wasserspiel, das nicht nur temporär installiert ist, die Aufenthaltsqualität nachhaltig erhöht.“ Sein Brücke-Kollege Florian Rottke warnt zudem davor, dass Freisitze auch Mietpreise in eine Höhe treiben könnten, die für Einzelhandel nicht mehr erschwinglich ist.

Bäume: „Andere Debatte“

Die Grünen wünschen sich am Neupfarrplatz schon lange mehr echte Bäume. Aber das sei „eine andere Debatte“, sagt Vize-Fraktionschefin Helene Sigloch, die die Grünen am Freitag als OB-Kandidatin vorstellten. „Ich find’s gut, dass wir einfach schnell einen Vorschlag bekommen haben.“ Der sei gut, löse aber nicht das Leerstands-Problem, das einen Abwärtstrend auslöse. „Das Wichtige ist, dass das nicht dazu dient, den Druck aus den anderen Plänen zu nehmen.“

SPD-Fraktionschef Thomas Burger lobt die Sofortmaßnahmen. „Ich find’s positiv, dass man nicht wieder auf ein Gesamtkonzept wartet, sondern einfach macht, an den Start geht.“ Er wünsche sich noch, dass man auch ohne Marktkonzept für mehr Stände sorgt: etwa mit einer Bude, die von verschiedenen Akteuren mit touristischen Waren oder kleineren Spezialitäten bespielt wird.

Das ehemalige Kaufhof-Gebäude

Eigentumsverhältnisse: Mitte Dezember wurde die Stadt informiert, dass die Kaufhof Regensburg GmbH das Gebäude verkauft habe. Als geplante Nutzung wurde ein islamisches Kulturkaufhaus genannt. Beim Grundbuchamt ging bislang kein Antrag auf Eintragung eines neuen Eigentümers ein.

Erwerb: Nachdem der Stadtrat mehrheitlich gegen die Ausübung des Vorkaufsrechts gestimmt hatte, prüft die Stadt einen freihändigen Erwerb.