Auch mit 78 auf Entdeckungsreise: Schwandorfer Weinpapst Rudolf Knoll setzt sich noch nicht zur Ruhe

Sein Leben lang hat sich der Mann mit Rebsorten, Winzern und Mostgewichten beschäftigt. Vor bald 30 Jahren siedelte er nach Schwandorf um, weil das so schön zwischen Rheinhessen und der Wachau gelegen ist. Nun hat Rudolf Knoll (78) ein neues Buch geschrieben.
Rudolf Knoll empfängt in seinem Eigenheim im Schwandorfer Ortsteil, genauer, im ausgebauten Dachgeschoss. Hier steht der PC zum Schreiben, hier stecken die Regale voller Wein-Schmöker, hier hängen seine Auszeichnungen und Urkunden. Vom Land Baden-Württemberg bekam er die Staufermedaille, von der österreichischen Weinwirtschaft den Bacchuspreis, vom Verein der Prädikatsweingüter den Sonderpreis für Publizistik. Und so weiter und so fort.
Auch mit 78 Jahren noch auf Neuland-Suche
Der 78-Jährige ist aber auch nicht irgendwer. Unzählige Wein-Bücher hat er geschrieben, „inzwischen dürften es an die 70 sein“, wie er schätzt. Rudolf Knoll war lange Jahre Leitender Redakteur der Zeitschrift „Vinum“, für die er nebenbei gleich auch noch den Deutschen Rotweinpreis erfunden hat. Und immer war der Schwandorfer Weinpapst auf Neuland-Suche.
Als einer der ersten hat Rudolf Knoll über die Weine in der damaligen DDR berichtet. Nach dem Glykol-Skandal in Österreich entdeckte er die dortigen Spitzenweine. Er besuchte Winzer in Griechenland zu einer Zeit, als Normalsterbliche nur schauderhaften Retsina kannten und den Ohrwurm von Udo Jürgens. Knoll hat georgische Amphrenweine verkostet und in Moldawien der über 5000-jährigen Anbaugeschichte nachgeforscht. Er hat Weingüter an Saale und Unstrut vorgestellt, aber auch in der bayerischen Diaspora, südlich des Bocksbeutel-Äquators. Um neue Marktlücken ging es dem Autor dabei erst in zweiter Linie: „Ich bin einfach schon immer neugierig gewesen“, sagt der Wein-Journalist.
Er stand schon gegen Franz Beckenbauer im Tor
Zum Beruf kam Rudolf Knoll auf Umwegen. Angefangen hat der gebürtige Münchner als Verlagskaufmann in der Beilagenredaktion beim Merkur. Und weil er „Wein schon immer gern getrunken“ hat, war er bald für Essen und Trinken zuständig. Das Thema war damals noch taufrisch. Nebenbei schrieb er als freier Mitarbeiter für den Sport – in einer Zeit, als die Spielberichte noch telefonisch durchgegeben wurden.
Auch hier war Rudolf Knoll ein Mann vom Fach. Denn in seiner Jugend stand er beim FC Wacker München im Kasten und hatte es als 16-Jähriger auch mit einer späteren Berühmtheit zu tun: „Das können nur wenige von sich sagen, aber es stimmt: An mir ist sogar Franz Beckenbauer gescheitert“, erzählt der Journalist mit einem Augenzwinkern. Bei der Bundeswehr hat er dann mit Georg („Katsche“) Schwarzenbeck und Franz („Bulle“) Roth in einer Mannschaft gespielt und prompt die Deutsche Heeresmeisterschaft gewonnen.
Auch in seinem späteren Leben als Weinkritiker sollte der Fußball noch eine Rolle spielen. Ein paar Mal lief Knoll für die Deutsche Weinelf auf und könnte noch heute Stunden von der ein oder anderen legendären Partie erzählen – zum Beispiel gegen die deutschen Spitzenköche im Münchner Olympiastadion.
