Flaute statt Festivals: Heuer ist auf dem Regensburger Pürkelgut nicht viel los

Von Mittelbayerische Zeitung · 4. April 2025 um 13:00

Auf den Wiesen beim Schloss Pürkelgut in Regensburg war in den vergangenen Jahren einiges geboten. Hip-Hop-Star Sido rappte vor vollem Haus, die Kult-Band Fury and the Slaughterhouse war da, die Skandal-Band Freiwild auch, es gab Mallorca-, Farbgefühle- und Techno-Partys. Heuer ist aber wenig los. Warum eigentlich?

Zwei bekannten Veranstaltern zufolge soll es zu einem großen Teil daran liegen, dass die Stadt Regensburg zu einem „Bürokratie-Monstrum“ geworden sei. Die Kommune weist die Vorwürfe aber zurück und sagt, dass die Zahl an Veranstaltungen in Regensburg zuletzt im Gegenteil stark gestiegen ist.

In Sachen große Open-Air-Feste steht im Regensburger Terminkalender für 2025 in der Tat derzeit wenig drin. Ein Festival am Pürkelgut sei bislang angekündigt worden, teilt die Stadtverwaltung mit. Ansonsten habe es bislang keine Genehmigungsanfrage gegeben. Nicht für bekannte Orte wie für den Dultplatz, und auch nicht für unübliche Locations.

„Kaufkraft für die Stadt“

Bei Open-Airs in Regensburg gab es stets auch Kritiker, meist wegen der Lautstärke. Unterm Strich, so sieht es jedenfalls der Regensburger Veranstalter Peter Kittel, seien diese Feste aber ein großer Gewinn für die Stadt gewesen. Schließlich käme mit zigtausenden Besuchern viel Kaufkraft nach Regensburg.

Kittel verpachtet auch Flächen am Pürkelgut. Er sagt, dass es bislang kaum Buchungen gab. Ihm sei derzeit einzig bekannt, dass das Elektro-Festival „Zuckerbrot und Peitsche“ wieder stattfinden wird.

Woran das liegt? Da hat er eine klare Meinung: „Sicher auch daran, dass die Auflagen der Stadt so unternehmerfeindlich sind, dass sich Veranstalter über kurz oder lang zurückziehen.“ Er selbst habe das schon getan, weil er nach eigener Aussage den Papierkrieg satt hat: „Jetzt konzentriere ich mich lieber auf andere Bereiche. Ich brauche es nicht und mache es nicht mehr, weil mir das zu blöd ist. Du wirst behandelt wie ein Feind“, sagt er.

„Diesem Frieden würde ich nicht trauen“

Zuletzt schien es aber so, als würde die Stadt auf Veranstalter, die am Pürkelgut etwas machen, sogar ein Stück zugehen. So wurde vergangenes Jahr das Zeitfenster, in der Musik erlaubt ist, ausgeweitet. „Diesem Frieden würde ich nicht trauen“, sagt Kittel. Schließlich habe ihn mit am meisten genervt, dass Genehmigungen jedes Jahr komplett aufs Neue beantragt werden müssen: „Obwohl du im Kern genau dasselbe machst wie im Vorjahr.“ Er spricht von einem „Bürokratie-Monstrum“. Und die Stadt brauche sich „nicht zu wundern, dass gerade junge Veranstalter sich das nicht mehr antun“.

Ein anderer bekannter Veranstalter äußert sich ähnlich kritisch. Arthur Theisinger hat mit seiner Agentur Power Concerts viele Großveranstaltungen auf dem Pürkelgut organisiert. Dieses Jahr hat er es nach eigener Aussage „nicht mehr drauf angelegt“, dort etwas zu machen. Mit dem Konzert von Weltstar Ronan Keating ist er zum Beispiel in den Markt Schwarzenfeld in den Landkreis Schwandorf gegangen. „Dort ist es eine ganz andere Art zu arbeiten“, sagt er: „Die Gemeinde hat uns voll unterstützt.“ In Schwandorf habe er ähnliche Erfahrungen gemacht. Er habe da das Gefühl, dass sich die Städte darüber freuen, dass jemand etwas auf die Beine stellt. In Regensburg empfinde er das anders: „Da kommt es eher so rüber als wie: Oh Gott, der Theisinger schon wieder.“ Er erzählt, dass bei den Genehmigungen einst München „das Schlimmste war, heute sind die im Vergleich zu Regensburg handzahm“. Auch in Nürnberg erlebe er es anders: „Da miete ich eine Halle an und wenn ich mich ans geltende Sicherheitskonzept halte, war es das. Fertig.“ In Regensburg müsse er selbst für kleinste Veranstaltungen ein Dutzend Seiten ausfüllen. Besonders krass sei für ihn der Vergleich mit Obertraubling. Dort betreibt er die Eventhall Airport. „Quasi hundert Meter nach der Regensburger Stadtgrenze gibt es wieder eine optimale Zusammenarbeit mit der Gemeinde.“

Die Stadt teilt auf Anfrage mit, dass sie Schilderungen einer schlechten Zusammenarbeit mit Veranstaltern nicht nachvollziehen kann. Im Normalfall sei diese konstruktiv.

Liegt das Problem woanders?

Ein anderer Eindruck könnte vielleicht entstehen, sagt sie, „wenn Veranstalter Unterlagen trotz mehrmaliger Aufforderung nicht beibringen und es dadurch zu vermeidbarem Zeitdruck kommt oder aber wenn Veranstalter nicht bereit sind, Auflagen zum Schutz der Veranstaltungsbesucher, wie zum Beispiel eine Begrenzung der Besucherzahl aus Brandschutzgründen, zu akzeptieren“. Ob Anträge immer wieder aufs Neue gestellt werden müssen, hänge vom Veranstaltungsort ab. Bei der Donau-Arena etwa gebe es ein Sicherheitskonzept und es reiche aus, wenn dieses beachtet wird. Auf Freiflächen wie Dultplatz oder Pürkelgut würden dagegen sehr unterschiedliche Veranstaltungen stattfinden: „Ein einheitliches Sicherheitskonzept wäre hier nicht zielführend, da die Gefahren, denen es vorzubeugen gilt, sehr unterschiedlich sind.“ Zudem würden sich Veranstaltungen zum Vorjahr oft verändern. Auch aktuelle Gefährdungslagen – wie etwa die Anschlagsgefahr durch Pkw – könnten eine Anpassung des bestehenden Sicherheitskonzeptes erfordern.