Entdeckungen in der „Schatzkammer“ in Bremen
Sportlich muss der 78-Jährige inzwischen deutlich kürzer treten. Doch beim Thema Wein rackert Rudolf Knoll auch heute noch unermüdlich. Anfang der 80er Jahre hatte er komplett umgesattelt und zunächst als Chefredakteur der Zeitschrift „Weinfreunde“ gearbeitet. 1984 stieß er zum Vinum-Team, dem er fast 40 Jahre verbunden blieb. „Die Zeit hat mich geprägt“, sagt Knoll.
Um eine gute Geschichte war der Wein-Journalist noch nie verlegen. Sein inspirierendstes Weinerlebnis? Rudolf Knoll berichtet von zweien. Wie er mal zusammen mit dem Kellermeister in der „Schatzkammer“ des Bremer Ratskellers den Fasswein aus dem Jahr 1653 verkostet hat. Oder die Sache mit dem 1811er-Riesling auf dem Pfälzer Weingut Bassermann Jordan. „Davon gab es damals noch zwölf oder 13 Flaschen“, erzählt Knoll. Nach einem Besuch waren es nicht mehr ganz so viele. Beide Raritäten schmeckten „wie ein feiner alter Sherry“.
Gute Tropfen kann es schon für fünf Euro geben
Bei aller Vorliebe für alte, auch älteste Weine – ein Snob ist der 78-Jährige nicht. Sein umfangreiches Wissen hat er auch schon an der Schwandorfer Volkshochschule weiter gegeben. Und noch immer lautet sein Credo: „Wenn man sich informiert, kann man im Supermarkt auch schon ab fünf Euro gute Weine finden. Zumindest, wenn man die Namen kennt.“ Eine Flasche von einem österreichischen Winzer mit einem „optimalen Preis-Leistungsverhältnis“ hat er erst kürzlich im Regal aufgespürt – einen Grünen Veltliner übrigens, der neben Spätburgunder und Riesling zu seinen bevorzugten Rebsorten gehört.
Rudolf Knoll ist halt ein echter Entdecker – ob beim Rewe oder im Weinbaugebiet Baden, das er in seinem neuesten Buch beschreibt. „Menschen, Geschichte, Reben. Eine Reise für Genussmenschen“ heißt es im Untertitel. Das könnte als Motto auch für den Schwandorfer Weinjournalisten gelten, der schon wieder an seinem nächsten Projekt bastelt. Dabei soll es um weniger bekannte Erzeuger in Bayern gehen – am Ammersee, im Altmühltal und auch bei uns in der Nähe, auf den Winzerer Höhen in Regensburg.
Und das ist Rudolf Knolls neuestes Buch:
Knolls jüngstes Werk ist im März im 8 grad verlag in Freiburg erschienen: „Rudi Knoll, Baden. Meine Weinheimat: Menschen, Geschichte, Reben. Eine Reise für Genussmenschen“. Das offizielle Weinbaugebiet Baden ist laut Knoll mit mehr als 15.600 Hektar Rebfläche das drittgrößte in Deutschland. Von Tauberfranken im Norden reicht es über fast 400 Kilometer bis zum Bodensee.
Rudolf „Rudi“ Knoll hat sich schon immer für die Menschen hinter den Rebstöcken interessiert und auf seiner jahrzehntelangen Recherche der Geschichte des Weinbaus, aber vor allem den Winzern nachgespürt, die ihre eigenen Wege gehen, unabhängig von Mengenproduktion und Genossenschaftswesen. Das Buch über Baden macht da keine Ausnahme. Kenntnis- und anekdotenreich, aber nie geschwätzig, stellt Knoll die Familien vor, die den Weinbau in der sonnenverwöhnten Region geprägt haben und prägen. Fast im Vorbeigehen erfährt man so einiges über die wichtigsten Rebsorten und ihre oft verzwickte Biologie.
Knolls literarische Spätlese ist eine Fundgrube für alle interessierten Weinfreunde. Man kann sich das Buch kaufen und im Handel stöbern. Oder man klemmt es sich unter den Arm und fährt bei Gelegenheit einfach mal ins Badische.

